© Klaus-Peter Kappest

Oberpfälzer Wald - Wanderbares Aquarell im Osten Bayerns

Ausgabe 118 – Ausgabe 4/2004

Deutschland

Wandertraum Oberpfälzer Wald – anrührend wie ein gutes Gemälde: Über Kulm und Stein, vorbei an Burg und Kloster, zu Teich und Dorf, über Feld und Flur. Gehöckerte Buckelwelt und grünes Dach, fließender Waldsaum und schlängelndes Wiesental, naturparkland o

Ein Aquarell voller Kraft

Es gibt sie noch, die Paradiese auf Erden! Woran man sie erkennt? Da wo die himmlischen Heerscharen, namentlich Schutzengel und gute Feen, geweihte Orte, Plätzchen irdischer Ruhe und stiller Einkehr aufsuchen. Da wo Marterl, Bildstöcke, Flur- und Prozessionskreuze, Feldkapellen, Sühnekreuze, Kloster- und Wallfahrtskirchen Dorf und Stadt, Feld und Flur, Berg und Tal wie ein Fischernetz überziehen – so wie im Oberpfälzer Wald. Der doppelte Nepomuk bei Schönsee, das Hahnenkreuz zwischen Pfreimd und Nabburg, der Teufelsstein im Sulzteich bei Beidl im Stiftland, der wunderbare, gemauerte Bildstock an der Murach bei Teunz – gibt es schönere Beweise für die Existenz des "Paradieses" auf Erden?

Bergkapellen & Klosterkirchen

Wie aus einer anderen Welt scheint die dreitürmige Wallfahrtskirche der Kappel über Waldsassen im Stiftland. Die Kleine Kappl bei Neualbenreuth mit Blick auf den 939 m hohen Tillenberg an der Grenze zur Tschechien, krönt erhaben und doch von schlichter Gestalt das hügelige Grenzland im Norden des Oberpfälzer Waldes. Kloster Speinshart im Oberpfälzer Hügelland im Nordwesten, Kloster St. Felix über dem Waldnaabtal zwischen Neustadt a.d. Waldnaab und Weiden, die kleine Wallfahrtskapelle auf dem steilen Basaltkegel des Parksteins oder die scheinbar weltentrückte Wallfahrtskirche auf dem 801 m hohen Fahrenberg zwischen Pleystein und Waldthurn – Orte der Schönheit und Einkehr. Auf einem 38 Meter hohen Rosenquarzfelsen über dem Zottbachtal erhebt sich inmitten der Altstadt die stolze Pleysteiner Kreuzbergkirche. Das Schwarzenfelder Kloster auf dem Miesberg, die Wallfahrtskirche in Stadlern, die ausdrucksstarken Totenbretter der bildhübschen Setterl-Kapelle vor Weiding im Schönseer Land – der Oberpfälzer Wald ist das Land der Kapellen, der versteckten Wallfahrtskirchlein.

Turmburgen & Burgstädte

Ein Felsennest in luftiger Höhe. Bizarr, tollkühn thront die Flossenbürger Burgruine auf dem kegelförmigen 715 m hohen Burgberg. Der gewaltige Steintorso vermittelt eine Ahnung von den alten Tagen im bewegten Nordgau. Leuchtenberg, der Residenz- und Landgrafenburgort des mäch-tigen Geschlechtes der Leuchtenberger, krönt einen ansehnlichen Berg. Markt, Gassen, Kirche, Burg – eine verzückende Symbiose, die den Betrachter unvermittelt in die Vergangenheit entführt. Wuchtig und doch elegant ruhen die Burgen Fal-kenberg und Neuhaus über dem Waldnaab-tal, Burg Wernberg, der mächtige Bergfried der Burg Thanstein, der Ausguck von Ruine Weißenstein im Steinwald, die klotzige Turmburg der Ruine Murach, Nabburg – wehrhafte Bergstadt über der Naab, Burg Trausnitz über der Pfreimd, die mächtige Burganlage Lengenfeld oder die Burgen Stefling und Stockenfels, verschworene Treffpunkte der Geister der Nacht und der Oberpfälzer Hexen: Unübersehbar, welch große Bedeutung der einstige Nordgau an der Grenze des Frankenreiches zum Reich der Awaren oder später der Bayern und Kurpfälzer zu Böhmen gehabt hat. Versteckt in schwindelnder Höhe liegende Burgruinen wie Schellenberg, Reichenstein oder die sagenumwo-bene Ruine Frauenstein im Schönseer Land – hier ist sie, die ideale Kombination von prachtvollem Naturland mit einer unerhört abwechslungsreichen geschichtlichen Vergangenheit.

