© Klaus-Peter Kappest

Der Westfalenwanderweg: Ein Wanderweg von den und über die Westfalen

Ausgabe 117 – Ausgabe 3/2004

Deutschland

Auch für jemanden, der sich mit der Geschichte des ehemals sächsischen Volksstammes nicht auskennt, ein verlockendes Angebot, das sich am Südrand der Münsterländer Bucht von Altenbeken im Eggegebirge bis Hattingen an der Ruhr erstreckt.

Von verschwindenden Flüssen

Was haben diese 210 km WWW (WestfalenWanderWeg) nicht alles zu bieten! Gestartet bin ich in Altenbeken. Auf dem schmalen Gebirgskamm des Eggegebirges erwarteten mich auf vielen Pfaden Fichtenwald – dessen Boden mit frischem Gras- und Heidelbeergrün bewachsen ist – und lichte Buchenwälder. Aussichten über Bad Driburg (Schöne Aussicht) und das leichte Hügelmeer des Oberwälder Landes (Knochenhütte) unterbrachen angenehm die Waldeinsamkeit, die bei Herbram in die Paderborner Hochfläche übergeht.

Das Begeisternde dieser Landschaft liegt in den kleinen Tälern, die sich bis zu 100 m tief durch den Karst gegraben haben. Wie zum Beispiel die Sauer, auf die ich in Grundsteinheim treffe. Spektakulär steil steigen die Ufer an. Was mich aber wirklich umgehauen hat, ist die Tatsache, daß die Sauer in einer Karstspalte komplett versickert. Es finden sich mehrere Stellen im Flußbett, die vollkommen ausgetrocknet sind. Ein ungewöhnliches Bild für Mitteleuropa!

Im Wasserland Westfalen

Immer wieder prägen Flüsse die Landschaften Westfalens, so auch die Alme, die unter der gewaltigen Wewelsburg entlangfließt (Übernachtungstip: "Alte Mühle", Wewelsburg, direkt unter der Burg an der Alme). Genauso das Aschental bei Büren. Wie eingestürzt wirkt der Wasserlauf, aus dessen schmalen Tal nur einige Baumkronen vom Weg aus zu erkennen sind. Bevor die Route dann durch das breite Möhnetal führt, das sich durch typisch westfälische Landsitze und Wasserschlösser wie Schloß Welschenbeck auszeichnet, geht es nach Rüthen. Beeindruckend ist die fast vollständig erhaltene Stadtmauer. Außerhalb fallen Wiesen und Wälder ins Möhnetal hinab, während innerhalb zwei Kirchen aus grünem (!) Sandstein auffallen.

Am Möhnesee hat mich vor allem der Bruchwald an der Wameler Brücke begeistert. Zwischen dem angestauten Wasser stehen unzählige Bäume fast gespenstisch im Wasser des "Westfälischen Meeres", das dahinter immer breiter wird. Schöne und weite Aussichten in das beginnende Sauerland jenseits der Möhne gibt es dann zu genießen. Hilfreich hierbei ist auch der Bismarckturm bei Delecke.

Auf dem Haarstrang

Einen weiteren Turm findet man südlich von Unna (erkundigen Sie sich wegen der sehr begrenzten Öffnungszeiten bei den Tourist-Informationen!). Wer sich für natürliche Quellen interessiert, sei auf die Schichtquelle des Rammbaches östlich von Bausenhagen verwiesen. Knapp hundert Meter vom Weg (ist in den Naturparkkarten des Landesvermessungsamts eingezeichnet) bricht die Landschaft ca. 15 Meter abrupt ein und bildet einen abgeschiedenen Quellenkessel. Am Wasserschloß Opherdicke (wechselnde Ausstellungen) endet erstmal der Panoramaabschnitt des Westfalenwanderweges, bis das grandiose Finale am Kaiser-Wilhelm Denkmal an der Hohensyburg beginnt.

Über der Ruhr

Von da an gibt es immer wieder Blicke auf die dreimal angestaute Ruhr (Hengstey- Harkort- und Kemnader See). Durch traumhafte Buchenwälder oftmals oberhalb der Ruhr geht es vorbei am Harkortturm bei Wetter, dem traumhaft gelegenen Haus Schede und etwas später am ebenso schönen Herrensitz Haus Mallinckrodt. Einen grandiosen Ausblick über die Ruhr bei Witten hat man dann vom beliebten Ausflugsziel, dem Bergerdenkmal. Einen weiteren tollen Ausblick bietet Burg Blankenstein, bevor als krönender Abschluß die Hattinger Altstadt mit ihrem reizvollen Fachwerkensemble erreicht wird.

Die insgesamt mit Höhepunkten nur so gespickten 210 Wanderkilometer lohnen sich auch abschnittsweise für Tagestouren.

Link-Tipp

Westfalen auf 210 km erwandern - das ist der Westfalenwanderweg!

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