© Klaus-Peter Kappest

Das Sarcatal im Trentino

Ausgabe 115 – Ausgabe 1/2004

Italien

Zu allen Jahreszeiten hat der Süden für die Nordländer einen ganz besonderen Reiz. Entsprechend viele Menschen reisen auf der Suche nach sonnigen und erholsamen Tagen über den Brennerpaß. Dieser kalte, düstere und 1370 Meter hohe Übergang über den Alpenha

Bergwanderungen für das Frühjahr

Ab der Stadt Brixen bestätigt sich der "südliche" Eindruck mit den reich an Wein und Obst bepflanzten steilen Hängen des Etschtals. Ab Bozen wird das Tal weiter. Die Berge ringsum erscheinen wie niedrige Ausläufer, die teils schroffe Wände und starken Bewuchs aufweisen.

Vor Trento erheben sich zwei auffällige Gipfel. Rechts die Paganella mit 2.125 Meter und einer markanten Ost- wand. Der Gipfel ist mit einem Sendemast "geziert". Am Horizont, oberhalb von Trento, zeigt sich ein pyramidenförmiger Gipfel. Es ist der il Palon mit 2.096 Metern Höhe im Monte Bondone Gebiet. Die Ausfahrt "centro" und "Riva del Garda" weisen den Weg durch eine schmale Schlucht auf eine Anhöhe. Unvermittelt nahe steht der Monte Gazza (2.034 m) mit seiner Ostwand vor einem.

Die Straße führt unter dem Paganella – Monte Gazza-Kamm durch eine hügelige Karstlandschaft bis nach Vezzano. Hier wird zum erstenmal der Blick nach Süden frei – das Sarcatal. Es gehört zu den schönsten Tälern des Trentino. Ruhig liegt der Lago di Toblino vor dem Besucher. Auf einer Halbinsel steht etwas verträumt ein mittelalterliches Schlößchen. Rechts erhebt sich der Piccolo Dain (971 m) mit seiner farbenprächtigen Süd-wand. Dahinter zeigt der Monte Casale (1.632 m) seine unterschiedlichen Gesichter. Zum einen die mit dichtem Wald bewachsene Nord-Seite und zum anderen die beeindruckende 1.200 Meter hohe Ost-Wand.

Die Sarca gab dem Tal den Namen

Die kurvenreiche Uferstraße führt entlang des Lago di Toblino. Der See, Wein- und Obstgärten, Zypressenalleen, Steinmauern und die darüberliegende braun-graue Felswand des Piccolo Dain prägen das Landschaftsbild. Das Sarcatal ist nach dem gleichnamigen Fluß benannt, der in den Gletscherregionen von Adamello und Presanella entspringt. Er schlängelt sich durch die Brenta Gruppe, um schließlich bei Sarche in das Sarcatal einzumünden. Der Fluß zieht sich gemächlich durch das Tal, bis die Sarca bei Torbole in den Gardasee fließt. Dieses ruhige Dahinplätschern ändert sich schlagartig, wenn Gewitter oder kräftige Regenschauer niedergehen. Die Sarca kann dann zu einem tosenden, gefährlichen Wildbach werden.

Schroff und felsig – fruchtbar und üppig

Das Sarcatal hat nahezu einen Nord-Süd Verlauf. Im Norden steht schützend die Paganella (2.125 m), nach Süden öffnet es sich zum Gardasee hin. Im Osten trennt die Bergkette mit den Gipfelungen Cima Verde (2.102 m), Dosso d‘Abramo (2.133 m) und Cornetto (2.180 m), Monte Stivio (2.058 m) und Monte Creino (1.280 m) das Sarcatal vom Etschtal. Vom Sarcatal aus wirken diese Erhebungen wie sanfte, einladende Wiesenbuckel. Nach Süden hingegen brechen sie schroff und felsig in das Etschtal ab. Zwischen dem Sarcatal und diesen Gipfeln liegt das parallel zum Tal verlaufende Val di Cavedine. Es wird entweder von Padergrone, am nördlichen Ende des Toblinosees aus, oder über Drena erreicht. Diese versteckte Hochfläche ist reich an Obstbau. Und der Blick reicht über das ganze Tal bis hinein in die Brenta-Gruppe. Vom Gestein her gehört die Hochfläche zu den Dolomiten. Westlich begrenzen die schon genannte Felsbastion des Monte Casale (1.632 m) und Monte Brento (1.545 m) das Tal. Es folgt die markante Wand ohne richtige Gipfelung des Cima alle Coste (893 m), der sich in das Tal hineinschiebt. Links der Straße, am anderen Ufer der Sarca zeugen Felsbrocken von einem gewaltigen Felssturz von Monte Brento und Cima alle Coste. Diese steinwüstenartige Gegend wird Marocche genannt und verbirgt zum Monte Stivio hin den Lago di Cavedine. Darüber steht einsam, der einst das ganze Tal überwachende Castello Drena.

Die Dächer von Arco

Das Tal wird zunehmend weiter, der Blick freier. Links und rechts der Straße sind Weingärten angelegt. Am Ende des Tals kann man bereits die Burg von Arco, am Felsen thronend, erkennen. Daneben erheben sich die Gipfelungen des Anticima und des Monte Colodri (400 m). Diese Dreiheit besticht durch ihre überaus schönen, farbenprächtigen Wände, die über den Dächern von Arco und den Zypressenhainen aufragen. Gerade Arco, das seinen Namen nach dem Geschlecht der Arco trägt, verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Der mittelalterliche Ortskern schmiegt sich um den zur Hälfte von Olivenhainen umgebenen Burgfelsen. Hier verbinden sich Gebirgswelt mit mediterranem Flair. So hat Arco auch die Aufmerksamkeit von Adelsgeschlechtern, z. B. den Habsburgern, sowie Dichtern, u.a. Johann Wolfgang von Goethe, auf sich gezogen.

Schöner Spätherbst

Sie alle schätzten den nördlichsten Ort mit südlichem Klima. Vor allem Olivenbäume zeugen von milden Temperaturen. Es wurde hier zum Ehrgeiz vieler Biologen, Bäume aus aller Welt zu importieren und zu züchten. Entsprechend viele verschiedene und seltene Baumarten sind zu finden. Heute hat sich Arco von einem Luftkurort zu einem Tourismusort entwickelt. Jährlich strömen Tausende von Reiselustigen, darunter vor allem Wanderer, Bergsteiger, Sportkletterer, Mountainbiker und Surfer in dieses Gebiet. In den einstmals verträumten Gassen ist es lebendig geworden. Am Abend sind in den Restaurants, Pizzerias und Bars ohne Vorbestellung kaum Plätze zu finden. Trotz dieses oft hektischen Getöses ist etwas im Abseits des Hauptstromes die Stille schnell zu finden. Vor allem in der Zeit vom Spätherbst bis vor kurz vor Ostern kehrt in Arco wieder die Ruhe und Beschaulichkeit des italienischen Alltags ein.

Autor: Florian Kluckner, staatl. gepr. Berg- und Skiführer, leitet eine eigene Bergschule. Kontakt: Florian Kluckner, Via Perbassola 17, I-28011 Armeno (NO), Tel. 0039/349/4196455, Floriankluckner@hotmail.com



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