© Klaus-Peter Kappest

Uplandsteig: Anreise

Ausgabe 117 – Ausgabe 3/2004

Deutschland

Immer wenn ich mich einer unbekannten Region nähere, würde ich am liebsten gleich alles auf einmal sehen. Leicht hektisch reiße ich dann viele Dinge an, ohne mir die rechte Muße für Details zu nehmen.

Donnerstag: Anreise

Diesmal, für das Upland, nehme ich mir deshalb von Anfang an mehr Zeit und beginne mit einem Stadtbummel durch Willingen. Überraschend ist die Aneinanderreihung von Hotels, Gasthäusern und Restaurants an der Hauptstraße entlang, die an Winterorte aus den Alpen erinnern. Hier wird dem Hungrigen von der rustikalen Vesper bis zum Schlemmermahl im Gourmetrestaurant alles geboten. Eine Besonderheit unter den Gastbetrieben stellt das Don Camillo dar. Die ehemalige Kirche, deren Inneneinrichtung in vielen Elementen erhalten geblieben ist, fungiert heute als eine stilvolle Kneipe.

Es wundert mich nicht, daß Willingen bei gut 3.500 Einwohnern rund doppelt so viele Gästebetten hat, denn im Winter werden sie hauptsächlich durch Skifahrer gefüllt werden, die sich an den Hängen von Ettelsberg und Hoppernkopf vergnügen.

Jetzt, im durchbrechenden Frühjahr, drängen warme Luft und Sonnenschein wieder mehr Menschen hinaus in die Natur, um den neu erwachten Lebensgeistern Bewegung zu verschaffen. So halten auch mich die Sonnenstrahlen nicht mehr lange in dem Städtchen Willingen und gegen Mittag stehe ich am Startpunkt des Uplandsteiges vor dem Haus des Gastes.

Hier am Hang des Ettelsberges beginnen oberhalb des Zentrums von Willingen die Skilifte, die seit einiger Zeit trotz Schneekanonen ihren Betrieb einstellen mußten. Zum Hochheideturm auf dem Ettelsberg kann man dennoch gondeln. Der auf 838 m gelegene Turm, mit weitem Panorama über Upland, Sauerland und Rothaargebirge, ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Auf gut drei Kilometern Strecke führt ein Zubringer zum Naturschutzgebiet Neuer Hagen am Rothaarsteig.

Der Anfang

Da werde ich auch sein, aber erst in vier Tagen, denke ich mir beim Blick auf die Wanderkarte. Mein routinemäßiger Abgleich von Karte und Wirklichkeit wird massiv gestört. Denn aus dem nur wenige Meter entfernten Lagunen Erlebnisbad tönen stramme Befehle zu mir herüber: Wassergymnastik! Durchs Fenster erblicke ich eine Gruppe beim Wassertreten. Verlockend sieht die Badelandschaft schon aus. Ich behalte mir das Erlebnisbad aber für einen der folgenden Wandertage vor, um mir dann meine erschöpften Füße von Wasserstrahlen massieren zu lassen.

Jetzt heißt es erst einmal, sich das Abendbrot "zu verdienen": Der Uplandsteig führt auf seinem ersten Kilometer quer durch Willingen. Hinab ins Tal und zur Hauptstraße durch den niedlichen Kurpark und dann ein kurzes Stück wieder bergauf hinein in eine Wiesenlandschaft mit herrlichem Blick über Willingen und seine drei Hausberge Iberg, Orenberg und Ettelsberg. Gut zu sehen ist jetzt auch die Mattenschanze am Orenberg, wo der Nachwuchs trainiert.

König Wandergast

Auch ich halte mich ziemlich lange auf und genieße die Aussicht. Dann geht es durch grüne Wiesenhänge weiter. Bald darauf führt der Weg in den Wald, und Willingen verschwindet aus meinem Blickfeld. Ein Specht hämmert gegen einen der Buchenstämme. Ein kleines Eichhörnchen entdeckt mich und klettert geschwind in die Höhe einer Fichte. Schnell fühle ich mich wieder eins mit der Natur, atme tief die frische Waldluft ein, lasse meine Blicke neugierig über den Waldboden schweifen und lausche den Geräuschen des Waldes nach. Und kaum habe ich mich versehen, da stehe ich schon vor meinem heutigen Nachtquartier: Das Cafe Fernblick liegt direkt am Uplandsteig oberhalb von Schwalefeld. Da ich bisher erst drei Kilometer gewandert bin, gebe ich nur kurz meinen Rucksack bei den hilfsbereiten Gastgebern ab und gehe noch zum Treiskopf hoch. Am frühen Abend dann bespreche ich mit dem Inhaber des Cafes und Restaurants, Herrn Gallhofer, meine Planung für den nächsten Tag. Er bietet mir sofort an, mich morgen Nachmittag wieder vom Weg abzuholen, da man in der recht abgelegenen Landschaft möglicherweise lange auf den Bus warten muß. Solch einen persönlichen Bring- und Holdienst finde ich wirklich klasse und hoffe, daß er sich auch in anderen Wanderunterkünften verstärkt durchsetzt. Zufrieden und beschwingt lasse ich den Abend in Willingen bei Wild und Wein ausklingen.

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Karte Upland.pdf (1075 KB)

Der Uplandsteig.pdf (498 KB)



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