© Klaus-Peter Kappest

Daunenjacken: mollig warm durch die kalte Jahreszeit!

Praxistest

18.02.2016

Auch 2016 setzen wir unsere erfolgreichen Langzeit-Praxistests fort. Wie gewohnt stellen wir Ihnen im 2-Monatsrhythmus Wanderausrüstung in ein oder zwei Testkategorien vor. Zusätzlich können Sie in der Printausgabe des Wandermagazins den oder die aktuellen Berichte in komprimierter Fassung nachlesen.

Wir beginnen das Jahr mit mollig warmen Daunenjacken. Neben vier Jacken ohne Kapuze und mit „normaler“ Dauenenfüllung haben wir auch noch 5 Jacken ausprobiert, die mit hydrophoben Daunen gefüllt sind und die zudem eine Kapuze haben.

Den ausführlichen Testbericht mit zusätzlichen Fotos und Tabellen
können Sie hier kostenlos als pdf-Datei downloaden (811 KB)

Unsere Testkandidaten

Ohne Kapuze, „normale“ Daunen:

  • Bergans Down Light Jacket
  • Canada Goose Hybridge Lite Jacket
  • Patagonia Down Sweater
  • Salewa Antelao Down Jacket

Mit Kapuze, hydrophobe Daune

  • Berghaus Furnace Hooded Jacket
  • Jack Wolfskin Argo Jacket
  • Montane North Star Light Jacket
  • Mountain Equipment Dewline Hooded Jacket
  • Rab Continuum Hoodie
TestgebietDeutsche Mittelgebirge: Hunsrück, Mittelrheintal, Pfälzerwald, Moseltal; Ederbergland, Teutoburger Wald, Schwäb. Alb
Strecken5 bis 17 km
Höhenmeter▲▼ jeweils bis zu 600 m
Temperaturen   
10°C bis -5°C
Wetter☀, ☁, ☂,☃
ZeitraumSeptember 2015 bis Dezember 2015 (mind. 3 Monate)


Die jeweils betroffenen Hersteller haben keinerlei Einfluss auf die Durchführung und das Ergebnis der Tests. Wir haben uns bemüht, die Vor- und Nachteile der Produkte, die uns während des Langzeittests aufgefallen sind, so objektiv wie möglich darzustellen. Oberstes Ziel der Studie war es, möglichst umfassende und praxisnahe Informationen zum jeweiligen Testprodukt zu bieten.

Im Folgenden stellen wir die getesteten Produkte kurz mit Foto und tabellarischem Überblick vor (darunter auch der aktuelle Ladenpreis, das von uns ermittelte Gewicht und die Kontaktadresse der Hersteller), bevor wir unsere Eindrücke und Erfahrungen auflisten und die Kandidaten bewerten.

Übrigens:

Für unsere Praxistest wählen wir aus einem großen Produktangebot in der Regel 6, in Ausnahmefällen wie diesem Zwei-Kategorien-Test bis max. 10 Kandidaten aus, die wir im mehrmonatigen Praxistest genau unter die Lupe nehmen. Durch die sorgfältige Vorauswahl schaffen es in der Regel nur Spitzenprodukte zu den auserkorenen Testkandidaten zu gehören.

Das oder maximal die beiden Produkte, die sich in der Praxis am besten bewähren, nachhaltig sind und rundum fürs Wandern am besten überzeugen, erhalten schließlich das begehrte Wandermagazin-Testsiegel.


Kategorie 1: ohne Kapuze, „normale“ Daune

Salewa Antelao Down Jacket

Diese sehr leichte Jacke ist mit einer sehr hochwertigen Daunenmischung (siehe Glossar) von 95% Dauen zu 5% Federn gefüllt. Hinzu kommt eine ebenfalls sehr gute Bauschkraft (siehe Glossar) von 800 cuin. Dadurch ist die Isolationsleistung dieser Jacke insgesamt recht gut, auch bei Minusgraden hält sie angenehm warm.

