© Klaus-Peter Kappest

Wandern an Rur- und Obersee

Ausgabe 113 – Ausgabe 4/2003

Deutschland

Mein Blick schweift über die ruhige und tiefblaue Wasseroberfläche. Ein leichter Wind geht durch mein Haar, während ich lautlos über den Obersee auf einem Ausflugsboot dahin gleite. Vorne am Bug haben sich Kinder verschanzt und spähen durch einen kleinen

Wasserschlange im Steilküstenbett

Immer am Wasser lang: Wandern an Rur- und Obersee
Immer am Wasser lang: Wandern an Rur- und Obersee

Welche Aussicht erwartet mich hinter der nächsten Landzunge, die sich mit einem steil aufsteigenden grünen Bergrücken in den Blick stellt? Was verbergen diese gewaltigen Wassermassen unter uns an Geschichten aus der Zeit, bevor das Wasser zu einem der größten Talsperrensysteme Deutschlands angestaut worden ist? Diese Fragen kommen mir immer wieder in den Sinn, seitdem ich heute Morgen in Einruhr zu meiner Wanderung aufgebrochen bin.

Uferwandern

Ganz im Norden des idyllischen Ortes Einruhr mit dem Heilsteinbrunnen am Heilsteinhaus beginnt an einem Wendekreis mit Parkplatz der Oberseerandweg. Ein breiter Wanderweg führt immer direkt am Ufer entlang und ich erreichte nach einem weiteren Kilometer das Gebiet des Truppenübungsplatzes Vogelsang. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges manövrieren hier belgische Truppen. Das ist auch der Grund, warum der Oberseerandweg auf der Einruhrseite bis Ende 2005 nur am Wochenende und an Feiertagen zu begehen ist. Ab 1.1.2006 spätestens sind jedoch alle Panzer verschwunden und die Nachfolge tritt der Nationalpark Eifel an, dessen Vorbereitung in der Region schon auf Hochtouren läuft. Je weiter ich laufe, desto näher rücken die beiden Ufer aneinander und pressen die Wasser des Obersees zusammen. Nach insgesamt 5 Kilometern muß ich das letzte kleine Stück einen Pfad hinaufsteigen, bevor mich ein phantastischer Blick über Obersee und Urfttalsperre belohnt. Ohne die Staumauer als Denkmal einer überragenden menschlichen Bauleistung und das kleine Restaurant würde man sich hier wie im Urwald fühlen, so ursprünglich und versteckt scheint die Natur an dieser Stelle. Zurück hätte ich am gegenüberliegenden Ufer entweder 4 km bis zum Staudamm, der Obersee und Rursee voneinander trennt, laufen und dann mit dem Schiff fahren können, oder die gesamte Strecke (9 km) bis zum Parkplatz in Einruhr erwandern können. Das Erlebnis der Schifffahrt wollte ich mir aber nicht entgehen lassen und erreichte entspannt Einruhr. Fahrpläne der Rursee-Schifffahrt unter: www.rursee-schifffahrt.de

Eifeler Steilküste

Der Oberseerandweg ist aber nur eine Möglichkeit, entlang der riesigen Wasserschlange mit Namen Rur zu wandern. Es läßt sich die gesamte Rurtalsperre in 25 Kilometern erwandern. Und das auf weiten Strecken ohne Steigung auf Höhe des Wasserspiegels. Dabei führt der östliche Teil der Wanderung durch die dichten Wälder des Kermeter, während der westliche Abschnitt seinem Namen "Rurseepromenade" zwischen der Staumauer Schwammenauel und Einruhr alle Ehre macht. Ganz im Norden des Rursees kann man in knapp vier Stunden und auf 11 km die ganze Faszination dieser Mittelgebirgswasserlandschaft erleben.

Am Staudamm Schwammenauel beginnt der Rundwanderweg "Eifeler Steilküste". Der Name erklärt sich im Sommer dem Besucher, wenn der Wasserspiegel im Rursee 10-12 Meter tiefer liegt. Dann ragen spitze Schieferplatten zwischen Bäumen und Wasser hervor und verbreiten ein wenig die Atmosphäre von Mittelmeerküste. Nach gut 1,5 km führt der Weg dann vom Ufer weg in die Höhe zu zwei wunderbaren Aussichtspunkten: Hubertushöhe und Schöne Aussicht. Von hier aus blickt man hinab auf das "dicke Ende" der Wasserschlange Rur, die sich tiefblau von der Staumauer wegschlängelt. Die Wanderung führt dann auf der Höhe durch den Ort Schmidt, bevor es durch den Wald wieder hinab zum Ausgangspunkt geht.

Wasser, nichts als Wasser

Aber nicht nur die gestaute Rur lockt mit ihren Wasservorräten die Wanderer an, sondern auch unzählige kleine Bäche, Flüsse und Quellen. Neben dem schon erwähnten Wanderweg "Eifeler Steilküste" entstehen im Norden des Rursees in diesem Sommer 14 weitere Wege, von denen einige dem Wasser gewidmet sind. Zum Beispiel der "Quellenweg" von Nideggen durch das Isimutstal, der "Vier Täler Weg" durch die Täler von Bosselbach, Richelsbach, Kall und Tiefenbach, oder der "Weheschlucht Weg" am Wehbach entlang. Über alle 16 Wanderwege sind bei der Rureifel-Tourismus Zentrale Broschüren mit Wegebeschreibungen erhältlich. Bleibt mir nur noch in Harald-Schmidt-Manier festzuhalten: "Ich sage ja zu Eifel-Wasser".



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