© Klaus-Peter Kappest

Höhenwege im Schwarzwald

Ausgabe 113 – Ausgabe 4/2003

Deutschland

Mit Ost-, Mittel- und Westweg des Schwarzwaldvereins verfügt der Schwarzwald seit 100 Jahren über drei echte Nord-Süd-Verbindungen, die bis heute nicht an Attraktivität und Reiz verloren haben. Der Westweg ist der bekannteste, beliebteste und wohl auch de

Blaue Berge und grüne Täler - eine drei- bis viertägige Rundwanderung auf Höhenwegen des Schwarzwaldvereins im Südschwarzwald

Genuß pur: Rast auf dem Mittelweg
Genuß pur: Rast auf dem Mittelweg

Als Weg in der Mitte schafft der Mittelweg die Begegnung mit Land und Leuten in den kleinen Orten und läßt in der immer wieder offenen Landschaft mit typischen Schwarzwaldhöfen Kultur und Natur am Westweg erleben. Der Ostweg (2004 - 100 Jahre Ostweg!) erschließt den Landschaftsraum entlang der weniger dramatischen Ostabdachung des Schwarzwaldes am Übergang zur Schwäbischen Alb und der Baar. Er berührt aussichtsreiche Hochflächen, malerische Orte, Burgen, Kirchen und Klöster, und führt durch sehenswerte Naturschutzgebiete wie das Monbachtal, das Schwenninger Moos und die Wutachflühen. Alle drei Höhenwege starten in Pforzheim. Buchbare Pauschalen mit und ohne Gepäck gibt es zur Zeit nur auf dem Westweg. Wir empfehlen, die Höhenwege durch die Einbindung der verschiedenen Quer-, Zugangs- und Verbindungswege des Schwarzwaldvereins zu vernetzen, um auf diese Weise zwei- bis fünftägige Wandertouren à la carte zu erhalten. Als Höhenwegszubringer eignen sich oft auch die idyllischen Flußtäler. Ein Beispiel für ein solches drei- bis viertägiges Wanderabenteuer (Wochenende oder Wochenende mit Brückentag) schildert Ihnen nachstehend Dr. Konrad Lechner. Viel Spaß beim Lesen und Selbsterleben!

Wald und Blumen nah und fern

Mit der Gondelbahn fahren wir zum Schauinsland, dem Hausberg der Freiburger. Bei einigermaßen guter Sicht ist der von der Bergstation schnell erreichbare Aussichtsturm unbedingt zu empfehlen, aber nicht heute. Uns umgibt dichter Nebel. Die Wiesen sind durch Blüten überwiegend gelb, nur am Rand häufen sich die Roten Lichtnelken und der Waldstorchschnabel. Ein rot-violettes Endlosband begleitet uns. An den feuchten Gräben blühen noch die Sumpfdotterblumen und das Wiesenschaumkraut – Frühlingsblumen, was nicht wundert, denn der "Lenz" geht nur sehr langsam bergauf. Bald erreicht der Weg den Wald. Die im zarten Maiengrün stehenden Buchen und Vogelbeerbäume stehen im angenehmen Kontrast zu den ernsten Nadelbäumen.

100 Jahre Berghotel Wiedener Eck

1896 rastete der Freiburger Opernsänger Franz Fix mit seinen Freunden nach einer Nachtwanderung am Wiedener Eck und blies auf seiner Trompete die Melodie des Liedes "Frühmorgens wenn die Hähne krähn". Er beschloß, hier auf der Paßhöhe unterhalb des Belchens ein Hotel zu bauen. 1901 war die Einweihung. Wanderer sind hier immer herzlich willkommen.

Einen Abstieg auf Traumpfaden bietet uns der Weg vom Wiedener Eck nach Wieden. Von Gras bewachsene Wege unter einem Dach aus Buchen und Bergahorn. Noch stekken die hohen Berge in Wolken, aber es ist hell und freundlich. Auf den Wiesen blühat der fleischrote Schlangen-Knöterich und die dunkelblaue Kreuzblume. Vom Berg fließen kristallklare Bäche und sammeln sich in einem muldenförmigen Tal, dessen Wiesen stellenweise wieß sind von den unzählige Blüten einer seltenen Hahnenfußart.