Auffällig sind die sehr schmalen Kammern, in denen die Füllung untergebracht ist. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile: je kleiner die Kammern, umso weniger kann die Füllung verrutschen. Allerdings gibt es durch kleine Kammern deutlich mehr Nähte, die, wenn sie (wie hier) durchgesteppt sind, immer eine Schwachstelle in der Isolation darstellen. Das Außenmaterial aus winddichtem und reißfestem Pertex Quantum macht die Jacke ausreichend strapazierfähig. Die Jacke läßt sich platzsparend in einer der Brusttaschen verpacken. Der Saum der Jacke hat ein elastische Bündchen, so sitzt die Jacke gut, wenig Wärme entweicht.

Unser Fazit: Die Salewa Antelao Down Jacket bietet sich v.a. als warme midlayer oder bei trockenem Wetter auch als äußerste Kleidungsschicht an. Was wir allerdings bemängeln, sind die fehlenden Handwärmertaschen. Die beiden RV-Außentaschen auf Brusthöhe sind dazu nicht zu verwenden. Was nutzt es am Körper mollig warm zu sein, wenn die Hände frieren? Zudem ist die Rückenlänge mit 76cm relativ kurz.

Insgesamt erhält die Jacke 65% der maximal möglichen Punkte dieser Unterkartegorie und das Testurteil „gut“.

Patagonia Down Sweater

Die mittelschwere Jacke mit robustem, winddichten (100% recyceltem) Oberstoff ist mit einer 90:10er Gänsedaunenmischung gefüllt, deren Herkunft zurück verfolgt werden kann. Die 800 cuin fillpower sorgen für eine prima Isolationsleistung, die auch für Temperaturen unter Null ausreicht.

Die Kammern haben eine Breite von 5cm, was einerseits eine konstant gute Verteilung der Daunen gewährleistet und andererseits eine akzeptable Anzahl von Quernähten mit sich bringt. Die Handwärmertaschen sind gut erreichbar und erfüllen ihren Zweck gut. Die Jacke weist eine Rückenlänge von 78 cm auf, was beim Wandern mit Rucksack ok ist. Am Saum hat die Jacke einen verstellbaren Kordelzug, mit dem man den Sitz optimieren kann, damit wenig Wärme entweicht.

Die RV-Innentasche der Jacke kann übrigens als Packtasche benutzt werden.

Unser Fazit: Der Patagonia Down Sweater eignet sich sowohl als Midlayer als auch als äußere Jacke bei trockener, kalter Witterung. Die innere Abdeckleiste des 1-Weg Front-RV ist mit nur 7mm Breite etwas knapp bemessen. Insgesamt erreicht die Jacke 65% der maximal möglichen Punkte und bekommt damit das Testsiegel „gut“.

Bergans Down Light Jacket

Das Bergans Down Light Jacket zeichnet sich durch einen besonders langen Rücken (84 cm) aus, der den Rücken sehr gut wärmt. In Kombination mit dem elastischen Saum bleibt die Wärme in der Jacke. Denn die 90:10er Gänsedaunenfüllung mit 700 cuin Bauschkraft sorgt auch bei Temperaturen unter Null für angenehme Wärme beim Wandern oder Spazierengehen.

Die beiden RV-Außentaschen wärmen die Hände sehr gut und sind auch mit Rucksack erreichbar. Der Kragen ist innen komplett mit Microfleece gefüttert und liegt angenehm am Hals an. Das Pertex Quantum Außenmaterial aus Nylon ist reißfest und winddicht. Die Daunenkammern sind 6 cm breit und damit wiegen sich Vor- und Nachteile noch gut auf. Möchte man die Jacke im Rucksack unterbringen, kann man sie zuvor in eine der RV-Außentaschen verpacken, die als integrierter Packsack konzipiert sind.

Unser Fazit: Die Bergans Down Light Jacket eignet sich gut als Midlayer oder äußere Jacke bei trockenem Wetter. Sie bietet gute Isolation und ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Ab 2016 werden alle Bergans Daunenjacken RDS zertifiziert sein. Insgesamt erreicht die Jacke 73% der maximal möglichen Punkte und bekommt daher das Testurteil „gut“.

