© Klaus-Peter Kappest

Saarländer Tafeltouren: Tafeln und Stiefeln

Ausgabe 117 – Ausgabe 3/2004

Deutschland

Hochwald und Bliesgau – zwei Schlaraffentouren für wandernde Feinschmecker. Tafeln erlaubt und Stiefeln erforderlich. Wandern mit kulinarischen Herausforderungen!

Tafeln & Stiefeln

Wandern, so heißt es oft, sei ein Stück der tugendhaften Askese. Mancher hingegen wandert nur deshalb so wacker und tugendhaft, weil hernach der Gersten- oder Rebensaft dreifach besser mundet und ein in Ehren müde gelaufener Körper für lukullische Genüsse bekanntlich besonders empfänglich ist. Und so manche Vesper "on tour" wird im sicheren Gefühl verdrückt, es müsse sich um eine ambrosianische Delikatesse handeln. Richtig ist allerdings, Wandern macht hungrig. Wandern schärft die Sinne. Natürlich auch den Geschmacks- und Geruchssinn!

"Gudd gess" und savoir vivre

Was gibt es für einen Saarländer zusätzlich zur Gaumenfreude, zur sinnlichen Freude eines süffigen Bieres, eines Viez (Apfelsaft mit geringem Alkoholgehalt) oder eines edlen Rieslings oder Elblings von Saar und Mosel noch? Den rustikalen Grundsatz, nur mit einem zufriedenem Magen ließen sich Geist und Psyche in Harmonie einnorden, verfeinert der Saarländer mit dem vom lothringischen Nachbarn entlehnten "savoir vivre". Beste Voraussetzungen also für die Offensive "Saarländer Tafeltouren". Zusammen mit der Tourismus Zentrale Saarland entwickelt das Wan-dermagazin, nach einer Konzeptidee des Marburger Soziologen Dr. Rainer Brämer, insgesamt sechs bis acht anspruchsvolle, erlebnisintensive und ausgesprochen schöne Wandertouren. Sie vereinen landschaftlichen Hochgenuß mit ausgesuchten Qualitätsmerkmalen. Viele Aussichten, erdige Pfade, wenig Asphalt, Wiesen- und Waldsäume, einsame Täler, natürliche Stille und urige Einkehrmöglich-keiten. Die ersten beiden Tafeltouren stellen wir hier (siehe S. 43-44) vor.

Das Projekt Tafeltouren im Saarland

Während Wegescout Yves Loris vom Wandermagazin bei der Komposition der Tafeltouren mit dem Basis-Siegeltest des Dt. Wanderinstitutes überprüft, ob und mit welchen Änderungen die ausgekundschafteten Wege die hohen Qualitätshürden des Deutschen Wandersiegels (Premium oder Klassik) erfüllen können, haben die teilnehmenden gastronomischen Betriebe die Aufgabe, eine Reihe von qualitativen Kern- und Wahlkriterien zu erarbeiten. So muß auch der verschwitzte Wandergast mit dreckigen Wanderschuhen besondere Freundlichkeit und Servicequalität erwarten können. Tafeltourenbetriebe sollen zukünftig ihre Tour aus eigener Anschauung kennen. Sie werden später Mitglieder eines Tafeltourenteams sein, das sich um die Möblierung, Pflege und Markierung der Tour kümmert. Eine Wander-Infothek mit Karten und Tourenbeschreibungen, das Angebot regionaltypischer Küche mit regionalen Frische-Produkten wird Pflicht sein. Tafeltouren-Menüs, besondere Kompositionen der Küche mit attraktivem Preis-Leistungsverhältnis, sind künftige Bausteine des lukullischen Gipfels! In der Tourismus Zentrale ist ein Team dabei, auf der Basis der konzipierten Touren, nun Tafeltourenbetriebe auszuwählen.

Übernachten, Vespern, Dinieren

Entlang oder in der Nähe der Touren wird es Vesperstuben und Tafeltouren-Restaurants geben. Tafeltouren-Übernachtungsbetriebe werden ein kohlehydratreiches Vitalfrühstück servieren und Wandergäste auch nur für eine Übernachtung aufnehmen. Die Betrieb sollen familiär geführt sein, ein liebevoll zubereitetes Tafeltouren-Lunchpaket bereitstellen, das ökologische Engagement belegen können und nach den DEHOGA-Kriterien klassifiziert sein. Wasch- und Bügelservice, Putz- und Trockenraum und Hol- oder Bringdienste sollen obligatorisch sein. Dazu plant die Touristik Zentrale Saarland die Ausgabe von Bonusheften: Kurzbeschreibung der teilnehmenden Betriebe, Öffnungszeiten, Ruhetage, Bettenkapazität, Gutscheine etc.

Tafelrunden gibt es obendrein

Jährlich im Frühjahr und Herbst veranstalten, so der Zukunftsplan, die teilnehmenden Hotels, Vesperstuben und Restaurants sogenannte "Saarländer Tafelrunden". Mit mobilen Verpflegungsstationen in reizvoller Lage überraschen und verwöhnen die Tafeltourenbetriebe die wandernden Gaumenfreunde. Übrigens, alle Tafeltouren werden durchgehend markiert und im gesamten Wegeverlauf mit speziellen Tafeltouren-Balkonen ausgestattet sein. An Orten mit tollem Blick oder mit einer besonders eindrucksvollen, naturnahen Stimmung laden dann zukünftig Tafeltouren-Balkone zum Verweilen, zum Rasten und natürlich zum Verzehr der Tafeltouren-Lunchpakete ein.

Bliesgau und Hochwald

Und wie sehen unsere ersten beiden Tafeltouren aus? Die Bliesgau-Tafeltour ist geprägt durch kilometerlange, idyllische Wald- und Wiesensäume. Immer wieder windet sich der Pfad an Waldsäumen entlang, hoch über sanft abfallenden Tälern mit endlosen Weitblicken. Dagegen ist die Tafeltour durch den Hochwald bei Wadrill garniert mit zahllosen Bächen und dem romantischsten Teil des Wadrilltales unterhalb der stolzen Grimburg. Beide Tafeltouren sind als Rundtouren angelegt. Unterwegs erwartet den kulinarischen Wanderfreund stets auch mindestens eine rustikale Einkehr. Zauberhafte Natur, tolle Ausblicke, verträumte Täler, geheimnisvolle Waldwiesen, verwilderte Steinbrüche, steile Serpentinen, schmale Wiesenwege, blumenübersäte Bergwiesen – Naturerlebnis pur steht im Vordergrund. Einfach losstiefeln und lostafeln!



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