© Klaus-Peter Kappest

Wärmeschicht

Ausgabe 117 – Ausgabe 3/2004

Know How

Die zweite Schicht dient nicht allein der Optik, sondern der Isolation. Weil die Feuchtigkeit der Funktionswäsche an die zweite Schicht geleitet wird, soll sie nun auch verdunsten können.

Etwas Wärme braucht der Mensch

Motor dieser Dynamik ist nicht die wärmende Kraft der Sonne alleine, sondern im wesentlichen die Körpertemperatur. Der Spagat lautet daher: Große Oberfläche für blitzschnelle Verdunstung, Schutz vor Wind und Kälte und den Wärmehaushalt konstant auf einem angenehmen Wohlfühlniveau halten. Diese Funktionen bewältigt heute ein Fleece am be-sten. Fleeceflor wird industriell aus Polyesterfasern hergestellt. Das Gestrick besteht bei genauer Betrachtung aus unzähligen kleinen Schlingen, die dicht an dicht gestrickt und schlußendlich aufgeschnitten werden. So ergibt sich ein dichter, flauschiger Faserflor, der auch im nassen Zustand noch angenehm warm auf der Haut liegt.

Wind- oder wasserdicht?

Je dichter das Flor, um so winddichter ist das Fleece. Windstopperfleece werden zusätzlich (Gore Windstopper oder Polartec Windbloc) mit einer winddichten Innenschicht ausgestattet. Windpro von Polartec erreicht zwar keine absolute Winddichte, kommt aber dafür ohne zusätzliche Extras aus. Bislang galt dem Schutz vor Regennässe erst bei der Wetterschutzschicht die ganze Aufmerksamkeit. Unter dem Begriff "Softshell" (großer Softshell-Bericht im Wandermagazin 4/2004) hat sich das inzwischen radikal geändert. Weil die Mehrheit der Genußwanderer, auch bei unterschwellig sportlichen Ambitionen, gut 95% der Aktivitätszeit ohne extreme Bedingungen in eher gemäßigten Klimaregionen verbringt, verlangte der Markt nach gewichtssparenden, hochfunktionellen Lösungen für 95% des regelmäßigen Wandererlebens. Für die wenigen dramatischen Wechselfälle des Lebens sollte es entweder ein sturmfester Outdoorschirm oder ein wasserdichter Regenponcho auch tun. Softshells sollten einen zweistündigen Dauerregen oder einen Tag Nebelnässe problemlos "verdauen" können, winddicht sein, leicht, kuschelig, isolierend und extrem atmungsaktiv sein. Die Methoden der verschiedenen Hersteller, diesen Anforderungen gerecht zu werden, sind höchst unterschiedlich.

Merke

  • Enger ist funktioneller, achten Sie auf Paßgenauigkeit.
  • Verlängerter Rücken ist wichtig. Achten Sie auf ausreichende Ärmel- und Hosenbeinlänge.
  • Belüftungsschlitze sind praktisch.
  • Schnäppchenpreise deuten auf Billigfleece hin.
  • Mit Softshells werden Wind- und Wetterschutzjacken bzw. -hosen weitgehend verzichtbar.
  • Je dichter der Faserpelz, um so winddichter und höher die Isolierungseignung.
  • Fleece kann bei entsprechender Witterung problemlos als Außenschicht getragen werden.
  • Ein extrem atmungsaktives Fleece ist höher einzuschätzen als seine wasserdichten Eigenschaften, weil es schon nach kürzester Zeit vollständig trocknet, dennoch wärmt (auch bei Kälte) und extrem angenehm auf der Haut liegt. 
  • Für den extremen Regenschauer oder Gewitterguß tut es auch ein miniaturisierter Outdoorschirm, der Nässeschutz für den Rucksack oder ein wasserdichtes Poncho.


Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 117

Ausgabe 3/2004