© Klaus-Peter Kappest

Saarland im Sattel

Ausgabe 115 – Ausgabe 1/2004

Deutschland

Reiten im Saarland, das ist ein Geheimtip für Wander- und Freizeitreiter. Es gibt dort so viel vom Pferderücken aus zu entdecken.

Saarland im Sattel

Zum Beispiel den Schwarzwälder Hochwald, das St. Wendeler Land mit dem Bostalsee, die weiten Wälder des Warndt, die Obstbaumwiesen des Bliesgau oder bedeutende Spuren früherer Kulturen, wie der keltische Ringwall in Otzenhausen oder die römische Villa in Perl-Berg. Einiges davon konnte ich auf einem mehrtägigen Wanderritt erleben.

Sanfte Hügel, abgelegene Täler mit wilden Bachläufen und schier endlosen Wäldern: So erlebte ich das Saarland vom Pferderücken aus. In vier Tagen ritt ich mir meinen Allerwertesten rechts und links der Saar wund. Begonnen hatte alles im Hotel Mühlenthal, des Schwalbacher Ortsteils Elm. Unser Gastgeber Michael Haas versteht es aufs Beste, seine Gäste nach gut saarländischer Manier, die immer auch einen Schuß französischen Charme hat, zu verwöhnen. Nachdem man in dem ruhigen Tal mit Blick auf das alte Mühlrad, das im hoteleigenen Weiher steht, angekommen ist, werden am nächsten Morgen die Pferde gesattelt. Hoch zu Roß beginnt nach der Überquerung der Saar der Aufstieg auf den Saargau. Von dem Hochplateau aus haben wir einen herrlichen Blick über das Saartal, genauso wie später noch einmal von der Teufelsburg aus. Der Ritt führt uns durch den Grenzort Leidingen, dessen Hauptstraße bildet die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich.

Weiter geht es im gemütlichen Trab Richtung Hemmersdorf im Tal der Nied. Die Pferde können sich ihre Hufe im glasklaren Wasser des Flüßchens abkühlen, bevor wir in den Naturpark "Saar-Hunsrück" reiten. In diesem Teil ist das kleinste deutsche Bundesland vor allem geprägt von Streuobstwiesen und landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Im Rhythmus der Pferde

Auf dem Ritt zu unserem ersten Etappenziel in Wellingen passieren wir die "Steine an der Grenze". Steinbildhauer haben hier an der Grenze zu Frankreich ihre Sicht des Themas kunstvoll in die Landschaft gesetzt, auch als Mahnmal für eine hoffentlich vergangene Geschichtsepoche. Nach 40 anstrengenden Reitkilometern vertreten wir uns die Beine auf dem Weg zur "Cloef", dem Aussichtspunkt über die Saarschleife. Einmalig! Zufrieden und müde vom Tag, aber auch schon gespannt auf die folgenden Etappen schlafe ich tief und fest ein.

Die nächsten Tage bringen noch viele weitere Höhepunkte. Wir durchstreifen den Schwarzwälder Hochwald Richtung Losheimer Stausee – überwiegend ein Tannenwald. Am dritten Reittag erklimmen Roß und Reiter den höchsten Punkt des Saarlandes, den Schimmelkopf (695 m).

Der letzte Reittag führt uns vorbei am Gestüt "Schlenderhannes". Hier werden professionell Araber gezüchtet, und zu besonderen Anlässen erscheint eine Reitformation des Gestütes in historischen Uniformen auf dem 380 m hohen Litermont: gerader bei einbrechender Dunkelheit ein faszinierendes Schauspiel.

Kurz vor Ende des Reitwanderweges stand uns noch ein kleines Abenteuer bevor, die Überquerung der Prims, die recht schnell an uns vorbeischießt. Doch ohne "Verluste" durchreiten wir auch dieses letzte Hindernis und sind schon bald wieder an unserem Ausgangspunkt am Hotel Mühlenhof angelangt. Ein unvergeßlicher Wanderritt klingt vor dem Weiher gemütlich aus - doch nicht ohne Folgen: Wir planen bereits weitere Pferdetouren.



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