© Klaus-Peter Kappest

Holsteinische Schweiz: Schweizer Perspektiven

Ausgabe 116 – Ausgabe 2/2004

Holsteinische Schweiz und Fehmarn

Zu Wasser und per Rad durch die Holsteinische Schweiz wandern!Eine Wasserwandertour auf der Schwentine und eine paradiesische Radeltour durch die Holsteinische Schweiz. Und alles hoch im Norden Deutschlands, vor den Toren von Kiel mit Tuchfühlung zur Osts

Kanufahrt auf der Schwentine

Am Spitzenort starte ich mit Lars, einem versierten Kanuten, der seine er-sten Kanuerfahrungen auf der Lahn gemacht hat, unsere Wasserwanderung auf dem kleinen Plöner See Richtung Preetz. Ich habe mir die 3. Etappe des rund 50 Kilometer langen Wasserweges von Eutin nach Kiel herausgepickt, die in 4 Etappen bewältigt werden kann. Der See liegt im Morgendunst. Es sind nur wenige Paddler und Kanuten unterwegs. 50 m vor uns tauchen plötzlich zwei Boote auf, ihre Insassen haben uns noch nicht entdeckt. Uns packt der sportliche Ehrgeiz. Wir beschliessen, die Boote einzuholen und fangen kräftig an zu paddeln. Das geht ganz schön in die Arme, aber dann schauen wir in die erstaunten Gesichter der Bootsmannschaft, als wir wie aus dem Nichts neben ihnen auftauchen. Es sind Studenten der Uni Kiel, ebenfalls zur Schusterstadt Preetz unterwegs. Nach der anstrengenden Aufholjagd genießen wir das ruhige Dahingleiten. Wie gut, daß es in der Seenlandschaft ein Verbot für Motorboote gibt – Gestank und Lärm würden das Naturerlebnis doch arg schmälern.

In der Ferne blinkt das allgegenwärtige Plöner Schloß. "Die Schwentine", meldet sich Lars zu Wort, "heißt übersetzt ‚Heiliger Fluß‘." Sie entspringt am Bungsberg und ist auf langen Abschnitten als Fluß überhaupt nicht zu erkennen, weil sie 15 Seen miteinander verbindet. Auf unserer Route sind das der Kleine Plöner See, der Kronsee, der Fuhlensee und der Lanker See. Es ist egal, in welcher Richtung sie durchfahren wird, weil sie wegen der geringen Strömung beiderseitig befahrbar ist. Die vielen kleinen Inseln dürfen bis auf Langeswarder aus Gründen des Naturschutzes nicht betreten werden. Wir bewegen uns in der Weite des Kleinen Plöner Sees scheinbar mühelos voran. In der Höhe von Dörnick verengt sich der See, und wir gleiten hinein in den Kronsee.

Es ist die Abwechslung von Fluß- und Seenlandschaften, von Weite und Enge, die dieses Teilstück von Plön nach Preetz so spannend macht. Kristallklares Wasser ohne Schmutzwasser-Zuleitungen und ein hoher Sauerstoffgehalt sorgen für den Fischreichtum der Seen in der Holsteinischen Schweiz. Eine Besonderheit ist die Silber- und die Edelmaräne, ein Fisch der Lachsfamilie und, wie Lars genießerisch feststellt, "sehr schmackhaft". Am Übergang zum Kronsee zeigt die Schwentine jetzt ihr Flußgesicht. Schattengleich durchströmen Fischschwärme das sehr klare Wasser. Wandermuscheln sind auf dem Grund auszumachen. Sie besiedeln fast alle Gewässer Schleswig-Holsteins. Selbst in Fließgewässern und bei stärkerer Strömung können sich die Muscheln behaupten, da sie sich mit speziellen Haftfäden an Steinen verankern.

Große Eichen säumen das Ufer. Wir paddeln zum Fischer Helmut Bock. Sein Familienunternehmen liegt am Übergang vom Fuhlensee zum Lankersee auf der Höhe des Gutes Wahlstorf. Genüßlich verspeisen wir dort ein Maränen-Fischbrötchen, während uns der Fischer höchstpersönlich in die Geheimnisse des erfolgreichen Fischfanges einweiht. Gestärkt an Geist und Körper machen wir uns nach der Rast weiter auf in Richtung Preetz. Und wer empfängt uns an der Anlegestelle? Die Studenten aus Kiel, die Zeige- und Mittelfinger grinsend zum Victory-Zeichen erhoben haben. Keine Frage, sie sind uns in puncto Schnelligkeit um einige Nasenlängen voraus gewesen, aber ob sie dabei die Natur auch so entspannt genossen haben wie wir?



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