© Klaus-Peter Kappest

Windbreaker zum Wandern & Radeln

Praxistest

14.06.2016

Leichtgewichte gegen Wind

Die Bedeutung eines guten Windschutzes, auch beim Wandern, wird oft unterschätzt. Dabei sind viele Wanderstrecken durchaus herausfordernd und es spielt kaum eine Rolle, wie schnell oder anstrengend man draußen unterwegs ist, um die negativen Folgen der Auskühlung durch Wind zu spüren zu bekommen. Tatsächlich macht sich auch schon bei einer mäßigen Brise der Windchill-Effekt bemerkbar, der die tatsächlich gefühlte Temperatur je nach Windstärke deutlich reduziert. Vor allem in der warmen Jahreszeit und bei trockenem Wetter bieten sehr leichte, klein verpackbare und 100% winddichte Jacken (sogenannte „Windbreaker“) sehr guten Schutz gegen Wind und Unterkühlung.

Auch 2016 setzen wir unsere erfolgreichen Langzeit-Praxistests fort. Wie gewohnt stellen wir Ihnen im 2-Monatsrhythmus Wanderausrüstung in ein oder zwei Testkategorien vor. Zusätzlich können Sie in der Printausgabe des Wandermagazins den oder die aktuellen Berichte in komprimierter Fassung nachlesen.

Diesmal haben wir uns dem Thema Windschutz bei minimalem Gewicht verschrieben. Denn weht v.a. bei trockenem Wetter eine steife Briese, sind die superdünnen Windbreaker, die man z.B. aus dem Laufsport oder vom Radfahren kennt, wertvolle Begleiter: bei minimalem Packmaß und wenig Eigengewicht schützen sie prima vor Wind.

Folgende Produkte nahmen am Windbreaker-Test 2016 teil

  • Craft Focus Hooded Jacket
  • Eider Airy 2.0 Jacket
  • Montane Litespeed Jacket
  • Salomon Fast Wing Hoodie
  • Vaude Croz Windshell II

Testgebiet:

Deutsche Mittelgebirge: Hunsrück, Mittelrheintal, Pfälzerwald, Moseltal, Ederbergland, Schwäbische Alb, Hainich, Mecklenburger  Seenplatte

Strecken:

5 bis 18 km

Höhenmeter:

▲▼ jeweils bis zu 630 m

Temperaturen:

15°C bis -5°C

Wetter:

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Zeitraum:

 November 2015 bis April 2016 (jeweils mind. 3 Monate)

Die jeweils betroffenen Hersteller haben keinerlei Einfluss auf die Durchführung und das Ergebnis der Tests. Wir haben uns bemüht, die Vor- und Nachteile der Produkte, die uns während des Langzeittests aufgefallen sind, so objektiv wie möglich darzustellen. Oberstes Ziel der Studie war es, möglichst umfassende und praxisnahe Informationen zum jeweiligen Testprodukt zu bieten. 

Im Folgenden stellen wir die getesteten Produkte kurz mit Foto und tabellarischem Überblick vor (darunter auch der aktuelle Ladenpreis, das von uns ermittelte Gewicht und die Kontaktadresse der Hersteller), bevor wir unsere Eindrücke und Erfahrungen auflisten und die Kandidaten bewerten. 

Übrigens: Für unsere Praxistest wählen wir aus einem großen Produktangebot in der Regel 6 Kandidaten aus, die wir im mehrmonatigen Praxistest genau unter die Lupe nehmen. Durch die sorgfältige Vorauswahl schaffen es in der Regel nur Spitzenprodukte zu den auserkorenen Testkandidaten zu gehören. Das oder maximal die beiden Produkte, die sich in der Praxis am besten bewähren, nachhaltig sind und rundum fürs Wandern am besten überzeugen, erhalten schließlich das begehrte Wandermagazin-Testsiegel.


Eider Airy 2.0 Jacket

Leichter Windbreaker ohne Kapuze. Sehr angenehme Haptik. Elastische Bündchen an Ärmeln und Saum. 1 RV-Außentasche, nicht als Packbeutel konzipiert. Luftige Stretcheinsätze unter den Achseln. Verlängerte Rückenpartie.