Ein gut geknüpftes Wegenetz

Für das dichte Wegegeflecht sorgen fünf von Nord nach Süd verlaufende Weitwanderwege des Oberpfälzer Waldvereins und fünf Ost-Westwege. Spitzenreiter, was die Naturreize, die Entlegenheit, die Wegeführung als Kammweg über das Grüne Dach Europas angeht, ist der 132 km lange Nurtschweg. Er ist der östlichste Wegeast und führt von Waldsassen immer in Grenznähe nach Waldmünchen. Der Europäische Fernwanderweg E 6 verläuft nahezu dek-kungsgleich auf der gleichen Trasse parallel zur tschechischen Grenze. Der 220 km lange Oberpfalzweg von der Waldsassener Kappel nach Regensburg an der Donau und der 180 km lange Burgenweg von Wal-dershof am Steinwald nach Waldmünchen bedienen die Mitte des Oberpfälzer Waldes. Hingegen berühren der Grün-Weiß-Weg und der Main-Mies-Weg eher die westlichen Partien. Das 81 km lange, 1995 eröff-nete Teilstück des Jakobsweges von Prag durch den Oberpfälzer Wald nach Nürnberg und weiter nach Rothenburg o.T. zwischen Tillyschanz bei Eslarn und Ensdorf gehört zu den meistbegangenen Weitwanderwe-gen der letzten Jahre. 2003 wurde der neue Wanderweg Goldene Straße zwischen Sulzbach-Rosenberg und Bärnau an der tschechischen Grenze eröffnet. In westlicher Richtung führt die neue Traumroute nach Nürnberg. Weitere West-Ostwege sind der 77 km lange Karl-Krampol-Weg von Stadlern nach Amberg, der 69 km lange Wallenstein-Tilly-Weg von Eslarn über Leuchtenberg nach Vilseck und der 28 km lange Keplerpfad von Weiden zur Silberhütte. Eine Fülle von örtlichen Rundwander- sowie interessanten Themenwegen verdichtet das Wegenetz.

Vielfältige Wanderlandschaften

Im Nordwesten ragt der südliche Teil des Fichtelgebirges herein, der Steinwald mit der 946 m hohen Platte aus uraltem Granit, nach Süden und Südosten hin die Kemnather und Tirschenreuther Teichpfannen. Gen Osten hebt sich das Waldsassener Schiefergebirge zur Grenze hin an. Eine offene Berglandschaft mit starkem Relief und Blick auf den 939 m hohen Tillenberg jenseits der tschechischen Grenze. Wildromantisch das obere Wald-naabtal mit seinen sehenswerten Felsenschluchten. Östlich steigt das Naturparkland des Oberpfälzer Waldes über mehrere Bergrippen allmählich zum Grenzkamm hin an. Waldberge, Wiesentäler drängen sich in dichter Folge ostwärts. Das Schönseer Land an der Grenze zu Böhmen mit dem Bollwerk, dem Herzen des Grenzge-birges. Der Böhmerwald-Turm, aussichtsreiche Panoramakanzel in luftiger Höhe mit traumhaften Blicken, z.B. in den böhmischen Kessel. Weiter südlich das Oberviechtacher Land, eine sanft konturierte Gegend. Im Westen hügelreiches Bauernland links und rechts von Pfreimd, Schwarzach und Naab. Im Südosten das wald- und seenreiche Oberpfälzer Seenland. Mit dem Regen erreicht man gleich-sam die Grenze zum Bayerischen Wald. Westlich schließt das Land zwischen Naab und Vils, mit der Attraktion ihres Zusammenflusses in Kallmünz. Der Oberpfälzer Wald ist eine bäuerliche Landschaft. Hier schlägt der Puls auch abseits der Städte. Fasziniert bestaunt man Kleinode, Klöster, Kirchen und Burgen, die hier wie selbstverständlich zum Leben gehören. Ein Land wie ein Pastellgemälde. Dieses Special (ver)führt Sie zu den schönsten Erlebnissen.

Downloads

Karte Oberpfälzer Wald.pdf (3238 KB)



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 118

Ausgabe 4/2004