Hohe Tannen

Wir steigen zunächst durch wiesenreiches Gelände aus dem Wiedener Tal hinaus. Der gegenüberliegende Berghang unterhalb Rollspitz und Hohtannen ist äußerst eindrucksvoll: Von Wolken umkränzte, dicht bewaldete Bergkämme krönen ein freundliches Tal mit Wiesen und vielen alten, oft bizarren Weidebuchen. Dann umgibt uns ein Wald mit riesigen Tannen, dessen Boden stellenweise dicht mit Bärlapp bedeckt ist. Eine Hochweide mit Aussicht und gemütlichem Gasthaus erwartet uns am Knöpflesbrunnen. Wir besteigen noch eine über der Hochfläche gelegene Kuppe, von der man die südlich gelegenen Berge und das tief eingeschnittene Wiesetal sehen kann. Dieses hat einst der vom Feldberg kommende Eisstrom ausgeschürft.

Abstieg nach Todtnau und zum Westweg

Den gewaltigen Abstieg von über 450 m überwindet der Pfad mit vielen Windungen, so daß wir eine genußreiche Wanderung erleben. Die vielen Ausblicke zeigen uns das tief im Tal gelegene Todtnau, umgeben von steilen und dicht bewaldeten Bergflanken. Besonders schön ist der Blick auf das hoch gelegene Todtnauberg und den Todtnauer Wasserfall. Todtnau war ab 1150 das Zentrum des Abbaus von silberhaltigem Bleierz im Schwarzwald. Alte Stollen im Mauswald zeugen davon. Eine Höhenpromenade über blühende Bergwiesen bringt uns zum Alpengasthaus Gisiboden. Inzwischen reicht die Sicht schon bis zum Belchen. Wir wandern am Bernauer Kreuz vorbei zum Prägbach hinab, wo das Wasser rauschend an Felsblöcken vorbeifließt. Der Aufstieg am gegenüberliegenden steilen Hang erfordert etwas Vorsicht, denn er ist in Hangrichtung geneigt. "Der grüne Wald ist die Verheißung, damit wir glücklich sind schon hier…" schrieb Max Barthel in seinem zeitlosen Gedicht über den Wald. Sicher trifft das nicht auf jeden Wald zu, aber auf unserem Weg zum Herzogenhorn schon.

Wanderer über dem Nebelmeer

Man kann das Herzogenhorn auf dem Westweg umwandern, aber wir gehen trotz dichtem Nebel über den Gipfel und bereuen es nicht. Ein breiter bequemer Weg, vorbildlich markiert, geleitet uns zu einer baumlosen Kuppe mit schlichtem, hohem Holzkreuz und zwei einfachen Bänken. Eine großartige, rundum freie Fernsicht belohnt uns. Der Abstieg über Grafenmatt bringt uns an mehreren Berggasthäusern vorbei. Nach Querung der vielbefahrenen Bundesstraße wird es bald wieder ruhiger und wir finden am Fuß des Feldberges ein kleines, sehr gemütliches Gasthaus.

König der Wälder

So wurde der Feldberg schon genannt. Auch ohne Lifthilfe erreichen wir nach etwa 30 Minuten das Bismarckdenkmal. Eine hervorragende Panoramatafel erleichtert die Orientierung bei der Rundsicht, die an hellen Tagen von der Zugspitze über viele berühmte Gipfel hinweg bis zum Montblanc reicht. Nach etwa 20 Minuten stehen wir dann am Gipfel des Feldberges, der mit 1493 m die höchste außeralpine Erhebung Deutschlands darstellt. Hier befindet sich auch eine Aussichtskanzel mit einer Metallplatte zur besseren Orientierung.

Einer der schönsten Panoramawege im Hochschwarzwald ist die Route über den Stübenwasen, ein Bergkamm, der im Norden ziemlich steil und im Süden sanft abfällt. Die von wenigen Fichten bewachsenen Matten gestatten sehr stimmungsvolle Ausblicke. Wir erkennen auch heute bei weniger guter Fernsicht den Schauinsland, Muggenbronn, den Belchen, Todtnauberg, den Gisiboden und das Herzogenhorn. Der Abstieg zum Notschrei führt uns nochmals durch dichte Wälder, bevor das Ziel winkt. Diese Höhenwegswanderung ist ein unvergeßliches Erlebnis und bei dem hervorragenden Zugang über Freiburg ein Geschenk, das sich jeder Wanderer einmal selbst machen sollte.



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