Beginnen wir mit der einzigen Jacke ohne Kapuze, dem Eider Airy 2.0 Jacket. Um diese Jacke mit den anderen Kandidaten vergleichen zu können, wurde die Berechnung der Punkte für dieses Modell beim Kriterium „Kapuze“ entsprechend angepasst. Das Airy 2.0 Jacket bietet dank des Gemisches aus Polyamid und Polyester eine sehr angenehme, raschelarme Haptik. Die Jacke mit hochschließendem Kragen hat auf der rechten Seite eine RV-Tasche, in die man die Jacke zwar prinzipiell verstauen könnte, allerdings kann man den RV dann nicht schließen, da der RV-Läufer dann auf der falschen Seite ist. Die Ärmelbündchen und auch der Saum der Jacke sind mit einem elastischen Gummizug versehen, der für guten Sitz sorgt und keinen Wind eindringen lässt. Der breit hinterleget 1-Weg Front-RV bietet ebenfalls keine Eindringmöglichkeit. Unter den Armen sorgt dehnbares dünnes Stretchgewebe für sehr gute Bewegungsfreiheit und zusätzliche Belüftung. Am Rücken ist die Jacke deutlich länger, was besonders beim Rucksacktragen oder der Nutzung auf dem Rad wichtig ist.

Fazit: Alles in allem bietet die knapp 100€ kostende Jacke dem Oberkörper sehr guten Windschutz. Leider ist die Nutzung der Tasche als Packbeutel nicht praktikabel. Da zudem keine Zertifizierung für Umwelt- und / oder Produktion vorliegt, kommt das Airy 2.0 Jacket  insgesamt auf 64%der möglichen Punkte und erhält das Testurteil „gut“.

Craft Focus Hooded Jacket

Superleichter Windbreaker aus reißfestem Polyester. Einstellbare Kapuze sitzt gut. Luftiges Mesh unter den Armen & seitlich. Elastische Armbündchen, teilelastischer Bund. Rückenpartie etwas verlängert. Jacke in RV-Brusttasche verstaubar.   

Bei den vier Modellen mit Kapuze punktet das sehr leichte Craft Focus Hooded Jacket mit erstaunlicher Strapazierfähigkeit des dünnen Polyester-Obermaterials. Die Jacke hat eine geräumige RV-Brusttasche, die zugleich als Packbeutel dient. Dann kann man sie sogar mit einem elastischen Gummiband umhängen. An den Ärmelbündchen und am Saum sorgen elastische Gummizüge für guten Sitz und verhindern das Eindringen von Wind. Auch am 1-Weg Front RV kann der Wind dank der breiten inneren Abdeckleiste nicht eindringen. Für optimale Bewegungsfreiheit und besseren Feuchtetransfer ist die Jacke an den Armen und seitlich mit sehr luftigen Stretcheinsätzen ausgestattet. Die Kapuze kann individuell mit zwei Gummizügen eingestellt werden und sitzt dann auch beim Kopfdrehen fest. Da es aber keinen Schild oder Stirnrand gibt, rutscht sie ziemlich weit über die Stirn, was zum Einengen des Gesichstfeldes führen kann. Die Rückenpartie des Leichtgewichts ist etwas länger gezogen.

Fazit: Das Focus Hooded Jacket von Craft bietet eine gute Ausstattung, wobei die Kapuze noch etwas verbessert werden könnte. Positiv ist auch das (nicht bewertete) Preis-Leistungsverhältnis der Jacke, die v.a. wegen fehlender Umwelt- und / oder Produktionssiegel auf 60% der möglichen Punkte kommt und das Testurteil  „gut“ erhält.

Salomon Fast Wing Hoodie

Extrem leichte Windbreaker Jacke aus reißfestem Nylon. Belüftungsschlitze unter den Achseln. Elastische Bündchen an Ärmeln und Saum. Verlängerte Rückenpartie. Jacke in RV-Brusttasche verstaubar. Kapuze mit elastischem Saum, sitzt gut.

Das Salomon Fast Wing Hoodie ist mit unglaublichen 83g (Größe XL) der leichteste Windbreaker im Test. Teilelastische Ärmel- und Saumbündchen sorgen für guten Sitz und geben eindringendem Wind keine Chance. Das leistet auch der ausreichend breit hinterlegte 1-Weg Front-RV. Die Jacke aus hauchdünnem Nylon ist erstaunlich strapazierfähig. Sie lässt sich gut in der RV-Brusttasche verstauen. Wenn es auf anspruchsvollen Wegabschnitten anstrengend wird, sorgen Belüftungsschlitze unter den Achseln für Frischluft, ohne den Windschutz zu beeinträchtigen.  Die Kapuze hat einen kleinen Schild, der allerdings nicht wirklich formstabil ist. Ein integrierter elastischer Gummizug sowie eine Art integriertes Stirnband sorgen auch beim Drehen des Kopfes für einen guten Sitz der Kapuze. 

