© Klaus-Peter Kappest

Uplandsteig, 3. Etappe: Wieder hoch hinaus

Ausgabe 117 – Ausgabe 3/2004

Deutschland

Auch wenn die Beine schon etwas schwer sind, ist auch die letzte Etappe eine Verlockung. Nach dem kurzen Aufstieg von der Diemelquelle aus, führt der Uplandsteig erst einmal relativ eben durch den Wald.

Wieder hoch hinaus

Parallel zum weißen "U" auf schwarzem Grund, der Markierung für den Up-landsteig, taucht jetzt auch das grelle Gelb mit liegend schwarzem R, Kennzeichen eines jeden Zubringerweges zum Rothaarsteig, auf. Damit steigen auch Spannung und Erwartungshaltung. Denn der "Weg der Sinne", auf dem ich heute noch knapp 10 km laufen werde, ist momentan der deutsche Superstar unter den Weitwanderwegen.

Vorher bekomme ich aber noch zweimal die unschlagbaren Argumente für den Uplandsteig vor die Augen gehalten: Aussichten bis zum Abwinken, diesmal Richtung Osten über Tittmaringhausen hinweg. Bei letzterer lasse ich mich auf kräftigen Buchenstämmen nieder und mache mich an das 2. Frühstück. Bei einem Natursoziologen habe ich gelesen, das die deutschen Mittelgebirge eine der schönsten Landschaften der Welt sein sollen. Ich fand das ein wenig übertrieben, aber in solchen Momenten, in der Natur und weit weg vom Schreibtisch bin ich dieser Aussage doch sehr wohl gesonnen. Das Spektakuläre der Alpen fehlt zwar, dafür strahlt die leicht wogende Landschaft mit ihren Waldrändern und -wiesen, tief eingeschnittenen Tälern und frei sprudelnden Bachläufen eine heitere Atmosphäre aus, in der man sich wohl fühlt. Kurze Zeit später bekomme ich gleich einen weiteren Beweis für die These geliefert: Eine Waldwiese, wie sie schöner kaum sein kann. Eingerahmt von stattlichen Fichten, erholt sich das Grün vom harten Winter, der hier oben noch gar nicht so lange her ist, ohne einen Zweifel daran zu lassen, daß der Frühling schon gesiegt hat.

Hochheide

Zwei Kilometer später vereinigt sich der Weg mit dem Rothaarsteig. Ziemlich auf einer Höhe geht es durch teilweise abgelegene Gebiete. Neben den manchmal sehr zerfurchten Wirtschaftswegen, haben sich die Rothaarsteigwanderer selbst schöne Pfade durch den Fichtenwald "erarbeitet". Zu früher Stunde treffe ich einen von ihnen. Er ist jung, sehr gut ausgerüstet und verrät mir, daß er den Weg am Stück laufen will. Im Gespräch entdek-ken wir viele gemeinsame Vorlieben wie frühes Aufstehen, abgelegene Waldpfade und natürliche Quellen, wie der Hoppecke Quelle, neben der wir gerade unsere Rucksäcke abgesetzt haben. Aus einer unscheinbaren "Gruft" unter einem massiven Markierungsstein fließt ein Rinnsal hervor. Es ergießt sich über die Hochheidefläche "Neuer Hagen" und bildet in ihren Quellmulden ein kleines Hochmoorgebiet. Wie üblich bei naturbelassenen Quellen, gibt es mehr als eine Stelle, wo das Wasser zu Tage tritt. Wir sind beide angetan von dieser beschaulichen Szenerie, die von der weiten, leicht gewellten Heidefläche eingerahmt wird. Ein angenehmer Kontrast zu den mehreren Waldkilometern vorher. Leider können wir nicht weiter zusammen wandern, so daß ich alleine auf Wiesenpfaden am Naturschutzgebiet Neuer Hagen weiterwandere. Die durch menschliche Rodung entstandene Bergheide ist nicht, wie zum Beispiel in der Lüneburger Heide, mit Wachholderbäumen durchsetzt, sondern, wie schon an der Kahlen Pön, mit Kiefern. Über die Heideflächen hinweg sehe ich vom Aussichtspunkt Clemensberg den bewaldeten Langenberg, an dessen Hang ich heute noch vorbei komme. Vom Clemensberg aus führt der Uplandsteig dirket durch die Heideflächen, wo leider noch keine Blau- und Preiselbeeren gereift sind. Das Farbspektrum der Heide reicht jetzt im Frühjahr von einem vertrockneten lila der Erikapflanze bis zum strohgelb der Gräser. Auf einmal treffe ich auch auf mehrere Spaziergänger, die vom 300 Meter entfernten Parkplatz aus die Bergheide erkunden.

Endspurt

Schon bald bin ich aber wieder alleine im Wald und freue mich über die vielen erdbelassenen Pfade. So macht Wandern nunmal am meisten Spaß. Und wenn dann noch solche Aussichten, wie die "Schöne Aussicht" auf die Bruchhauser Steinen unvermittelt auftauchen, ist das Wanderglück perfekt. Ich habe gar nicht soviel Proviant, um alle sich anbietenden Rastmöglichkeiten zu nutzen. Mit dem Gedanken, daß ich auf jeden Fall auch noch die Bruchhauser Steine sehen will, komme ich zum Richtplatz, wo der Rothaarsteig Richtung Bruchhausen hin abzweigt. Mit dem weißen "U" des Uplandsteigs steige ich aber gemächlich Richtung Willingen ab. Bald komme ich zu einem Skihang und sehe nach drei Tagen wieder Willingen. Schön liegt es zu Füßen des Ettelsberges. Ich raste zum letztenmal auf meiner Wanderung, bevor es durch ein steiles Kerbtal auf halber Höhe nach Willingen geht. Begrüßt werde ich von der Sommerrodelbahn, die direkt am Wege liegt. Ohne viel nachzudenken gebe ich meinen Rucksack ab und lasse mich von den Liften, die im Winter die Skifahren den Hang hinauf verfrachten, nach oben ziehen. Wehmütig steigt in mir die Erinnerung an diese unvergeßliche Wanderung mit ihren vielen wunderschönen Bildern auf. Oben angekommen halte kurz inne, als ob ich alle Eindrücke auf meiner Festplatte namens Gehirn abspeichern wollte, lächle kurz und rase dann auf dem Schlitten ohne Verstand die halsbrecherischen Kurven hinab.

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