Sonntag auf dem Inselsberg

Mons insularis, vermutlich der bekannteste Berg des Thüringer Waldes, ist belebt. Trotz des kühlen Windes sind einige Biergartentische der beiden Gipfelgasthäuser besetzt. Zwischen den Tischen stapeln sich farbenfrohe Rucksäcke, hier und da liegen Teleskopwanderstöcke auf dem Boden. Der exakt 916,5 Meter hohe Gipfel präsentiert sich in spätsommerlicher Sonnenlaune. Um die frühe Vormittagsstunde sind die Rennsteigwanderer noch in der Überzahl. Später erst werden die Tagesausflügler den Aussichtsberg erobern. Noch ist "Wandersmann" und "Wanderfrau" unter sich.

Drei Tage – drei Touren

Wir sind von Brotterode aus aufgestiegen. Nicht direkt, dann hätten wir schon nach einer guten Stunde Gehzeit dem Berggasthof Stöhr oder dem Hotel Stadt Gotha die Referenz erwiesen. Wir sind ostwärts aus dem in einer sanften Talwanne drapierten thüringischen Städtchen aufgestiegen, über die allmählich bergan schwingenden Altweiden, bis uns irgendwann der Waldrand "verschluckte". Rehwild stob vor uns davon, als wir von der Reitbahnhütte zum hochgelegenen Pirschhaus und zum Luisenkopf wanderten. Alles Brotteröder Wald. Erstaunlich ist der hohe Laubwaldanteil. Erst oberhalb von 700 Metern führen Tanne und Fichte das Regiment. Schweigend und mit einem unaufhörlichen Raunen und Rauschen. Das ist die Melodie im hohen Thüringer Wald. Musik ist in der Luft. Am Großen Jagdberg schließlich stoßen wir auf den Rennsteig. Rennsteiger kommen uns entgegen. Waltershäuser Hütte, Kleiner Inselsberg und dann der Gipfel. Drei Tage, drei Touren. Brotterode, die Insel in den Bergen, ist das geeignete "Nest". Gemütlich und nahe dran.

Das Schlößchen im Wald

Wieder stiefeln wir über die herrlichen Brotteröder Bergwiesen bergan. Schnell verschwindet der traditionsreiche Wintersportort hinter einer Geländestufe. Nur einmal queren wir eine Straße. Ein stilles Wiesental. Der Bach hat den Namen Gehegwasser. Wunderlich genug. Am vierten von sechs Fischteichen lädt das Waldschlößchen zur Rast. Wir schauen zwei Reihern beim Ausspähen zu und steigen zum Judenkopf auf. Breitunger Rennsteig lesen wir an einem Querweg. Der Rennsteig und seine Kinder? Kurz vor dem Gasthaus Hohe Klinge gilt es, einen einzigartigen Panoramablick zu genießen. Kühe weiden, hell klingen ihre Schellen. Thüringische Almqualitäten. Laudenbach ist ein friedliches Bergdorf. Nur das Lachen spielender Kinder ist zu hören. Über den Kleinen Höhnberg steigen wir ins Trusetal ab. Die Kaskaden der umgeleiteten Truse rauschen ohrenbetäubend in die Tiefe. Gischtwolken stieben davon. Ein Vorhang feinster Wassertröpfchen steht über dem höchsten Wasserfall Thüringens. Von der Bushaltestelle am Zwergenpark lassen wir uns zurück nach Brotterode schaukeln. Zehn Minuten, nicht mehr.

Mommelsteins mystische Magie

Einmal um den Seimberg wandern. Der Brotteröder Panoramaweg macht es möglich. Immer in Sichtweite der ehemaligen Bahntrasse Richtung Kleinschmalkalden. Nach dem Willen der Brotteröder soll hier bald ein bequemer Radweg Radler von der Werra heraufbringen. Wir steigen steil bergan. Rechts im Wald ein Steintumult. Nebelfetzen streichen über den Gipfel des Seimberges. Sie hüllen die anstehenden verwitterten Felsstrukturen in einen mystischen Mantel. Unweit verspricht ein Schild beste Aussichten und noch mehr Mommelsteine. Magie statt Fernblick. Auch ein Gewinn. Verdiente Rast im Berggasthaus Mommelstein.

Drei Tage, drei Touren und immer rund um Brotterode. Überall urige Einkehrmöglichkeiten, Kammwege, Bergpfade und prächtige Aussichtspunkte. Insel der Berge.

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