© Klaus-Peter Kappest

Praxistest Socken

Ausgabe 113 – Ausgabe 4/2003

Know How

Nach dem Schuh gilt dem Strumpf ein gewichtiges Augenmerk. Kaum vorzustellen, was den verwöhnten Füßen von heute widerfahren würde, steckte man sie strumpf- und somit schutzlos in einen Trekkingschuh. Daß das Fußklima während der Wanderschaft einen erhebl

Auf die Socken!

Aufgereiht: Alle Socken, die dem Wandermagazin-Praxistest unterzogen wurden.
Aufgereiht: Alle Socken, die dem Wandermagazin-Praxistest unterzogen wurden.

Die höchst aktiven 200 Schweißdrüsen des eingeschlossenen Fußes sind emsig bemüht, die klimatischen Bedingungen in suptropische Dauerschwüle zu verwandeln. Und wie effektiv diese mikroskopisch kleinen Drüsen sind, beweist die Tatsache, daß binnen 24 Stunden so ein Fuß (je nach persönlicher Veranlagung und Intensität der Aktivität mal mehr oder weniger) gut einen Liter flüssigen Schweiß absondert. Nicht auszudenken, könnte sich dieser mineralische Körpersaft im Schuh ansammeln. Noch weniger bewußt ist vielen Naturaktivisten freilich, daß auch der atmungsaktivste Schuh nichts ohne die "passende" Socke, die nächstgelegene Schutzschicht (vergleichbar mit der Unterwäsche), leisten kann.

Hier wie schon bei der Funktionsunterwäsche gilt: Feuchtigkeit (flüssig oder gasförmig) muß rasch weg von der Haut! Für diese Daueraufgabe benötigt der moderne Wanderer auch die optimale Socke oder den optimalen Strumpf. Dämpfend, klimatisierend, schützend vor Reibungen und Druckstellen, feuchtigkeitsleitend, faltenfrei, dehnbar und mit sicherem Halt. Dabei sollte der Wunderstrumpf schmutzabweisend sein, in Windeseile vollständig trocknen, die Entwicklung der für kontaktverhindernde Gerüche verwantwortlichen Mikroorganismen hemmen, rasch ausdünsten, zugleich wärmen und kühlen sowie eine optimale Paßform (nicht nur der Größe nach, sondern auch für Männerquanten bzw. zierliche Frauenfüße) gewährleisten.!

Sinn oder Unsinn

So manche Socke, die wir im Praxiseinsatz auf Herz und Nieren gecheckt haben, kommt bereits rein äußerlich als High-Tech-Nummer daher. Wenn sich eine Socke schon als "Air Force One" titulieren läßt und von Silberionen gegen Schweißgestank über Bandagen zur Stimulanz bis zum Belüftungskanal für die Ventilation des Fußes gleich reihenweise über Superlativen verfügt, dann ist Skepsis angesagt.

Der eine Hersteller schwört auf hohen Baumwollanteil – in unseren Tagen fast schon ein liebenswerter Anachronismus – der nächste auf Coolmax als High-Techfaser mit der Eigenschaft, Feuchtigkeit zwar selbst nicht zu speichern, jedoch zu transportieren. Vom super dick gepolsterten Plüschstrick bis zur Verwendung von weltraumgetestetem Teflongarn reichen die Strategien zur Vermeidung von Blasen. Mal wird das Schienbein mit wollig dick auftragendem Polsterstrick geschützt, mal die Wade, mal zeigt sich das Bündchen als doppelseitiger Rippenstrick, mal als klassischer Gummizug, mal als ultimatives Elasthangestrick. Wer mag hier über Sinn und Unsinn zu unterscheiden? Neu ist, daß für den linken und rechten Fuß anatomisch differenzierte Socken geliefert werden. Sinnvoll erscheint es allerdings, daß es für Frauen und Männer unterschiedliche Produktangebote gibt, schließlich haben Frauen ein durchschnittlich um 30 % geringeres Fußvolumen. Wer in zu großen Socken daherlatscht, riskiert zwangsläufig Falten und Blasen.

