© Klaus-Peter Kappest

Burgenbekröntes Neckartal

Ausgabe 116 – Ausgabe 2/2004

Deutschland

Im Badischen Odenwald der Katze auf den Buckel steigen und atemberaubende Blicke von unzähligen Burgen erobern.

Drei verschiedene Landschaften erleben

Da ist die sanft gewellte Muschelkalklandschaft des Baulands am östlichen Rand des Odenwalds. Radeln zwischen Raps- und Kornfeldern, in der Heimat des von der Vollwertküche wiederbelebten Grünkerns. In jedem Dorf des fruchtbaren Bauernlands standen die kleinen Gebäude der Grünkerndarren zum Rösten der Dinkelkörner. Dann die Hochlagen des Buntsandstein-Odenwalds mit ausgedehnten buchenreichen Wäldern. Bei Waldbrunn buckelt sich der sagenumwobene Odenwald auf 626 Metern in einen nahezu runden Vulkankegel: Der Katzenbuckel bietet von seinem historischen Aussichtsturm herrliche Blicke über das grüne Wäldermeer, ab und an zerteilt durch tief eingeschnittene Täler. Von der Turmschänke am Fuße des vor 60 Millionen Jahren entstandenen Vulkans führt der "Weg der Kristalle" zum Gipfel und klärt über Geologie und Mineralogie des Erloschenen auf.

Als Lebensader schließlich schlängelt sich der Neckar durch den Naturpark Neckartal-Odenwald, der unmittelbar an die hessischen und bayerischen Teile des Naturparks Bergstraße-Odenwald anknüpft. Kraftvoll schnitt sich der Fluß einst in das sich erhebende Gebirge in Richtung Rheinebene und zerteilte es in den Großen (nördlich des Neckars) und Kleinen Odenwald (südlich). So entstand das äußerst reizvolle und vielbesungene Durchbruchstal zwischen Binau und Heidelberg.

In der Abendsonne glüht der Buntsandstein rötlich an den Prallhängen der ausgeprägten Neckarschleifen, während sich die sanften Gleithänge ganz behutsam aus dem Flußtal erheben. Mit schroffen Felswänden warten dagegen Margarethenschlucht bei Neckargerach und Wolfsschlucht bei Zwingenberg auf. Letztere soll Carl Maria von Weber zur Oper "Der Freischütz" inspiriert haben, die im Mittelpunkt der alljährlichen Freiluft-Festspiele von Schloß Zwingenberg – oberhalb der Schlucht – steht. Bei Zwingenberg überquert eine der wenigen Autofähren des unteren Neckars das Gewässer. In der Radsaison schafft sie zudem unzählige Radler, die auf dem Neckartal-, dem Alb-Neckar-, dem Odenwald-Madonnen- oder dem Burgenstraßenradweg unterwegs sind, auf die andere Seite.

Einmal die Perspektive vom Wasser aus erleben! Ausgedehntere Flußerlebnisse bieten die Rhein-Neckar Fahrgastschiffahrt oder das Kanu, das sich hier mieten läßt. Gekrönt wird die Romantik durch imposante mittelalterliche Burgen an den Talhängen. Sie versetzen zurück in derbe Zeiten. Welch edler Ritter hat hier wohl schon auf der Hut vor dem Feinde gespäht? Vielleicht der Götz von Berlichingen? Was dieser wohl denken würde, wenn er zusammen mit Dietrich von Guttenberg – die beiden waren Anfang des 16. Jahrhunderts quasi Nachbarn – die schmucken Fachwerkstädtchen am Neckar heutzutage wieder aufsuchen würde? Nehmen wir an, es ist so, und sie haben einfach den Vierbeiner von ehedem mit dem zweirädrigen Stahlroß von heute getauscht.



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