Canada Goose Hybridge Lite Jacket

Es handelt sich um eine Hybridjacke, die an den Seiten unter den Armen mit dehnbarem Stretchgewebe versehen ist. Ansonsten weist die Jacke eine hochwertige 95:5 er Gänsedaunenfüllung (nach dem responsible down standard zertifiziert) mit einer sehr guten Bauschkraft von 800 cuin auf. Die Kammerbreite liegt bei 7 cm. Um ein Verlagern der Daunen zu verhindern gibt es im Brustbereich zwei zusätzliche Längsnähte. Die Jacke ist am Rücken 77 cm lang, was dieser empfindlichen Körperpartie recht guten Schutz vor der Kälte bietet. Insgesamt ist die Wärmeleistung der leichten Jacke, die durch den daunendichten Oberstoff zugleich winddicht ist, erstaunlich hoch. Die Stretcheinsätze reduzieren eventuell eindringenden Wind übrigens um 75%, wobei es unterm Arm selten windig ist. Die beiden RV Außentaschen eignen sich sehr gut zum Wärmen der Hände und können auch als integrierter Packsack genutzt werden. Die Ärmel haben neben den elastischen Bündchen noch Daumenöffnungen, so dass ein Teil des Handrückens vom warmen Ärmel mit abgedeckt werden kann. Der Kragen liegt sehr gut an und bietet durch das anschmiegsame Microfleecefutter zusätztlichen Komfort.

Unser Fazit: Das Canada Goose Hybridge Lite Jacket bietet rundum hohen Komfort, obwohl es „nur“ eine Hybridjacke ist. Sie ist leicht und damit v.a. als als Midlayer perfekt, kann aber, wenn es trocken ist, auch als äußere Kleidungsschicht genutzt werden. Die Isolationsleistung ist sehr hoch und auch die Ausstattung (z.B. der gefütterte Kragen oder der 2-Wege RV) ist durchdacht. Schwachpunkt der Jacke ist der sehr hohe Preis. Dennoch erzielt die Jacke 78% der maximal möglichen Punkte und erhält mit klarem Vorsprung nicht nur das Testurteil „sehr gut“, sondern auch das Wandermagazin Testsiegel in der ersten Unterkategorie.


Kategorie 2: mit Kapuze, „hydrophobe“ Daunenfüllung

Berghaus Furnace Hooded Jacket

Das Furnace Hooded Jacket von Berghaus hat einen reißfesten Pertex Microlight Oberstoff aus Nylon und ist mit einer 90:10er Gänsedaunenfüllung mit 700er Füllkraft ausgestattet, die auch bei nass-kaltem Wetter um den Gefrierpunkt ausreichend Wärme spendet. Die RV-Außentaschen sind als Handwärmertaschen nutzbar. Der hoch schließende Kragen weißt am Kinn einen schmalen Microfleecestreifen auf, was angenehm ist. Der Saum, der am Rücken gute 79 cm langen Jacke, kann über einen Kordelzug in der Weite reguliert werden. Die Jacke kann in einer der Außentaschen verstaut werden. Die Daunenkammern sind unterschiedlich breit: an der Brust 4.5 cm, an den Seiten unter den Armen sogar nur 2 bis 3 cm. Die Jacke ist nach dem body mapping Prinzip befüllt: d.h. in Bereichen, wo besonders viel Wärme notwendig ist, sind die Kammern üppiger befüllt als in Bereichen, an denen man leicht schwitzt. Das soll zu einer optimalen Wärmeverteilung beitragen, was in der Praxis aber nur mäßig spürbar war.

Bei Jacken mit Kapuzen ist deren Paßform sehr wichtig, denn wenn man den Kopf dreht, sollte man weiterhin ein uneingeschränktes Blickfeld haben. Leider ist das bei dieser Jacke nicht der Fall: der elastische Rand kann die Kapuze nicht am Kopf halten, so dass man beim Kopfdrehen in die Kapuze schaut, statt in die Landschaft.

