© Klaus-Peter Kappest

Breisgau: Sonnenterrasse zwischen Schwarzwald und Rhein

Ausgabe 116 – Ausgabe 2/2004

Deutschland

Von Löß und Basalt, von Orchideen und Amphibien, von Schmetterlingen und Bienenfressern – Wandererlebnisse aus einem Wunderland der Natur.

Sonnenterrasse zwischen Schwarzwald und Rhein

Schatz im Breisgau
Schatz im Breisgau

Gestatten, ich bin ein Staubkorn. Eines von vielen am Kaiserstuhl. Mein Alter schätze ich auf 15.000 Jahre. Dabei bin ich, gemessen an den ältesten meiner Artgenossen, noch ein Frischling. Mit 0,04 mm Durchmesser gehöre ich aber zu den größten meiner Art. Nach Endingen im nördlichen Kaiserstuhl hat mich ein eiszeitlicher Sturm geweht. Ursprünglich gehörte ich zu einem Felsmassiv in den Schweizer Alpen, bevor mich ein Gletscher dann talwärts trug. Im Kern bin ich aus Quarz. Etwas Feldspat, ein wenig Calcit und eine Brise Glimmer sind auch dabei. Bis zu 30 Meter hoch bedecke ich mit ungezählten anderen Staubkörnern den Kaiserstuhlvulkan. Löß bezeichnen das die Kaiserstühler. Sie nennen es eine glückliche Laune der Natur. Ein Wunder der Natur – fürwahr.

Staub und Magma – Geheimnisse der Genese

Heiß ist die Entstehungsgeschichte der Vulkaninsel im Oberrheingraben. Geologisch wie historisch. Ein Schatzkästlein der Geologie, ein getreues Abbild politischer Gemengelagen durch die Jahrhunderte. Kurios, kostbar und einzigartig sind die Details um die 33 Orchideen-, 700 Käfer-, 300 Bienen-, 60 Schnecken- sowie sage und schreibe 2.700 Schmetterlingsarten des Kaiserstuhls. Mal floß Vater Rhein östlich am 15 x 15 km kleinen Mittelgebirge vorbei. Nun grüßt er, reguliert und gebändigt, von Westen. Umspielt dabei erst "mons brisiacus", Breisachs Schicksalsberg vulkanischen Ursprungs mit den Doppeltürmen des Sankt Stephansmünsters, den Jechtinger Humberg samt Ruine Sponeck und den vermutlich für die habsburgische Dynastie bedeutsamen Limberg von Sasbach: Schließlich soll Rudolf von Habsburg am 1.5.1218 auf Burg Limburg am Rhein das Licht der Welt erblickt haben.

Das Kleinod per pedes entdecken

Prächtig sind die Kaiserstühler Orte. Eine geschmackvolle Kette um den Hals des bis zu 557 m hohen Bergstockes. Sie ruht auf einem üppigen Rebensaum. Auf handtuchschmalen bis bastionsartigen Terrassen stockt Grauburgunder, Riesling, Silvaner, Blauer Burgunder, Müller-Thurgau oder Muskateller. Tief dringen die Wurzeln in den Lößboden ein. Kaiserstühler Weinlagen, der Schloßberg von Achkarren, der Käsleberg von Oberrotweil, die Baßgeige von Oberbergen oder der Hasenberg von Königschaffhausen zumal, garantieren superben Weingenuß. Bergauf ein dichter Pelz aus Laubwäldern. Eichen, Buchen, Ulmen darunter. Von der Mondhalde über Oberbergen oder dem Badberg über Schelingen erschließt sich das Herz des Kaiserstuhls. Der Totenkopf – er erinnert eher an die Beatlesmähne der 60er – überragt einen vielgipfeligen Kamm. Katharinaberg, Endingens Hausberg mit der gleichnamigen Wallfahrtskapelle, Schelinger Höhe, Eichelspitze, Totenkopf, Neun Linden und Gierstein – der Nord-Südweg zwischen Endingen und Ihringen darf sich mit Fug und Recht zu den schönsten Kammwegen Deutschlands zählen. Da mag der Querweg von Eichstetten bis Oberrotweil nicht nachstehen. Was für ein Schlußpunkt, wenn der Blick vom Aussichtspavillon über der Mondhalde auf das Rebenmeer im Vordergrund und den Namensgeber des Breisgaus in der Ferne, Breisach, fällt! Ein Kleinod, ein Schatz – ein Wunder der Natur.



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