© Klaus-Peter Kappest

Höhenwege über dem Müglitztal

Ausgabe 112 – Ausgabe 3/2003

Deutschland

Der Osten des Erzgebirges ist voller Überraschungen. Wie Adern fingern die tief eingeschluchteten Täler von Wilder und Roter Weißeritz oder Müglitz nordwärts. Immerfort buckelt es, allmählich flacher und runder werdend, Richtung Vorerzgebirge.

Auf den schönsten Aussichtsberg des Osterzgebirges

Blick vom Geisingberg über die Altenberger Pinge zum Kahleberg
Blick vom Geisingberg über die Altenberger Pinge zum Kahleberg

Die charakteristische Kegelform des Geisingberges unterbricht die Silhouette. Vom Bahnhof Altenberg zur Altenberger Pinge sind es nur wenige Minuten. Wir staunen über das riesige Einbruchsgebiet mit seinen kahlen Wänden. Vor etwa 300 Millionen Jahren drang in einem Bereich von Teplice über Altenberg bis Dippoldiswalde Magma aus größerer Tiefe empor und erstarrte zu Granit, der dabei mit Zinnstein "imprägniert" wurde. Nach der Entdeckung 1440 baute man diesen in Hohlräumen mit einem Durchmesser zwischen 3 und 20 Metern ab. Dies verursachte im 16. und 17. Jahrhundert mehrere Einbrüche, wodurch die heute noch landschaftsprägende Pinge von Altenberg entstand. Nach den Einstürzen trieb man Schächte in die Tiefe, um an das begehrte Erz zu gelangen und um es zusammen mit der Bruchmasse herauszuholen. Den kurzen Aufstieg zum 17 m hohen Aussichtsturm des Geisingberg mit seiner Prachtaussicht schaffen wir spielend. Da nehmen wir die Hinweistafel, daß das Gebiet unter höchstem staatlichem Schutz steht, als vielversprechendes botanisches Omen für unsere heutige Erzgebirgstour.

An den Wegrändern liegen große dunkle Basaltbrocken, wie von Riesenhand über den Hang gestreut. Der Gipfel des Geisingberges erwartet uns mit einer dieser im Erzgebirge typischen, gemütlichen Bergbaude und einem Turm mit großartiger Fernsicht. An klaren Tagen reicht der Blick bis ins Riesengebirge. Heute erkennen wir deutlich den Hohen Schneeberg und den Zschirnstein, die höchsten Gipfel der Böhmischen und Sächsischen Schweiz.

Über die blumenreichen Wiesen am Geisingberg

Es ist frisch, aber wunderbar sonnig, als wir vom Geisingberg absteigen. Zu unserer großen Freude beginnen die berühmten Bergwiesen am Geisingberg bereits zu blühen. Der Vulkanberg ist mit einer Höhe von 823 Metern einer der auffälligsten Berge des Osterzgebirges, man sieht ihn sogar von den nördlichen Anhöhen Dresdens über die Hochfläche herausragen. Hier auf den geschützten Bergwiesen befindet sich der einzige sächsische Standort des Kugel-Knabenkrauts mit seinem dichten zartrosavioletten Blütenstand. Man findet die Arnika, einen gelben Korbblütler mit gegenständigen Blättern, die Trollblumen mit ihren gelben kugeligen Blüten, die Breitblättrige Glockenblume mit ihren großen violetten Blüten, das Breitblättrige Knabenkraut mit seinem purpurroten Blütenstand und sogar den Karpaten-Enzian mit hellvioletten Blüten. Wir entdecken einige Exemplare der Wießen Pestwurz auf den noch winterfeuchten Wiesen und die ersten Schlüsselblumen blühen gerade auf.

Wir nehmen Kurs auf Bärenstein. Das Gelände ist waldfrei und führt weitgehend durch prächtige Wiesen, die durch kleine Hecken, Gehölze, Baumstreifen, Erhebungen und Senken gegliedert sind. Dieser Wegeabschnitt ist dank des abwechslungsreichen Landschaftsbildes ein wahrer Augenschmaus. In Richtung Müglitztal werden die Hänge steiler und im unteren Bereich bedecken dunkle Fichtenwälder die Hänge. Über uns wölbt sich ein lichter blauer Himmel, an dem nur einige Federwolken ziehen.Blühende Weidenzweige vermitteln eine prächtige Frühlingsstimmung.

Vom ehemaligen Rittergut Bärenstein zum Schloß Lauenstein

In dem malerisch am Hang des Müglitztals gelegenen Bärenstein verweilen wir etwas länger. Die Burg der wettinischen Markgrafen wurde im 16. Jahrhundert zu einem Schloß umgebaut, aber auch die Kirche mit ihrer barocken Ausstattung und die Postdistanzsäule mit 87 Entfernungsangaben auf dem historischen Marktplatz sind sehenswert. Am Nachmittag erreichen wir Lauenstein. Das herrlich auf einem Felsvorsprung gelegene Renaissanceschloß war 300 Jahre lang im Besitz einer Familie von Bünau. An diese erinnert auch ein Epitaph in der Kirche, die wir uns schon wegen ihres berühmten Sandsteinaltars anschauen. Abschließend noch einmal ein schöner Blick zurück zum Geisingberg mit seinen Laubwäldern, nur von wenigen Fichten unterbrochen. Wir müssen jedoch nach Geising absteigen. Die tief unter uns gelegene Ortschaft Geising verdankt ihre Entstehung der Erzaufbereitung, die hier in dem wasserreichen Müglitztal natürlich ideale Bedingungen vorfand. Eine schöne Tour. Osterzgebirge pur.



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