Unser Fazit: Die Berghaus Furnace Hooded Jacket spendet angenehme Wärme und widersteht auch Nässe deutlich beser als unbehandelte Daunenjacken. Für die schlechte Paßform der Kapuze gibt es Abzüge. Einige Daunenzulieferer von Berghaus sind RDS zertifiziert, allerdings gibt es keine Angabe, ob dies für dieses Modell zutrifft. Die Jacke erreicht insgesamt 63% der in dieser Unterkategorie maximal möglichen Punkte und erhält das Testurteil „gut“.

Montane North Star Light Jacket

Die Kammern des North Star Light Jackets von Montane sind mit 9.5 cm Breite die größten, allerdings gibt es an Brust und Rücken zusätzlich je zwei Längsnähte, so dass die Daunen nicht verrutschen und es zugleich wenig Nahtfläche gibt. Zudem ist die Vorderseite der Jacke mit einem zusätzlichen Innenfutter versehen, das keine Kältebrücken zulässt. Die Jacke ist mit einer hochwertigen 90:10er Gänsedaune mit 800 cuin fillpower gefüllt. Die Daune ist nach dem responsible down standard und zudem bluesign zertifiziert, die Herkunft ist nachvollziehbar. Als Oberstoff wird das aufgrund seiner Struktrur besonders leichte, extrem dauenendichte und robuste Pertex Quantum aus Nylon verwendet. Die Jacke kann in einem separaten Packbeutel mit Wickelverschluß verstaut werden.

Die Jacke überzeugt mit einer sehr guten Isolationsleistung. Auch die Hände bleiben in den gut zugänglichen RV-Außentaschen mollig warm. Ein zweifach verstellbarer Kordelzug reguliert die Weite des Jackensaums, so dass hier keine Kälte eindringen kann. Der Kragen schließt hoch, am Kinn gibt es einen 3 cm breiten Microfleecestreifen, um Kältebrücken zu vermeiden. Die Paßform der nur mit einem elastischen Rand versehenen, aber nicht einstellbaren Kapuze ist nicht gut. Beim Drehen des Kopfes macht sie die Drehung nicht mit, was zum Punktabzug führt.

Unser Fazit: Die Montane North Star Light Jacket bietet selbst bei deutlichen Minusgraden zuverlässige Isolation. Auch Nässe kann der Jacke kaum etwas anhaben und schmälert die Leistung nicht. Die Paßform der Kapuze kann allerdings noch deutlich optimiert werden. Die Jacke kann dennoch 74% der möglichen Punkte erzielen und bekommt das Testurteil „sehr gut“.

Jack Wolfskin Argo Jacket

Die leichteste Jacke im gesamten Testfeld ist das Argo Jacket von fair wear Mitglied Jack Wolfskin. Die Jacke bringt nur 220g auf die Waage, spart dabei aber v.a. am Oberstoff, weniger an der Füllung. Der hauchdünne Nylonoberstoff ist erstaunlich robust, allerdings etwas durchscheinend. Die Jacke ist mit 90:10er Gänsedaue gefüllt, die eine sehr gute Bauschkraft von 800 cuin aufweist. Die Jacke besticht durch eine enorme Isolationsleistung, die v.a. bei feucher Kälte ihre volle Wirkung entfaltet. Auch stundenlanger Nieselregen schmälert diese Leistung nicht. Die beiden RV-Außentaschen halten die Hände zuverlässig warm und sind auch mit Rucksack gut nutzbar. Die Kammern der Jacke halten bei einer Höhe von 4.8 cm die Daunen gut an Ort und Stelle und auch die Anzahl der Nähte ist ausreichend niedrig, um keine unnötigen Kältebrücken zu verursachen. Entlang des Jackensaums kann Kälte kaum eindringen, denn ein zweifach einstellbarer Kordelzug reguliert die Weite individuell. Schwachpunkt der Jacke ist die Kapuze, die zwar ebenfalls herrlich warm hält, aber deren elastischer Rande nicht ausreicht, die Kapuze beim Drehen des Kopfes am Kopf zu halten.

