© Klaus-Peter Kappest

Hessen: Urwald-Riesen im Rheinhardswald

Ausgabe 115 – Ausgabe 1/2004

Deutschland

Bis zu 800 Jahre haben manche Eichen im Naturschutzgebiet Sababurg auf dem Buckel, pardon, auf der Krone! Dagegen scheinen manche 250-jährigen Buchen noch fast jugendfrisch.

"Urwald"-Riesen im Rheinhardswald

Vorsichtig setze ich meine Wanderstiefel auf "Brücken" aus dicht gelegten Ästen. Sie geben meinen Füßen in dem stellenweise morastigen Gelände festen Halt. Nach wenigen Schritten auf trockenem Boden steht dann auch schon wieder einer dieser urigen Riesen vor mir. Mit knorrigen, weit ausladenden Armen scheint er mir den Weg zu versperren. Seine Krone schüttelt er wild, oder rüttelt ihn der Wind? Ich starre fasziniert auf diese Eiche, deren zerfurchte Rinde im Dach des Baumes verschwindet. An ihrem mächtigen Stamm vorbei, der schon mindestens drei Jahrhunderte gewachsen ist, schlängelt sich der Weg weiter zum nächsten Baumriesen.

Bis zu 800 Jahre haben manche Eichen im Naturschutzgebiet Sababurg auf dem Buckel, pardon, auf der Krone! Dagegen scheinen manche 250-jährigen Buchen noch fast jugendfrisch. Respektvoll gleitet meine Hand über die tief zerfurchte, urige Rinde. Am liebsten würde ich mich von Ast zu Ast in die Höhe hangeln, aber das ist in einem der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands nicht erlaubt. Zu verdanken haben wir diesen Fast-Urwald zwei Malern zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Nach Jahrhunderten der intensiven Nutzung als Kuh- und Pferdeweide und im Herbst zur Schweinemast ("auf den Eichen wachsen die besten Schinken") hat Mutter Natur das Zepter wieder in der Hand. Doch ganz ohne Einwirken des Menschen könnte diese phantastische Kulturlandschaft nicht überleben, so daß jährlich die Huten genannten Wälder rund um die Baumveteranen freigeschlagen werden, damit die schnell wachsenden Jungbuchen den "alten Damen und Herren" nicht das nötige Licht für die imposanten Baumkronen wegnehmen.

Ein moderner Falkner

"Ganz ohne unsere Hilfe geht es halt heutzutage nicht mehr!" erklärt mir auch ein Falkner aus dem Tierpark Sababurg, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet liegt. Kurz zuvor hatte sich ein mächtiger Seeadler auf seinem ausgestreckten Arm niedergelassen. "Dreimal am Tag vollführen die ‚Könige der Lüfte‘ ihre tollkühne Akrobatik am Himmel über der Sababurg", erklärt er stolz und belohnt seinen Schützling mit einer toten Maus.

"Der Tierpark dient vor allem der Erhaltung von bedrohten oder bereits andernorts ausgestorbenen Arten, wie den Urwildpferden Tarpane und Przewalski", erläutert der Falkner noch, bevor er im Programm weiter macht. Staunend verfolge ich die weitere Flugschau. Danach besichtige ich die Ruine Sababurg. Von der Terrassse des dortigen Hotels aus überblicke ich den Tierpark bis zum Naturschutzgebiet und freue mich über dieses kleine Stückchen "Urwelt", das hier unweit der Weser liegt.

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