Tipps zum richtigen Anziehen einer Socke

  1. Fußnägel kurz schneiden und rund feilen (mögl. Keine scharfkantigen Ecken, dort nie schneiden, sondern stets nur feilen).
  2. Die Socke bis zur Ferse aufwickeln und dann sorgfältig (faltenfrei) überstreifen und langsam mit beiden Händen aufwickeln und straff ziehen.
  3. Machen Sie die Fingerprobe. Streichen Sie mit den Fingern über Spitze, Rist, Sohle und Ferse. Stellen Sie fest, ob der Strumpf überall faltenfrei anliegt.
  4. Wenn Sie den Schuh anziehen, prüfen, ob sich Laub, Steinchen, kleinste Ästchen etc. an der Socke oder im Schuh befinden und wenn ja, unbedingt entfernen.
  5. Zweizonenschnürung. Je nach Phase Ihrer Wanderung (Start, Höhepunkt oder Ende) bzw. Geländeneigung (Steigung, Gefälle etc.) schnüren Sie den Mittelteil (bis zum Tiefziehhaken: falls vorhanden) locker oder fest. Dann schnüren Sie den zweiten Teil, legen Sie den Schnürsenkel im letzten Hakenpaar von obenherum an, das gibt Ihnen ein sicheres Gefühl, dem Fuß genügend Bewegungsfreiheit und verhindert Druckstellen durch die Schnürung.

Doppelsockentechnik?

Die doppelte Socke ist offensichtlich ein Märchen. Vermutlich ein gerne gelesenes Märchen, weil sich der Glaube an die dünne Socke zuunterst und die dicke Socke zuoberst unausrottbar hält. Aber die beiden Socken reiben gegeneinander, was je nach Beschaffenheit der Socken zu genau jenem worst case führen kann, dessen Prävention die Doppelsockentechnik eigentlich gilt.

Tipps für den Schuhkauf

Das Einlaufen von Schuhen ist auch heute, trotz Hightechsocken und Hightech-Schuh, ein unumstößlicher Grundsatz. Meist hat man durch einmaliges, mehrstündiges Tragen das Grundproblem gelöst. Nehmen Sie unbedingt ein Paar Wandersocken zum Austauschen mit, falls die ersten versagen.