Unser Fazit: Die Jack Wolfskin Argo Jacket ist eine sehr gut zum Wandern geeignete Jacke, da sie sehr leicht ist, im mitgelieferten Packsack enorm klein zusammengepackt werden kann und ein hervorragendes Wärme-Gewichtsverhältnis bietet. Lediglich der recht kurze Rücken (nur 80 cm in Damen L) und die schlecht sitzende Kapuze verhindern den Testsieg. So erhält die Jacke 76% der möglichen Punkte und das wohlverdiente Testurteil „sehr gut“.

Rab Continuum Hoodie

Auch das Continuum Hoodie von Rab schramt nur knapp am Sieg vorbei. Diese ebenfalls noch ziemlich leichte Jacke nutzt auch Pertex Quantum als robusten, aber leichten Oberstoff. In den 5 cm breiten Kammern befindet sich 90:10er Gänsedaune mit exzellenten 850 cuin Bauschkraft. Vorne ist die Jacke mit einem zusätztlichen, durchgehenden Innenfutter ausgestattet, dass die an sich bereits hohe Isolationsleistung noch einmal unterstützt. Die hoch angesetzten RV-Außentaschen wärmen die Hände gut. Die Weite des Saums kann über einen zweifach einstellbaren Kordelzug reguliert werden. Der hochschließende Kragen hat am Kinn innen einen Microfleecestreifen, was den Tragekomfort steigert. Die Kapuze ist mit einem Kordelzug am Hinterkopf individuell einstellbar und sitzt sehr gut. Ein stabiler kleiner Sturmschild sorgt auch bei Regen für guten Durchblick.

Unser Fazit: Das Rab Continuum Hoodie bietet eine rundum solide Leistung. Vor allem die sehr gute Isolationsleistung und die perfekte Ausführung der Kapuze überzeugen. Die Jacke lässt sich übrigens in der Brusttasche verpacken. Ein 2-Wege Front-RV wäre eine perfekte Abrundung dieses Produktes, das insgesamt auf 80% der möglichen Punkte kommt und das Testurteil „sehr gut“ erhält.

Mountain Equipment Dewline Hooded Jacket

Das Dewline Hooded Jacket von fair wear Mitglied Mountain Equipment übertrifft die Mitbewerber teils zwar nur knapp, überzeugt aber mit einer sehr guten Rundumleistung. Der dünne, aber strapazierfähige Nylonoberstoff ist auf der Vorderseite mit einem zusätzlichen Innenfutter ausgestattet, was die Isolation erhöht. Die gut 7cm breiten Kammern sind noch so dimensioniert, dass die nach dem Down Codex zertifizierte 90:10er Entendaune mit 700 cuin fillpower (europ. Methode) an Ort und Stelle bleibt.  Die beiden Außentaschen halten die Hände angenehm warm. Der Kragen schließt hoch und  geht in eine Kapuze mit elastischem Rand über. Diese kann am Hinterkopf mit einem individuell regulierbaren Kordelzug angepasst werden, was für perfekten Sitz, auch beim Kopfdrehen, sorgt. Der Saum der Jacke verfügt über einen zweifach einstellbaren Kordelzug. Die Jacke kann in der Innentasche verpackt werden.

Unser Fazit: Die Mountain Equipment Dewline Hooded Jacket  zeigt keine Schwächen, bietet eine hohe Isolationsleistung und eine gute Ausstattung (z.B. 2-Wege Front-RV). Damit erzielt die Jacke 82% der maximal möglichen Punkte und bekommt neben dem Testurteil „sehr gut“ auch noch das Testsiegel  des Wandermagazins.

