© Klaus-Peter Kappest

Arran: Palmen, Gipfel & Menhire

Ausgabe 115 – Ausgabe 1/2004

Großbritannien

Links zeichnen sich die Berge von Holy Island ab. St. Columba, St. Ninian und Arrans Inselheiliger St. Las haben hier gelebt. Zwei buddhistische Klöster führen die monastische Tradition der vorgelagerten Insel fort. Rechts machen wir himmelsstürmende Kont

Arran – Schottlands Atlantis und Spiegelbild

"Schau, dort vor uns zeichnen sich die Umrisse von Atlantis ab!" Gerald, Werftarbeiter aus Glasgow, streicht sich die Kullertränen aus dem gepflegten Vollbart. Unsere Augen erfassen die goldgelb glänzenden, schemenhaften Umrisse von Arran. Die gewaltige Gebirgskette um den Goatsfell scheint aus dem Wasser zu wachsen. Mit jeder Minute nähert sich die hochseetüchtige Autofähre Brodick, dem größten Inselhafen und zugleich Hauptort des Eilandes vor der Küste von Ayrshire. Breitwandkino live. Der Streifen, dem wir ergriffen folgen, heißt "Atlantis lebt". Written by auld Scotland, Robert Burns in memoriam, Schottlands bzw. Ayrshires größtem Sohn.

Links zeichnen sich die Berge von Holy Island ab. St. Columba, St. Ninian und Arrans Inselheiliger St. Las haben hier gelebt. Zwei buddhistische Klöster führen die monastische Tradition der vorgelagerten Insel (Holy Isle Ferry ab Lamlash, Tel. 0044/1770/600349) fort. Rechts machen wir himmelsstürmende Konturen aus. Goatfell, Caisteal Abhaill, Beinn Tarsuinn heißen die höchsten Berge der 44 km2 großen Insel. Alpine Bedingungen, atemberaubende Berggrate, steile Felsnadeln, schroffe Klüfte, felsige Gipfel – "Walkers Dream", meint Iain, Chef von Arran Adventures. Zeno, Softwarefreek und Internetexperte aus dem Saarland, ist einer der vielen modernen "immigrants" von Arran. Wir sitzen mit ihm und Iain in einem kleinen Café an Brodicks Promeniermeile. Palmenbäume wiegen sich im Morgenwind. Am Hafenkai stolpern, schubsen sich Besucher, Busse stoppen – 15 Minuten später ist die Fähre weg und der ganze Spuk wieder vorbei und Arran zieht den melancholischen Feiertagsschleier über sein dramatisches Relief. Bis zur nächsten Ankunft.

Link-Tipp

www.arranadventure.com

Abenteuer erleben in Arran, Schottland.

zur Seite…

Machrie und Drumadoon

Die ausgebreitete Karte liegt vor uns auf dem Tisch. Iain fährt mit dem Bleistift von Nord nach Süd. "Cock of Arran oder Coire Lochan, unbedingt Machrie Moor, Kings Cave und Loch Tanna." Der alerte Schotte spricht schnell, die Augen blitzen. Zeno, für den Arran Liebe auf den ersten Blick war, blickt zufrieden zwischen Iain und mir hin und her: "Wir müssen!" Kurs auf Glen Shurig, ziemlich genau die Mitte der Insel auf dem Weg von der Ost- zur Westküste. Wolken quellen über die baumlosen Rundbuckel. Bäche rauschen, gurgeln talwärts, Heide, Moor, Schafe, die wir als wieße Farbtupfer ausmachen. Arran ist Schottland in Miniatur. Ein unscheinbarer Wegweiser weist auf Arrans wertvollsten Kulturschatz, die Steinkreise von Machrie Moor hin. 9.000 Jahre alte Zeugnisse der ersten Siedler auf Arran. Gewaltige Menhire formen sich zu Kraftkreisen. Eine mystische, mythische Stimmung geht von diesem Fleck aus. Ein gutes Dutzend solcher Steinkreise, einer älter als der andere, säumen den Pfad. Die Tour ist knapp 3 km lang und unschwer.

Nur wenige Kilometer weiter vor Blackwaterfoot starten wir an einem Wanderparkplatz mit Kurs auf die 10.000 Jahre alte Höhle Kings Cave. Ein kurzer Regenschauer geht nieder, Meer und Himmel haben sich zu einem undefinierbaren Blaugrau verbündet. Nach zehn Minuten ist der Spuk vorbei, typisch Schottland. Der steile Küstensaum wird geprägt durch viele Höhlen. Als wir Kings Cave bei Drumadoon erreichen (Zugang nur mit Führung möglich) hört der Regen schlagartig auf. Hier soll Robert the Bruce, dessen legendärer Sieg 1314 in Bannockburn über die Engländer die schottische Unabhängigkeit herstellte, Zuflucht gesucht haben. "If at first you don‘t succeed, try, try and try again!" Solcherlei Weisheit erklärt einiges vom schottischen Wesen.

Kildonan Lighthouse und die Nebel von Lochranza

Wir verbringen die Nacht in Kildonan. Wie eine wieße Burg erhebt sich von den Felseninseln südlich der Kildonan Lighttower. Der Schrei von Seevögeln, das guturale nimmerendende Tuckern eines Schiffsdiesels – sonst ist nichts zu hören. Nacht über Arran. Lichtblitze vom Leuchtturm, der große Wagen, die Mondsichel.

Über Whiting Bay, Brodick und Sannox erreichen wir Lochranza. Hier ist Arrans Stolz, die Arran Distillery, aktiv. Auf den Felsriffs vor der Küste ahlen sich Kegelrobben, Schmarotzerraubmöwen lassen sich aus der Hand füttern. Vor uns Lochranza Castle, dahinter erheben sich die ersten Gipfel des felsigen Nordens. Wir fahren auf der kleinen Fähre Richtung Kintyre (Lochranza–Claonaig). Arrans Norden wird mit jedem Kilometer, den wir uns nordwärts entfernen, massiger, gewaltiger. Plötzlich fällt Nebel über den Kilbrannan Sound. Die Umrisse von Arran verschwimmen. Atlantis entschwindet wieder unseren Blicken. Auf nach Argyll, zu Schottlands Gälenküste ins Reich der Innse Gall, Insel der Fremden oder des Lords of the Isles.

Link-Tipp

www.calmac.co.uk

Wer Schottlands Inselwelt vor der Westküste erobern möchte, für den sind die günstigen Fährtarife der "Island Hopscotch Tickets" zu empfehlen. Von Ayrshire nach Arran und von dort weiter nach Norden auf Kintyre. So lassen sich preiswert Barra, Uist, Harris und Lewis verknüpfen oder Skye mit Uist, Harris und Lewis.

zur Seite…



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 115

Ausgabe 1/2004