  1. Die Unterscheidung von anatomisch linken und rechten Füßen ist weniger entscheidend als die Differenzierung zwischen Frauen- und Männerfuß. Unisex-Sortimente sind daher mit Vorsicht zu genießen. Stets die Socke ausprobieren. Sie muß faltenfrei sitzen. Der Frauenfuß in der Männersocke kann bereits zur Blasenbildung führen, weil die Männersocke selbst bei gleicher Größe ein größeres Volumen aufweist. Hersteller neigen dazu, stets das größere Volumen zu unterstellen.
  2. Eine zusätzliche Belüftung des Fußes kann durch eingearbeitete Belüftungskanäle erfolgen, die sich allerdings während des Gehens meist plattdrücken. Die Verwendung von feuchtigkeitsleitenden Materialien bildet bei ausreichendem Temperaturgefälle (innen und außen) die eigentliche Basis für die Klimaregulation. Einerseits wird durch die Fußbewegung ständig Luft in den Schaft gepumpt. Andererseits kann durch die Membraneigenschaften des Schuhes gasförmige Feuchtigkeit allmählich entweichen. Wolle oder Baumwolle nimmt Feuchtigkeit selbst auf und speichert sie.
  3. Der Minimierung der Reibung (Zehen, Sohle, Fersen) gilt die Polsterung. Sie ist jedoch kein Schutz an sich. Effektive Reibungsminimierung erfolgt durch extrem reibungsunanfällige Fasern wie z.B. Teflon.
  4. Antirutschbandagen verhindern, daß die Socke oder der Strumpf innerhalb des Schuhes rutscht. Gerät die Socke unkontrolliert in Bewegung, so erhöht sich die Gefahr der Falten- und damit auch der Blasenbildung.
  5. Der Zehenbereich, insbesondere auch die Oberseite, muß besonders verstärkt sein. Schließlich sind Zehennägel besonders hart. Andererseits sind die Nagelbetten extrem druckempfindlich.
  6. Jede Sockenspitze muß geschlossen werden. Meist erfolgt dies mit speziellen Maschinen. Die dabei entstehende Kettelnaht sollte nicht aufragen, nicht spürbar sein. Ideal ist es, wenn sie mehr oder minder im Plüschpolster versenkt wurde und nur zu sehen, jedoch nicht oder kaum mit den Fingern zu spüren ist. Machen Sie die Fingerprobe!
  7. Die Dämpfung im Sohlenbereich kann noch so dick sein, das Gewicht auf dem Fuß wird sie nach geraumer Zeit zusammendrücken. Brennende Sohlen entstehen übrigens dann, wenn der Fuß (aus Veranlagung oder animiert durch Bewegung) extrem stark durchblutet wird. Dennoch, eine dick gepolsterte Sohle trägt sich angenehmer.
  8. Schienbeinpolsterung ist wichtig bei halbhohen oder alpinen Bergschuhen mit hohem Schaft. Das gilt auch für die Wadenbeinpolsterung. Wer empfindliche Schien- und Wadenbeine hat, sollte daher auf zusätzliche Polsterung (doppelte Lage) achten.
  9. Die gelegentlich zu sehende Dehnungsausgleichszone zwischen Fersenbeutel und Bein ist verzichtbar. Sie wirkt sich allenfalls dann aus, wenn die Socke für den Fuß tendenziell zu klein ausgefallen ist.
  10. In Sachen Hygiene gilt: Je höher die Waschtemperatur, umso höher die hygienische Reinheit. Grundsätzlich sollte eine Socke oder ein Strumpf bei ca. 40 Grad in der Waschmaschine zu waschen sein. Maschinelles Schleudern vereinfacht die Reinigung und verkürzt die Trocknung. Je höher der Woll- oder Baumwollanteil, umso länger braucht die Socke zum Trocknen. Das kann bei der nötigen Wäsche unterwegs schon mal daneben gehen! Feuchte Socken sind Gift für die Füße.
  11. Eine Socke sollte nicht durch Gestank zur Belastung sozialer Kontakte führen. Hier hat der höhere Baumwoll- oder Wollanteil durchaus wieder Vorteile. Dafür bieten einige Sockenhersteller Exemplare, die mit geruchshemmenden Eigenschaften ausgestattet werden. Eingearbeitete Silberionenfäden verhindern das weitere Wachstum von Mikroorganismen, die für den gelegentlich bestialischen Gestank verantwortlich sind. Im Zweifel immer ein Paar Ersatzsocken mitnehmen, täglich ausdünsten lassen und häufiger waschen.
  12. Elastische Eigenschaften geben der Socke spezielle Fasern (Elasthan, Spantex etc.). Sie sorgen für eine angenehme Paßform, erleichtern das An- und Ausziehen und garantieren, daß sich der Strumpf ganz individuell auf den Träger "einstellt".
  13. Die Optik ist zwar nicht alles entscheidend, beeinflußt aber unsere Wertschätzung und das Wohlbefinden. Wer kauft schon eine Socke, die innen oder außen schlampig verarbeitet aussieht oder eher als Nikolausstrumpf, denn als Wandersocke durchgeht?
  14. Ein textiler Griff ist uns allemal lieber als der glatte, schmierige und synthetische Eindruck. Ein textiler Griff ist auch bei synthetischen Fasern möglich. Auf die Mischung kommt es an.
  15. Eine werblich hochgepriesene Supersocke muß beim Praxiseinsatz nicht unbedingt zu Jubelstürmen führen. Wir notieren hier unsere ganz persönlichen Eindrücke

Fazit

Jedes der vierzehn Socken- oder Strumpfpaare von zwölf verschiedenen Herstellern haben wir nach diesem Raster begutachtet. Lesen Sie vor dem nächsten Sockenkauf unseren Praxisbericht sorgfältig durch. Gewiß hilft er Ihnen dabei, eine für Ihre Wünsche, Ihre körperlichen Voraussetzungen, Ihre Pläne und Ihren Geldbeutel richtige Kaufentscheidung zu treffen.

Viel Glück bei der Auswahl!



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