© Klaus-Peter Kappest

In zwei Tagen über die Fränkische Schweiz

Ausgabe 113 – Ausgabe 4/2003

Deutschland

Mit dieser zweitägigen Überquerung der Fränkischen Schweiz eröffnen wir einen neuen Reportagezyklus. Das Interesse an kurzen – zwei-, drei- oder viertägigen Wanderabenteuern – wächst. Deutschlands erwartungsfrohe Wanderwelt sucht nach lohnenswerten Nature

Seit vielen Jahren entwickelt der leidenschaftliche Wanderer, Mineraloge und Botaniker Dr. Konrad Lechner Überquerungen von Mittelgebirgen oder Überschreitungen von Gebirgszügen im Alpenbereich. Das Konzept – bereits am Tag der Anreise und noch am Tage der Abreise wird gewandert – beschert dem beliebten Wanderführer ausgebuchte Wanderveranstaltungen. Alle Überquerungen sind Streckentouren, führen also sprichtwörtlich vom Ausgangspunkt weg hin zu neuen Ufern. Die beigefügte, ausführliche Beschreibung macht es möglich, daß Sie auch Passagen ohne jede Markierung bzw. verschiedene Markierungswechsel problemlos meistern können. Viel Spaß mit unseren Überquerungen. Die Serie setzen wir in Heft 5/03 mit einer herrlichen Wanderung in Südtirol fort.

Einsame Wege und verborgene Kunstschätze

Die Burgruine Leienfeld, Sehenswürdigkeit beim Überqueren der Fränkischen Schweiz
Die Burgruine Leienfeld, Sehenswürdigkeit beim Überqueren der Fränkischen Schweiz

Zwei Kirchen auf dem Berg. Wir beginnen unsere Wanderung im wasserreichen Tal der Schnaittach, die in ihrem Unterlauf die Grenze zwischen dem Nürnberger Reichswald und der Juralandschaft darstellt. Nach einem Besuch des in einem Park gelegenen Schlosses der Nürnberger Patrizierfamilie Tucher steigen wir auf die Alb zu dem Weiler Bühl. Auf einem Bergsporn liegt die alte Missionskirche des Bistums Eichstätt, St. Maria, mit einem Bergfriedhof und alten Linden in stimmungsvoller Harmonie. Auf der Albhochfläche bietet sich bei klarem Wetter ein herrlicher Fernblick nach Süden bis zur Altmühlalb und dem Hesselberg. In Sankt Helena mit der gleichnamigen Kirche sollte man sich das köstlich frische Landbrot der benachbarten Holzofenbäckerei Töppmann nicht entgehen lassen. Im Naifertal findet man an den Hängen in den grauen Mergelzwischenlagen des Juragesteins immer wieder Ammoniten.

Seltene Blumen und ruinengekrönte Dolomitfelsen

Nach der Ortschaft Ittling im Spieser Grund können wir unmittelbar am Weg etwa ab Mitte Mai zahlreiche Exemplare des Frauenschuhs betrachten. Auch für den weniger botanisch interessierten Wanderer ist diese kostbare Pflanze mit den großen gelben Blüten ein Erlebnis. Der 614 m hohe Schloßberg bei Spies trug einst eine Burg, deren Herren sich freilich als Raubritter betätigten, was die Zerstörung durch König Wenzel 1397 zur Folge hatte. Nach ihrem Wiederaufbau wurde die Burg 1553 von den Nürnbergern endgültig vernichtet. Der Aussichtspunkt mit über 600 m ist auf einem sicheren Felsensteig zugänglich. Er ist der geographische Höhepunkt unserer Tour. An den Hängen des Schloßberges befindet sich übrigens der größte oberfränkische Standort des Deutschen Enzians und des Sumpfherzblatts. Nach der Ortschaft Strahlenfels erblicken wir die Ruine Wildenfels mit dem Stumpf des Bergfrieds. Östlich von Stierberg führt der fast alpine Steig an dem Felskamm "Langer Berg" entlang.

Bistumsgrenzen

Obertrubach, einer der beliebtesten Ferienorte der Fränkischen Schweiz, liegt auf der ehemaligen Grenze der Bistümer Bamberg und Eichstätt. Erst viel später trat an die Stelle Eichstätts die freie Reichsstadt Nürnberg als Territorialherr. Die vielfach noch erhaltenen Grenzsteine zählen zu den prächtigsten in Franken. "Ein Besuch der Burgruine Leienfels gehört zu den schönsten und erhabensten Eindrücken, die man in dieser gottbegnadeten Gegend haben kann …" schrieb August Sieghardt in seinem Buch über die Fränkische Schweiz. Sicher gibt es hier viele andere herausragende Punkte, aber die Meinung eines solchen Kenners wiegt schwer.

Kirchenbirkig

In Kirchenbirkig laden mehrere urgemütliche Gasthäuser zu einer längeren Rast ein. Ehe wir weiterwandern, werfen wir noch einen Blick in die Kirche St. Johannes mit ihren spätmittelalterlichen Bauelementen. Manche Geschichtsschreiber nehmen sogar an, daß dieses Gotteshaus aus einer der 14 Slawenkirchen Kaiser Karls des Großen hervorgegangen ist. In der näheren Umgebung von Kirchenbirkig haben wir schöne Ausblicke zur Platte bei Hohenmirsberg mit ihrem Aussichtsturm.

Felsenbegrenzte Täler und großartiger Fernblick

Bei Mittelmühle ist die Idylle dann vollkommen. Mächtige Felsen an der Talwand, ein Bach mit kristallklarem Wasser, wenige Häuser mit sorgfältig gestapeltem Holz. Wiese, Wald und Siedlung bilden eine natürliche Einheit. Für den Wanderer bieten die Trockentäler um Lüglas heute ideale Routen und an den Matten der Hänge unter den locker stehenden Bäumen botanische Raritäten. Man muß es einmal erlebt haben, wenn violett blühende Küchenschellen im April die Hänge schmücken oder Anfang Mai sich die großen wießen Blüten der Waldanemonen im Winde wiegen. Nach dem Denkmal für die Toten eines Flugzeugabsturzes gelangen wir zu einem weiteren Aussichtspunkt: Hinter dem etwas tiefer gelegenen riesigen Waldgebiet des Veldensteiner Forstes erheben sich die eindrucksvollen Dolomitkuppen der östlichen Fränkischen Alb. Das zauberhafte Städtchen Pegnitz mit seinem sehenswertem historischem Rathaus, dem Schloßberg mit dem Aussichtsturm und der Bartholomäuskirche ist der würdige Schlußpunkt unserer Überquerung und der Rahmen für eine letzte Rast. Naturabenteuer mitten in Deutschland!



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