© Klaus-Peter Kappest

Nordic Walking im Westerwald

Ausgabe 116 – Ausgabe 2/2004

Deutschland

Die Trendsportart Nordic Walking erobert den Westerwald

Nordic Walking im Westerwald

Immer häufiger sehe ich auf meinen Wanderungen durch die deutschen Mittelgebirgsregionen Menschen, die am "Stock gehen". Um genau zu sein, an zwei Stöcken. Schwungvoll überholen sie mich, den Genußwanderer, im rasanten Tempo und verschwinden schon bald im Gleichschritt aus meinem Blickfeld. Leicht lächerlich und typisch deutsch kam mir der "Maschierschritt" zuerst vor. Bis ich mich näher informiert habe.

Nordic Walking heißt der neue Trend, der sich mehr und mehr vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsetzt. In Skandinavien, wo es 1997 als Sommertrainingsmethode der Spitzenathleten im Wintersport entwickelt wurde, ist es längst ein Volkssport geworden, dem rund ein Fünftel aller Skandinavier nachgehen. Insgesamt gibt es bereits 11 Nordic Fitness Parks in Deutschland und 22 in allen drei Ländern zusammen. Im Jahre 2004 sollen 30 dazu kommen, davon zwei allein im Westerwald.

Natürlich gibt es auch weiterhin das klassische Wandern mit festem Schuhwerk und Rucksack, dessen positive Effekte auf die Gesundheit durch viele Untersuchungen belegt sind. Aber selbst diese Klientel bedient sich immer häufiger der Teleskopstöcke, die nachweislich die Knie entlasten, indem zusätzliche Kräfte aus den Armen mobilisiert werden. (Vorsicht: Wanderstöcke eignen sich wegen ihrer Übertragung von Schwingungen nicht für das Nordic Walking!)

Diese ganzheitliche Beanspruchung des Körpers ist auch der Grund dafür, daß mittlerweile die meisten großen Krankenkassen Nordic Walking als Präventionsmaßnahme gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen anerkennen und mit durschnittlich max. 75 Euro pro Jahr und Aktivem bezuschussen. Dafür muß aber gewährleitet sein, daß die neue Bewegungsform unter fachkundiger Anleitung stattfindet.

Mit dem Walking-Instructor durch den Wald

Um dies zu garantieren, hat sich der Deutsche Nordic Walking / Nordic Blading Verband e. V. gegründet, der Mitglied in der International Nordic Fitness Organisation (kurz: INFO) ist. Nach verbindlichen Richtlinien werden hier sogenannte Basic-Instructoren in Theorie und Praxis ausgebildet. Besonderen Wert legt der Verband auf Fortbildungen: Wenn ein Trainer nicht alle zwei Jahre eine Auffrischung seines Wissens von einem anerkannten Mastertrainer erhält, verwirkt er das Recht, den Titel Basic-Instructor zu führen.

Das gleiche gilt für einen Nordic Fitness Park, der seine Lizenz verliert, wenn nicht in regelmäßigen Abständen die Strecken kontrolliert werden. Diese Aufgabe übernimmt der Verband und seine Partner, die von der Planung über die Eröffnung bis zur Wartung eines Nordic Fitness Parks alles übernehmen und dem Benutzer eine optimale Infrastruktur garantieren. Diese Professionalität ist sicher auch ein Grund, wa-rum Nordic Walking immer beliebter wird.

Ausschlaggebend für das Nordic Walking ist aber das Argument der Gesundheitsförderung. Gewichtsabnahme, Verbesserung des allgemeinen Fitnesszustandes, Stressbewältigung, Rückenschule, Lösung von Muskelverspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Das hört sich für einen gestressten Büromenschen sehr verlockend an, zudem neuere Untersuchungen ergeben haben, daß es einen fundamentalen Unterschied macht, ob man in ein Fitnessstudio geht, und somit nur von einer Kunstwelt (Büro) in eine andere (Studio) wechselt, oder ob man sich in der freien Natur bewegt. Letzteres hat signifikante Auswirkungen auf das Immunsystem. Das bedeutet aber auch, daß der Walker in seiner näheren Umgebung auf eine entsprechende Infrastruktur angewiesen ist. So ist erfreulich, daß es ab Mitte Mai 2004 im Westerwald zwei Möglichkeiten zum "Nordischen" Wandern geben wird.

Nordic Walking im Westerwald

Die Pläne der Streckenführungen für den Nordic Fitness Park "Hoher Westerwald" zwischen Rennerod und Bad Marienberg und den Nordic Walking Park Höhr-Grenzhausen liegen schon detailliert vor. Im Hohen Westerwald entstehen bis Mitte Mai 7 Strecken, drei rund um Rennerod, drei um Bad Marienberg und eine Verbindungsstrecke. Insgesamt sind das 121 Walking Kilometer, die auf bereits als Wander- oder Radwan-derwegen ausgezeichneten Strecken angelegt werden. Zwischen 5 und 18 km sind sie lang und weisen drei Schwierigkeitsstufen auf: blau für leicht, rot für mittel und schwarz für schwer. Genau wie beim Skifahren!

Begleitend zu den Strecken wird in einem Fitness-Studio in Bad Marienberg ein Nordic Fitness Center eröffnet. Mindestens drei Basic-Instructoren werden hier Trainigsprogramme, Schnupperkurse, Kräftigungsübungen, Ganzkörpertraining u.v.m. anbieten. An dieser zentralen Stelle können dann auch die wichtigen Stöcke aus einer Glasfaser-Carbonmischung und Herzfrequenzmeßgeräte ausgeliehen werden.

In Höhr-Grenzhausen schildert man in den nächsten Wochen 5 Strecken aus. Anlaufstellen sind hier vor allem das Hotel Zugbrücke, das zwei Basic Instruktoren angestellt hat, und das Hotel Heinz, die auch jetzt schon mit den Hotelgästen um die Wette Walken.

Der Westerwald geht also beim Trendsport Nordic Walking voll in die Offensive. Da bleibt mir nur noch – frei nach Nietzsche – zu sagen: "Gehst du in den Wald, vergiß die Stöcke nicht!"



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