© Klaus-Peter Kappest

Rheinland-Pfalz: Loreley, Lieder & Romantik

Ausgabe 115 – Ausgabe 1/2004

Deutschland

Zu Bacharach am Rheine, wohnt eine Zauberin, Sie war so schön und feine, Und riß viel Herzen hin ...., die Rheinromantik hat ihre Lieder. Und sie hat auch ihre Blicke!

Loreley, Lieder & Romantik

Zu leben, das verbindet uns mit jedem anderen Organismus auf diesem Planeten. Doch es ist der Mensch alleine, dem das Leben auch zu Bewußtsein wird. Was, wenn etwas in uns die entemotionalisierte, vernetzte und versachlichte Welt zerschlagen, das romantische Ideal, die Natur, zur poesievollen Darstellung unserer inneren Welten würde? Diesen Weg ging einst die Romantik, deren facettenreiche Ausprägung namens Rhein-romantik im Mittelrheintal soeben wiederentdeckt wird. Gottlob. UNESCO-Welterbe ist es – mit aller Berechtigung. Erlebnisversprechen und Naturkulisse. Reliefdramatik und Spannungs-bogen an Deutschlands "deutschestem" und zugleich "internationalstem" Strom, dem Rhein. Der Ort, an dem das Sehnsüchtige, Überhöhende der Romantik – die sprach- und bildgewor-dene Nähe zum Träumerischen und Märchenhaften – mit dem Vorhandenen deckungsgleich wird.

"Zu Bacharach am Rheine, wohnt eine Zauberin, Sie war so schön und feine, Und riß viel Herzen hin ....", die Rheinromantik hat ihre Lieder. Sie hat auch ihre Blicke: So vom Drei-Burgen-Blick auf einem schmalen Bergrücken zwischen Schweizer- und Hasenbachtal, der sich an das Rheintal drängt. Unten an dem jählings in die Tiefe stürzenden Flanken klammert sich St. Goarshausen. Gegenüber, behäbig, aber elegant St. Goar. Der Turm der Stiftskirche überragt die Altstadt. Eine moderne Autofähre legt ab. Im Zwielicht sind die gewaltigen Umrisse von Burg Rheinfels auszumachen. Burg Katz wächst unvermittelt aus dem blanken Fels. Die Fahne auf dem Loreleyfelsen flattert schwarz-rot-gold. Findet ihre Entsprechung über Burg Rheinfels. Natur und Mensch, Schöpfungskraft und Individualität. Ich könnte endlos von der Brüstung der kleinen Holzlaube aus luftiger Höhe in das dramatische Tal schauen.

Turner, Byron und Brentano

"Wenn es die Rheinromantik nicht schon gegeben hätte, so müßte sie hier auf der Stelle neu erfunden werden." Zwei Wanderinnen teilen mein kleines Glück. Sie unterhalten sich über Clemens Brentanos Loreley, Gregory Lewis, Lord Byron und den englischen Romantikmaler William Turner. Unentwegt schieben Rheinschiffe in Modellbaugröße Bugwellen gegen die Strömung. Scheinbar schwerelos strömt der Schiffsverkehr dagegen talwärts, in den Flußkehren schwenkt das Heck drohend weit nach links oder rechts, zwingt den Bug in die Spur. Hinunter nach St. Goar oder weiter über die Höhen des kürzlich zum UNESCO-Welterbe erklärten Mittelrheintales zur Burg Maus und zum Kloster von Kamp-Bornhofen? Ich kann, ich will mich nicht entscheiden. Die jungen Frauen schultern ihre Rucksäcke, Rheinhöhenwanderer. Die Wiederentdeckung der Romantik sei ihr gerechter Lohn für das teils herausfordernde Wegeformat! Vater Rhein strömt wie alle Tage. Zwängt sich durch das Rheinische Schiefergebirge. 25 Höhenburgen säumen die Ufer zwischen Bingen und Koblenz. Steile Weinterrassen, stille Dörfer. Widerwillig verlasse ich meinen Ausguck. Schöner Mittelrhein!



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