Pflege von Daunenprodukten

Ein sehr wichtiges Thema bei Daunenkleidung ist die korrekte Pflege. So sollte man zunächst Daunenkleidung luftig aufbewahren. Also bitte keinesfalls in den Packsack stopfen und liegen lassen, sondern optimalerweise im Schrank aufhängen oder notfalls in einem geräumigen Sack ohne Kompression aufbewahren.

Waschen bekommt Dauen nicht besonders gut, daher sollte man wirklich nur, wenn es notwendig ist, die gesamte Jacke waschen. Oft reicht es schon aus, nur die besonders verschmutzen Bereiche sanft auszuwaschen.

Ist es dann doch nötig, das gesamte Kleidungsstück zu waschen, gilt: Daunenkleidung muss schonend und relativ kalt gewaschen werden. Je nach Etikett wird mal der Schonwaschgang bei 30°C oder auch eine Handwäsche empfohlen, man sollte diesen Anweisungen folgen.
In der Maschine sollten Daunenjacken einzeln im Schon- oder Wollwaschgang gewaschen werden, da sie auch hier keinesfalls komprimiert werden sollten. Unbedingt flüssiges Waschmittel, am besten Spezialdaunenwaschmittel und nie Weichspüler verwenden. Als Spezialwaschmittel haben wir das PFC freie, auf Wasser basierende Pflege- und Reinigungsmittel NikWax Down Wash Direct ausprobiert (300ml kosten 12.50 €, www.nikwaxwebshop.de). Es ist sowohl für unbehandelte, als auch für hydrophobe Daune geeignet und reinigt die Jacken nicht nur: es unterstützt bzw. regeneriert auch die Wasserabstoßung der Daune, was sogar bei „normaler“, unbehandelter Daune spürbar war (deutlich raschere Trocknung und deutlich geringere Wasseraufnahme).  

Generell ist es beim Waschen wichtig, dass Waschmittelreste komplett aus dem Kleidungsstück ausgewaschen werden. Daher sollte man mindestens zwei Spülgänge durchführen. Schleudern vertragen v.a. nasse Daunen sehr schlecht, also allenfalls kurz und mit niedrigen Touren anschleudern.

Entscheidet man sich für die Handwäsche, so ist auch hier Platz gefragt. Wenn man kein ausreichend großes Waschbecken hat, so kann man in die Duschwanne oder die Badewanne ausweichen. Wenn die eigentliche Wäsche durchgeführt ist, gilt auch hier: ausreichend und gründlich spülen. Auswringen vertragen Daunen ebenso wenig wie Schleudern. Also am besten  das nasse Kleidungsstück einfach nur schwach ausdrücken.

Die Trocknung erfolgt umgehend nach dem Waschen optimalerweise im Trockner. Dabei helfen einige Tennisbälle, die mit der Jacke in den Trockner kommen, so dass sich die Daunen wieder aufbauschen und ihre volle Isolationswirkung entfalten können.

Wer sich das Waschen seiner Daunenkleidung nicht selbst zutraut, kann z.B. bei www.globetrotter.de einen Waschservice für Daunenkleidung oder Daunenschlafsack bestellen.

Glossar: Wissenswertes zum Thema Daune

Die Herkunft der Daunen

Daunenjacken haben eine sehr lange Tradition und sind auch in der modernen Ausrüstungswelt für Outdooraktivitäten fest etabliert. Mittlerweile wird deutlich mehr Wert auf eine ethisch vertretbare Daunenproduktion gelegt, wobei v.a. der Tierschutz und die artgerechte Haltung im Vordergrund stehen. So fallen laut dem International Down and Feather Laboratory (IDFL) 99% der Daunen für Kleidungsstücke heutzutage als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie an, d.h. sie stammen von bereits geschlachteten Tieren. Nur 1% der weltweit erhältlichen Daunen stammen aus Lebendrupf oder aus dem Sammeln während der Mast natürlich abgeworfener Federn.

