© Klaus-Peter Kappest

Rügen: Wanderland an der Ostsee

Ausgabe 114 – Ausgabe 5/2003

Deutschland

Es fällt uns schon die Entscheidung schwer, wann wir hier wandern sollen. Vielleicht sogar im Winter, wenn die Sonne Schnee und Raureif glitzern läßt, an den felsigen Küsten Eiszapfen hängen, auf der Ostsee Eisschollen treiben und die Vögel sich in die Bo

Rügen – das von der Ostsee umgebene Wanderland

Rügen an der Ostsee
Rügen an der Ostsee

Etwas später im Jahr leuchten dann die Rapsfelder goldgelb. Im Juni finden wir an den waldfreien Südhängen zahlreiche Orchideen. Und wie schön ist es im Sommer, wenn auf den Hügeln die Sommerblumen von dem immer angenehm frischen Wind bewegt werden. Höhepunkt der Wanderzeit ist dann aber sicher der Herbst, wenn der Wald über den Kreidefelsen sein farbenprächtigstes Gewand anlegt, das Meer je nach Lichteinfall unterschiedlich leuchtet und über allem sich ein blauer Himmel spannt. Dann hat REINICKE vielleicht Recht, wenn er sagt: "Einen milden sonnigen Herbsttag zur Zeit der Laubfärbungen an der Kreideküste Rügens zu erleben, das kann man wohl zu den Sternstunden des Lebens zählen." Ein Naturschauspiel besonderer Art bietet zu dieser Zeit aber auch der Zug der Kraniche und Wildgänse nach Süden.

Die Auswahl an Wandergebieten ist groß

Am Tag der Ankunft empfiehlt sich in Bergen der Spaziergang durch die schöne Rugardallee zum Ernst-Moritz-Arndt-Turm mit dem Prachtblick über den größten Teil der Insel. Besonders eindrucksvoll ist die Aussicht auf den Kleinen Jasmunder Bodden, der fast vollständig von Wald umgeben ist. Auf der Halbinsel Wittow beeindruckt uns das mächtige Kap Arkona mit seinen Leuchttürmen, dessen felsige Gestade schon manchem Schiff zum Verhängnis geworden ist. Das Nobbiner Großsteingrab aus der Jungsteinzeit, die Reste der slawischen Jaromarsburg, die 1168 von den Dänen gestürmt wurde. Und natürlich das verträumte Fischerdorf Vitt mit seinen heimeligen Lokalen, dem Hafen und der Kapelle, in welcher Pastor Kosegarten seine berühmten Uferpredigten gehalten hat.

Auf Wittow finden wir im Sommer auch leuchtend rote Mohnfelder und einsame Wege entlang der Küste. Fast eine Pflicht für alle wandernden Inselbesucher ist im Nationalpark Jasmund der Weg von Sassnitz über die Kreidefelsen bis Lohme. Ein hervorragend angelegter Steig, teilweise über Treppen und Bretter, bestens gesichert, bringt uns zu den berühmten Aussichtspunkten wie z. B. die Wissower Klinken, die Victoriasicht und den Königsstuhl.

Tiefblicke

Die Tiefblicke auf die Felsen, den Strand und das Meer sind überwältigend und erinnern an alpine Pfade. Man kann auch über Treppen an den Strand hinabsteigen, die Feuersteine betrachten und nach Fossilien suchen, die hier sehr häufig sind. Etwas weniger bekannt, aber außerordentlich schön ist auch der Weg von Middelhagen über den Fliegerberg, Moritzdorf und Seedorf nach Lancken-Granitz. Was bietet diese Wanderung nicht alles! Wege unmittelbar am Wasser mit stillen Badebuchten, ein Fährerlebnis mit dem Ruderboot und eine herrliche Flora mit der Pfirsichblättrigen Glockenblume, Berg-Sandglöckchen und dem gelben Greiskraut. Die guten Busverbindungen ermöglichen es problemlos diese mehrstündige Streckentour durchzuführen.

Im Süden

Und natürlich dürfen wir den äußersten Süden nicht vergessen. Die Zickerschen Berge mit dem Ausblick vom Bakenberg, wo man stundenlang meistens in großer Einsamkeit wandern kann. Den kleinen Königsstuhl über dem Seebad Thiessow mit seiner Aussicht und Klein Zicker, dem "Lands End" von Rügen: fast eine Insel mit etwa 500 m Breite und Länge und durch eine schmalen Landzunge mit der übrigen Insel verbunden. Wenn man auf dem nur 38 m hohen Berg steht, von den gelben Sandstrohblumen und rosa Grasnelken umgeben ist und auf das rings umliegende Meer blickt, möchte man die Gabe haben zu dichten oder zu malen, um diese stimmungsvollen Momente festzuhalten.



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