© Klaus-Peter Kappest

Wandern im Landkreis Kelheim

Ausgabe 113 – Ausgabe 4/2003

Deutschland

Als Teil des fränkischen Tafeljuras, der sich von der Schwäbischen Alb im Südwesten her nördlich der Donau fortsetzt, den Naturpark Altmühltal umfaßt und nördlich von Regensburg abrupt nach Norden führt, hat man der Region den Namen Bayerischer Jura gegeb

Spiegelwelten:Im Land der wießen Berge

Einblicke in das Innere des Bayerischen Jura gewähren die Klausenhöhlen bei Essing hoch über der Altmühl
Einblicke in das Innere des Bayerischen Jura gewähren die Klausenhöhlen bei Essing hoch über der Altmühl

Alle für Karstregionen charakteristischen Phänomene finden sich auch im Bayerischen Jura. Vom Erdfall und der Karstquelle bis zum beeindruckenden Wacholdertal der Lauterach. Im Jura führen Wassermangel und Wasserreichtum Regie. Jährlich löst das kohlensäurehaltige Regenwasser erstaunliche 100 Tonnen Kalk allein pro Quadratkilometer. Zunächst spült das riesenhafte unterirdische Netz aus Klüften, Rinnen, Röhren, Kammern und Tunnels die in Jahrmillionen aus Abscheidungen und Skeletten von Organismen eines gigantischen Schelfmeeres entstandene Hinterlassenschaft in die Tiefe der Alb.

Erst wenn der knapp 200 Meter tiefer gelegene Quellhorizont erreicht ist, tritt der Wasserreichtum in Hunderten von Karstquellen und Quelltöpfen ans Licht der "montes albi", der wießen Berge des Bayerischen Jura.

Schluckloch und Unterwelten

Während sich die Annäherung aus dem westlichen Albvorland, etwa von Nürnberg her, zur dramatischen Überwindung des durchweg 200 Meter hohen Albtraufs entpuppt mit seinen wieß blitzenden Dolomitfelsen, silbergrau schimmernden Kalkwänden, scharf eingebrochenen Kalkrinnen, unzähligen, höchst spektakulär ausschauenden Schluchten, Furchen und Spalten. Dagegen wirkt die Albhochfläche auf den ersten Blick ausdruckslos. Das ändert sich freilich, wenn sich das Auge an die gestalterische Sprache der Allianz von Wasser und Kalk gewöhnt hat. Da wären zunächst die aus himmelhoch ragenden Korallenriffs und Korallenbänken gebildeten Kuppen, die die Hochfläche immer wieder durchbrechen. Allenthalben lauern Schlucklöcher (Ponorhöhlen), die das Oberflächenwasser in riesenhafte unterirdische Höhlenflüsse ins Albinnere leiten. So das Hohlloch bei Hamberg südlich von Parsberg.

Bei Königstein im Sulzbacher Bergland nordwestlich von Amberg gelegen, hat sich eine riesige, langgestreckte Karsthohlform (Polje) gebildet, die das Regen- und Schmelzwasser großflächig und blitzschnell in unterirdische Höhlensysteme entwässert. Tief und canyonartig eingeschnitten begeistern die wasserreichen Juratäler von Schwarzer Laber, Wießer Laber, Wissinger Laber, Vils, Naab und Lauterach.

Quelltopf und Durchbruchstal

Das in den Untergrund des Karstgesteins einsickernde Niederschlagswasser strömt durch große Höhlensysteme ins Innere der Kalkplatte und tritt in den tief eingeschnittenen Tälern als munter sprudelnde Karstquellen zutage. Dabei können die Quellschüttungen bis zu mehrere tausend Kubikmeter pro Stunde betragen. Die Springerquelle bei Brunn, nordöstlich von Lauterhofen im Landkreis Neumarkt, ein lupenreiner Quelltopf, schüttet zwischen 200 und 1000 Liter pro Sekunde. Wenn sich der Wasserhorizont im Verlauf der Jahrmillionen immer tiefer in das Kalkgestein eingegraben hat, fallen oberirdische Höhlensysteme trocken. Das ist der Stoff, aus dem die Träume der Unterweltsbesucher sind. Die König-Otto-Höhle bei Velburg im Landkreis Neumarkt oder das Große Schulerloch bei Essing im Landkreis Kelheim sind eindrucksvolle Zeugnisse für das Spiel von Wasser und Kalk.

Welche gestalterischen Kräfte die unentwegt strömenden Fluten gerade im Kalkgestein entfalten können, dokumentiert das kühne Durchbruchstal beim berühmten Kloster Weltenburg, unmittelbar vor dem Zusammenfluß von Donau und Altmühl bei Kelheim auf beeindruckende Weise. Dazu muß man wissen, daß in diesem phantastischen Tal einst einige Nebenflüsse die Hauptarbeit vollführten. Denn in diesen weit zurückliegenden Tagen strömte die Urdonau noch durch das weiter nördlich gelegene Tal der Altmühl zwischen Riedenburg und Kehlheim. Vor mehr als 150.000 Jahren veränderte die Donau ihren Lauf und suchte ihren Weg durch die Weltenburger Enge. Bayerischer Jura, kuriose Welt. Das Land der wießen Berge, der wunderlichen Juratäler, der gigantischen Höhlen. Voller Wunder der Natur. Wald- und wasserreich. Prächtig bäuerlich, mit traditionsreichen Gasthäusern und üppigen Städten. Voller Geschichten, natürlicher Menschen, lauschiger Wanderwege und herrlicher Radelrouten.



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