Sehr wichtig ist auch, dass die Tiere eine möglichst artgerechte Haltung erfahren und optimalerweise keine Zwangsmästung stattfindet. Bei der Weiterverarbeitung ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Daunen ohne Zugabe von Lösungsmitteln gereinigt werden, um eine Belastung der Umwelt möglichst auszuschließen.

Qualität der Daunenmischung

Auch Daunen gibt es in unterschiedlicher Qualität. Eines der Hauptkriterien dabei ist das Mischungsverhältnis von Daunen und Federn. Je niedriger der Federanteil, umso hochwertiger die Mischung, und umso höher die Isolationsleistung. Für gut isolierende Outdoorkleidung sollte man mindestens eine  Mischungen von 80% Daune zu 20% Federn nutzen. Besser und wärmer sind die sehr gut isolierenden Mischungen von 90% Daune zu 10% Federn oder sogar von 93% Daune zu 7% Federn. Absolute Spitzenprodukte für extrem anspruchsvolle Alpinexpeditionen verwenden sogar Mischungen von 94% Daune zu 6% Federn. Eine solch geringe Menge Federn ist mindestens notwendig, um die Stabilität der Daunenfüllung zu gewährleisten.

Bauschkraft („fillpower“) und Füllmenge

Neben der Mischung ist für die Wärmeleistung auch noch die sogenannte Bauschkraft oder der „fillpower“ wichtig. Üblicherweise wird der fillpower nach der US Methode ermittelt und in cubic inches angegeben. Der Wert beschreibt, um welchen Rauminhalt sich eine in einem Zylinder komprimierte, vorgegebene Menge Daunen (US Methode: 28 g) innerhalb von 24 Stunden ausdehnt. Beim Vergleich der Bauschkraft Werte ist es sehr wichtig auf die Messmethode zu achten, denn sonst können Werte falsch interpretiert werden. Ab einer Bauschkraft von 650+ (US-Methode) erzielt man bereits gute Isolationsleistung. Spitzenmischungen erreichen eine Bauschkraft von 800+ (US Methode).

Bei Messungen nach der EU Methode wird der sogenannte „Lorch Zylinder“ genutzt. In der Regel  kommen nach der EU-Methode etwa um 10% niedrigere Werte heraus, als mit der US-Methode.

Demnach entspricht z.B. ein nach EU-Methode mit 675+ ermittelte fillpower Wert umgerechnet etwa einem fillpower von 720+ nach der US-Methode. Die Bauschkraft ist übrigens komplett unabhängig von der absoluten Füllmenge, die angibt wieviel Gramm Daunen tatsächlich in einem Kleidungsstück verarbeitet sind.

Daunenjacken und Rucksack

Es sollte klar sein, dass Kompression der Isolationsleistung von Daunen schadet. Daher ist es auch nicht ganz unproblematisch, einen schweren Trekkingrucksack mit einer Daunenjacke zu kombinieren.  Bei einem normal beladenen Tagesrucksack tritt der Effekt der Kompression und Isolationsminderung in weit geringerem Maß auf. Dennoch sollte man sich vor dem Kauf einer wärmenden Jacke überlegen, wozu man sie einsetzen wird und wie schwer der Rucksack in der Regel ist. Wer dennoch auch bei schweren Lasten unbedingt Daune nutzen will, kann auch nach speziell ausgestatteten Highend-Daunenprodukten aus dem Expeditionsbereich Ausschau halten, die dann in den besonders belasteten Zonen zum Teil mit Kunstfaserfüllungen kombiniert sind. Für den normalen Wanderer ist das allerdings nicht notwendig und wohl auch zu teuer.

