© Klaus-Peter Kappest

Auf Hochtouren: Digitale Planung und Orientierung in den Bergen

GPS

13.04.2016

Fotos und Screenshots: Thomas Froitzheim

Orientierung per GPS in den Bergen fordert Geräte und Benutzer deutlich mehr als die Wanderung im Mittelgebirge. Läuft alles gut, kann eine alpine Hochtour ganz einfach zu navigieren sein. Die Herausforderungen zeigen sich erst in möglichen Extremsituationen.

Keinesfalls sollte man in den Bergen den Streckenvorschlag dem GPS-Gerät überlassen (Zieleingabe: „Führe mich zur nächsten Alm“). Dieses spontane Routing kann in den Bergen gefährlich werden, weil das GPS-Gerät mit der geeigneten Auswahl mehrerer Wegen schlichtweg überfordert ist. Stattdessen sollte man umso mehr Wert auf die Vorbereitung der Tour legen. Je besser die Karten, desto geringer die Enttäuschung. Im Internet gibt es immer bessere Karten, mit denen man sich fast metergenau auf die Tour vorbereiten kann. 

Mit Portalen wie www.gpsies.com lassen sich ausgeschilderte Wanderwege auf immer präziseren OpenStreetMap-Karten einblenden, die man dann mit der Maus nur nachzuklicken braucht. Für den Alpenbereich bieten die 3D-Realtymaps tolle Möglichkeiten zur fotorealistischen Planung und dazu sehr präzise Höhendaten. Mit der entsprechenden App „3D Outdoor-Guides“ navigiert man im Gelände dann später fast schon wie mit einer 3-D Brille. Für Schneetouren kann man inzwischen auch auf spezielle Winterkarten, z. B. bei Outdooractive.com, zugreifen. Diese zeigen nicht nur die Lifte, Skipisten und Loipen, sondern auch lawinengefährdete Hänge.

Die Schweiz ist für ihre hervorragenden, aber auch teuren Karten bekannt. Anbieter wie GPS-Tracks.com machen Schweiz-Karten für kleines Geld zugänglich, sowohl für die Vorbereitung am PC als auch als Smartphone-App. Der Deutsche Alpenverein hat sich mit seinen DAV-Karten kartographisch insbesondere in Österreich engagiert. Die DAV-Karten können originalgetreu auch auf Garmin- oder Satmap-Geräte geladen werden.

Tourenvorschläge gibt es im Netz genug, aber aus Sicherheitsgründen sollte man am besten auf offizielle Touren der Tourismusregionen zurückgreifen. Vorschläge privater Nutzer sind in Sachen Schwierigkeitsgrad nicht immer aktuell und optimal beschrieben. Über aktuelle Wegezustände geben die Portale der Alpenvereine Auskunft (www.alpenvereinaktiv.com).

Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft sich zuvor einen gedruckten Wanderführer eines bekannten Verlags wie Rother oder Bruckmann. So kann man sich in Ruhe Touren aussuchen und sie dann per Code aus dem Internet herunterladen. Das Höhenprofil ist stets dabei und auf dem Smartphone gibt es weitere Informationen dazu.

Das Smartphone kann unterwegs eine große Hilfe sein. Es sollte allein schon wegen der Notruf-Funktion auf die Wanderung mitgenommen werden. Zudem kann es hilfreiche Informationen liefern: Ist die angepeilte Hütte schon besetzt? Welches Wetter zeigt die Webcam am Gipfel? Die Wetter-Abfrage ist bei Bergtouren ohnehin ganz wichtig. Unterwegs kündigt ein Regen-Radar ziemlich verlässlich an, ob man in den nächsten beiden Stunden nass wird oder nicht. Beim Abrufen all dieser Informationen fließen Daten, dafür rechtzeitig einen passenden Datentarif aussuchen und bei Bedarf vorab für das Ausland dazu buchen. Wer keinen hat, kann, zumindest solange er in der gebuchten Unterkunft ist, das hauseigene WLAN-Netz nutzen. Und nicht vergessen: Auch digitale Karten für Smartphones haben hohe Datenvolumen – den Download auf jeden Fall vorab von Zuhause aus erledigen.

Hütte: Betten frei, Steckdosen besetzt

Wer hat es nicht schon erlebt: Die vergebliche Suche nach Steckdosen zum Aufladen der diversen digitalen Helfer. Besonders in Berghütten, aber auch auf Campingplätzen scheinen freie Steckdosen manchmal Mangelware zu sein. Und so gipfelt die Lösung des Problems verlässliche Energieversorgung nicht selten darin, dass man schwere mobile Akkus mit auf Tour nimmt. Für ausgedehnte Touren empfehlen sich stets energieeffiziente GPS-Geräte mit kleinem Bildschirm und kleiner Tastenbedienung, z. B. Garmins  eTrex30 oder der GPSMap64. 

Die Bedienbarkeit per Tasten hat einen weiteren Vorteil: Beim Tragen von Handschuhen ist sie einfacher als bei Touchscreen-Geräten. Üben muss man es vorher aber auf jeden Fall. Für die Auswertung der zurückgelegten Höhenmeter empfiehlt sich ein GPS-Gerät mit barometrischem Höhenmesser. Smartphones können das zwar grundsätzlich auch, die barometrische Funktion fehlt ihnen aber häufig. Zudem ist ihr Display im hochalpinen Sonnenlicht kaum noch ablesbar. Und eben auch wegen der besseren Energie-Effizienz sowie der Witterungsresistenz sollte man auf Bergtouren eher zum GPS-Gerät als zum Smartphone greifen.

Thomas Froitzheim, auch Fotos und Screenshots

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