© Klaus-Peter Kappest

Sasbachwalden: Blühende Vielfalt und edle Weine

Ausgabe 118 – Ausgabe 4/2004

Deutschland

Die orange leuchtende Herbstsonne neigt sich langsam gen Horizont und hüllt den geschwungenen Weinberg in ein farbenprächtiges Kleid. Die Temperaturen sind für diesen Spätherbst verhältnismäßig mild, und der leicht auffrischende Wind läßt die Blätter der

Sagenumwobene Traubenpracht

Infolge des dreißigjährigen Krieges war die Landschaft rund um das heutige Sasbachwalden derart entvölkert, daß man stundenlang über saftige Wiesen und durch satte Kastanienwälder streifen konnte, ohne einem Menschen zu begegnen. Einst auf der Suche nach weiteren Überlebenden kam ein junger Mann an diesen Ort und traf – welch Zufall – eine junge Frau. Ihr Anblick gefiel ihm so, daß er entzückt und dankbar ausrief: "Der Alde Gott lebt noch!" Später haben die beiden geheiratet, zogen hinab ins Tal und pflanzten dort ertragreiche – und die unter Weinkennern sicher bekannten – Reben an. Am Fuße der Schwarzwaldhöhen gedeihen in dem anbaufreundlich warmen Klima edle Qualitätsweine, aber auch Tafel- und Brennobst für die Schnapsherstellung. Auf dem Platz, am Waldesrand über Sasbachwalden gelegen, wo sich das Paar zum ersten Mal traf, wurde dann ein Bildstock mit eben der Aufschrift "Der Alde Gott lebt noch!" errichtet.

Blütenschmuck und Fachwerkkunst

Eingebettet zwischen den farbenprächtigen Weinbergen schlängelt sich das Blumen- und Weindorf Sasbachwalden – seine Einwohner nennen es "Saschwalle" – das Tal hinauf. Urkundlich erstmals in den Jahren 1346 / 47 erwähnt, ist die Gemeinde nicht nur für ihren Wein, sondern auch für ihre alljährliche Blumenpracht weithin bekannt. Die unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser des alten Dorfkerns werden alljährlich von April bis Ende Oktober von einem farbenfrohen Blüten- und Blumenmeer überzogen. Kunstvoll geschmückte Giebel und Balkone. Liebevoll gestaltete Gärten. Blaue und weiße Petunien, rote und rosa Geranien und leuchtendgelbe Pantoffelblumen – ein wahrer Augenschmaus, denn nicht umsonst wurde Sasbachwalden zweimal zur schönsten Gemeinde Deutschlands gekürt.

Wandern am Westhang der Hornisgrinde

Der schmale Pfad führt durch das enge und schattige Gaishölltal. Umgestürzte Bäume, grobes Reisig. An manchen Stellen schimmert die herbstliche Sonne durch das dichte Kronendach. Ein betörend wechselndes Mosaik aus Schatten und Licht. Zwölf kleine Holzbrücken ebnen den Weg über die tosenden Wasserfälle. Ein monotones Rauschen erfüllt die wilde und teils steile Schlucht. Riesige Felsen und Findlinge aus Granit markieren ihren Verlauf. Überzogen mit dunkelgrünen und feuchten Moosen verwittert dieses sehr harte Gestein im Laufe vieler Jahrtausende zu den sogenannten Wollsäcken.

Vom Talschluß an schmiegt sich der eingeschlagene Wanderweg sanft an den Hang. Wald und Reben wechseln sich nun ab. Nach nur wenigen Fußminuten kommt man an einen für diese Region typischen Schnaps- und Mostbrunnen. Gegen einen kleinen Obulus kann man sich mit kühl gelagerten Getränken stärken: Hochprozentiges für die älteren Wanderer und Alkoholfreies für die jungen Naturfreunde.

Oberhalb von Sasbachwalden thront auf einer Waldlichtung die Burgruine Brigittenschloß. Die ehemalige Burganlage dürfte um das Jahr 1150 erbaut worden sein und bestand in ihrem ursprünglichen Grundriß nur aus einem Turm mit Wohnung und einer Umfassungsmauer. Vom gut erhaltenen Turm aus bietet sich insbesondere bei günstiger Witterung ein herrlicher Ausblick über die gesamte Rheinebene bis hin nach Straßburg.

Nach diesen Tageseindrücken werde ich mich im Ort kulinarisch verwöhnen lassen. Auf dem Speiseplan steht: Badischer Gaumenschmaus und lieblicher Wein.

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