Glossar: Siegel in der Daunenproduktion

Down Codex®

Der auf Initiative von Mountain Equipment eingeführte (und auch nur von diesem Hersteller genutzte) Down Codex umfasst eine Reihe von Kriterien rund um die Daunenproduktion, die von einem unabhängigen Institut geprüft werden. Hauptaugenmerk liegt neben der komplett nachvollziehbaren und transparenten Daunenlieferkette (per 12-stelligem, eingenähtem Code übers Internet abrufbar) v.a. auf der artgerechten Tierhaltung ohne Zwangsmast und dem Gewinn der Daunen ausschließlich durch Totrupf. Die Daunen fallen als Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie an. Mittlerweile sind alle Daunenprodukte von Mountain Equipment nach dem Down Codex zertifiziert.
www.thedownproject.me.uk

Responsible Down Standard (RDS)

Der RDS ist ein unabhängig von der Industrie überwachter Standard in der Daunenproduktion, der sowohl die artgerechte Tierhaltung, als auch die ethisch korrekte Produktion der Daune bestätigt. RDS zertifizierte Produkte stellen  demnach sicher, dass die Daune zu 100% aus Totrupf stammt, die Tiere artgerecht gehalten wurden, die Herkunft der Daune nachvollziehbar ist.
www.textileexchange.org/standards-integrity/standards/responsible-down-standard

Canadidan Down Association

Produkte, die mit dem Downmark Label der kanadischen Down Association ausgezeichnet werden, halten die strengen Vorgaben dieser unabhängigen Institution ein. Dazu gehört eine artgerechte Haltung der Tiere sowie ausschließlicher Totrupf zur Daunenengewinnung.
www.downmark.ca

Einige gängige Umwelt- und Produktions-Zertifikate im Textilbereich

Immer wichtiger wird auch, oder gerade bei Outdoor-Funktionskleidung, die Frage nach der Produktionsmethode, wobei nicht nur die Herkunft der Rohstoffe und das Herstellungsland, sondern auch die arbeitsrechtlichen und umweltrechtlichen Auflagen und Grenzwerte eine Rolle spielen. Bei der Einschätzung dieser Abläufe helfen dem Endverbraucher einige international anerkannte Zertifikate, von denen folgende recht häufig genutzt werden.

bluesign

bluesign: internationaler Standard der den gesamten Prozess der Herstellung eines Textils bewertet. Das bedeutet schon die Gewinnung des Rohmaterials muss nach strengen Richtlinien erfolgen. Anschließend müssen auch in der eigentlichen Produktion alle arbeitsschutzrechtlichen und umweltrechtlichen Auflagen erfüllt werden. Bluesign zertifizierte Produkte sind also nicht nur schadstofffrei, sondern sind auch möglichst umwelt- und resourcenschonend hergestellt.

Öko-Tex 100

Öko-Tex 100: unabhängiges Prüf- und Zertifizierungsverfahren für Schadstoffe in Textilien (wobei nicht nur Endprodukte, sodern auch das Rohmaterial zertifiziert werden kann). Bei der Schadstoffprüfung werden neben gesetzlich verbotenen (und / oder gesetzlich geregelten) Substanzen auch gesundheitsbedenkliche Substanzen überprüft. Weitere Informationen unter: www.oeko-tex.com

ISO 14001

ISO 14001: internationaler Standard zu Umweltrichtlinien bei der Produktion von Textilien.

Infos zur fairwear foundation und zur IEH

fair wear foundation

Die fair wear foundation (FWF) ist eine weltweit operierende, unabhängige Organisation, die sich zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Sicherheitsstandards, Arbeitszeit, Lohn etc.) in der Textilbranche einsetzt. Meist sind die Forderung der FWF deutlich weitgehender, als die nationalen gesetzlichen Vorschriften. Derzeit sind etwa 80 Hersteller Mitglied in der fair wear foundation.
Weitere Infos unter: www.fairwear.org

Inititaive für ethischen Handel (IEH)

Die Ethical Trading Initiative Norway ist eine der fairwear foundation sehr ähnliche Vereinigung in Norwegen. Sie arbeitet branchenübergreifend und unabhängig und sorgt dafür, dass alle Mitglieder unter ethisch korrekten Arbeitsbedingungen produzieren. Neben den Arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen werden auch die Umweltstandards streng überprüft.
http://etiskhandel.no/English/index.html

Ulrike Poller & Wolfgang Todt, Text und Fotos

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