Fazit: Das Salomon Fast Wing Hoodie bietet eine sehr solide Leistung bei kleinstmöglichem Eigengewicht und vernünftigem Preis. Der deutlich verlängerte Rücken ist v.a. beim Rucksacktragen und Radeln wichtig. Zertifikate zur Umweltverträglichkeit  und / oder zu den Produktionsbedingungen gibt es nicht. Insgesamt erhält die Jacke 68% der möglichen Punkte und das Testurteil „sehr gut“.

Montane Litespeed Jacket

Leichter Windbreaker. Zweifach verstellbare Kapuze mit festem Schild, sitzt sehr gut. Strapazierfähiges Material. Teilelastische Armbündchen, Kordelzug am Saum. Verlängerte Rückenpartie. Zwei RV-Taschen. Extra Packbeutel.

Das Litespeed Jacket von Montane bringt zwar 160 g (Gr. XL) auf die Waage, darf aber dennoch als wirklich leichte Windjacke angesprochen werden. Die Jacke lässt sich klein im beigelegten Packbeutel verpacken. Das dünne reißfeste Pertex® Quantum Material hat eine sehr glatte Oberfläche. Innen sind die beiden sehr geräumigen RV-Seitentaschen mit einem Netzfutter versehen, was sich fast über die gesamte Frontpartie der Jacke erstreckt und so ein angenehmes Tragegefühl schafft. Der Saum der Jacke kann über einen Gummizug individuell in der Weite reguliert werden. Der 1-Weg Front-RV ist breit hinterlegt, Wind kann hier ebensowenig eindringen, wie an den teilelastischen Ärmelbündchen. Der hochschließende Kragen geht in eine gleich zweifach verstellbare Kapuze über. Individuell verstellbare Gummizüge am Hinterkopf und am Kinn sorgen für einen sehr guten Sitz der Kapuze, was auch beim Drehen des Kopfes so bleibt. Die Kapuze hat zudem ein stabiles Sturmschild.

Fazit: Das Montane Litespeed Jacket konnte im Test voll überzeugen. Nicht nur der sehr gute Windschutz, die Ausstattung und die Bewegungsfreiheit, auch der deutlich verlängerte Rücken tragen zur insgesamt sehr guten Punkteausbeute von 71% bei. Damit erhält die Jacke, deren Pertex® Quantum Material bluesign zertifiziert ist, das Testurteil „sehr gut“ und auch eines der beiden Wandermagazin Testsiegel.

Vaude Croz Windshell II

Hybrid-Windbreaker: Schultern und oberer Rücken 3-lagig mit wasserdichter PU-Membran. Unter den Armen Stretcheinsätze. Elastische Armbündchen, Kordelzug am Saum. Rücken etwas verlängert. Kapuze hinten verstellbar, sitzt sehr gut. In Tasche verstaubar. Fair wear & bluesign.

Das Vaude Croz Windshell II ist mit knapp 200 g die schwerste Jacke im Test. Allerdings handelt es sich hierbei auch um eine Hybridjacke, die an Armen und Schultern mit einem leicht dehnbaren, wasserdichten 3-Lagenmaterial mit PU-Membran versehen ist.  Ansonsten sorgt dünnes, reißfestes Pertex® Quantum für Robustheit und sehr guten Windschutz. Der wird durch elastische Armbündchen und einen breit hinterlegten 1-Weg Front-RV abgerundet. Der Saum der Jacke ist über einen Gummizug individuell weitenregulierbar. Unter den Armen gibt es luftige Stretchbereiche. Zwei RV-Seitentaschen sind hoch angesetzt, so dass sie auch mit geschlossenem Rucksackhüftgurt erreichbar sind. Innen gibt es zudem eine RV-Tasche, die zugleich als (zwar etwas enger) Packbeutel genutzt werden kann. Die Kapuze der Jacke kann am Hinterkopf per Klett angepasst werden, zudem gibt es am Kapuzenrand teilelastische Bereiche. Insgesamt wird so ein sehr guter Sitz der Kapuze erreicht, auch Kopfdrehen mit Kapuze schränkt das Gesichtsfeld nicht ein. Ein kleiner Sturmschild ist vorhanden, allerdings nicht sehr stabil.

Fazit: Das Vaude Croz Windshell II konnte im Test mit durchdachter Ausstattung und rundum sehr guter Leistung überzeugen. Zudem ist das Material bluesign® zertifiziert und Vaude ist Mitglied bei fair wear. Damit erhält die Jacke insgesamt 71% der möglichen Punkte und nicht nur das Testurteil „sehr gut“ sondern wie der punktgleiche Mitbewerber Montane auch das Wandermagazin Testsiegel.


Den vollständigen Test als PDF-Datei downloaden:

Mit Vergleichstabelle, Praxistipps, Glossar

Praxistest_Windbreaker_189.pdf (Sieben Seiten, ca. 550 Kb)


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