© Klaus-Peter Kappest

Uplandsteig, 1. Etappe: Auf und nieder, immer wieder

Ausgabe 117 – Ausgabe 3/2004

Deutschland

Die Sonne weckt mich mit ihren frühen Strahlen, noch bevor der Wecker klingelt. Ich mache die Balkontür auf und sehen den roten Feuerball über dem Lüerberg aufsteigen.

Auf und nieder, immer wieder

Nach dem "Guten Morgen - Wasserstrahl" aus dem Duschkopf nehme ich Platz am reichlich gedeckten Frühstückstisch mit dem schon gewohntem Fernblick. Auf meinem Teller liegt die Wettervorhersage, sie ist ausgesprochen gut für dieses frühe Frühjahr, mit Wander- und weiteren Erlebnistips aus der Region.

Da mein Weg direkt vor der Haustür beginnt, schultere ich gleich nach dem Frühstück meinen Rucksack und marschiere hinab ins Ittertal. Klassisch nenne ich dieses Tal, mit steilen Hängen, flachem Talboden und einer mäandrierenden Itter. Hier liegt auch das Elternhaus von Jochen Behle, dem langjährigen Spitzenskilangläufer und jetzigem Bundestrainer dieser Disziplin. Hinter dem Sonnenhof führt der Uplandsteig erst noch parallel zur Itter, bevor bei den ersten Häusern von Schwalefeld ein Anstieg zum Höhenweg über dem Ittertal ansteht.

Hügelmeer

Dann, nach einem kurzen Stück Waldpfad steil bergauf, trete ich aus dem Wald heraus und blicke in ein schier unendliches Hügelmeer. Auf dem Kamm – rechts Wald, links Talblick – führt der Weg zur Ruine der Schwalenburg.

Die drei Ringwälle der mittelalterlichen Fliehburg sind noch gut zu erkennen und die Aussicht geht bis zum Aussichtsturm auf dem Dommel, den ich auch heute morgen schon von meinem Balkon aus gesehen habe und zu dem mich der Uplandsteig heute noch führen wird.

Über ein Reststück Mauer, das von Buchen überschattet wird, gelange ich zu einer Sitzbank, diesmal mit Aussicht bis zum Hochheideturm auf dem Ettelsberg. Ich packe meinen Proviant aus und bin einfach glücklich, hier sitzen zu dürfen und meinen immensen Hunger und Durst mit einfachen Schnitten, Apfel, Bifi und isotonischem Getränk stillen zu können. In solchen Momenten hat man auf einmal alles, was man braucht. Nichts fehlt, nichts stört, alles ist gut, genau so wie es ist.

Doch diese Gemütszustände halten leider nicht allzu lange an. Ich werde mich erst wieder die Hügel hoch und runter "quälen" müssen - die erste Etappe ist ein beständiger Wechsel aus einem Bergauf und Bergab - damit ich mich heute Abend bei einem deftigen Abendessen wieder so ähnlich fühlen darf.

Wanderkulisse

Doch zuerst einmal muß ich das Aarbachtal durchqueren, um bei Rattlar wieder einem schönen Höhenzug folgen zu können. Erstaunlich sind die immer neuen Perspektiven, die sich größtenteils aus sich überlagernden Bergkuppen zusammensetzen. Da steigt direkt vor mir der kahle Höhekopf auf, während im Hintergrund Unmengen von "Sauerländer Zuckerhüten" auftauchen. In der Tat erinnern mich hier manche Kuppen, Hügel und Berge an den brasilianischen Zuckerhut, nur ist die Sauerländer Variante etwas dicklicher.

Meine Landschaftsinterpretationen bringen mich zur bewohnten Dommelmühle am Fuß des namengebenden Berges. Durch hoch gewachsene Buchen komme ich zu einem abgelegenen Wiesental, in dem der Dommelhof mit einer Imbißmöglichkeit liegt. Der Blick ist bereits hier so schön, daß ich mir den Abstecher zum Dommelturm spare und unweit vom Dommelhof auf einer der vielen, den Uplandsteig begleitenden Sitzbänke den Rucksack absetze.

Danach geht es wieder über einen Bergrücken, an dessen Ende, am Niegelscheid, man sogar Aussicht auf den Diemelstausee hat. Unvermittelt gerät auch ein Fuchs in mein Blickfeld. Ohne mich zu bemerken, läuft er am Waldrand entlang. Leider habe ich kein ausreichendes Teleobjektiv für eine gute Aufnahme dabei. Ganz alleine stehe ich also da und freue mich, daß es diese Momente der Begegnung von Mensch und Wildtier auch in dem dicht besiedelten Deutschland noch gibt.

Wirtschaftsmotor Uplandsteig

Über grasige Wege – so machte das Wandern auch meinen Füßen Spaß – steige ich gemächlich bergab zu dem kleinen Dorf Hemmighausen. Eingebettet in die umliegenden Äcker, präsentiert sich die Ansammlung von Neubauten und alten Bauernhöfen quasi als das Ende der Welt. So abgeschieden liegen die Häuser des Ortes, wo kurz nach dem Ortsschild das Zeichen für Sackgasse erscheint. Mitten im Upland wähne ich mich hier abgeschnitten vom Rest der Welt. Typisch für mich als Städter, daß ich mir ein Leben hier in romantisch verklärter Abschiedenheit vorstelle.

Die Besitzer der einzigen Dorfkneipe aber, mit denen ich ins Gespräch komme, sind weit davon entfernt, Hinterwäldler zu sein. Ausgestattet mit natürlichem Geschäftssinn hoffen sie mit Eröffnung des Upland-steiges auf zahlreiche Wandergäste. Als mich mein Gastgeber Gallhofer aus Hemmighausen abholt, werden konkrete Pläne geschmiedet, wie beide Unternehmer vom neuen Up-landsteig profitieren können und es werden gemeinsame Wandertage vereinbart. So funktioniert die freie Marktwirtschaft ganz im Kleinen: Nach dem Anstoß durch die Politik, die den Uplandsteig realisiert hat, entwickeln Privatpersonen Eigenaktivitäten und generieren Gewinn, der dem Wandergast in Form von ansprechenden Unterkünften und Einkehrmöglichkeiten zugute kommt. Dieser bedankt sich dann entsprechend, indem er "zulangt": so wie ich heute im Sauerländer Hof in Willingen mit einer deftigen Vesperplatte und Rauchbier.

Link-Tipp

www.upland-wetter.de

Eine Webcam und andere Eindrücke aus dem Upland.

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Karte Upland.pdf (1075 KB)

Der Uplandsteig.pdf (498 KB)



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