© Klaus-Peter Kappest

Lennestadt: Rund & Bunt

Ausgabe 119 – Ausgabe 5/2004

Deutschland

Der Lennestädter Rundwanderweg ist ein vier- bis fünftägiges Wandervergnügen durch das Südsauerland. Ein Alpenhaus, Dorfidyllen, Wald, Rothaarsteig und viele Fernsichten.

Rund & Bunt

Wie es war, will der alte Bauer mit seiner blauen Joppe wissen. Oberhalb von Milchenbach haben wir uns an einem Wegekreuz getroffen. Er auf einem ächzenden Traktor Marke uralt und ich, unterwegs auf dem 92 km langen Lennestädter Rundwanderweg, per pedes und frohgemut. Da unten liege das zweimalge Bundesgolddorf Milchenbach, erzählt der Mann mit den weißen Bartstoppeln im sauerländischen Platt. Ich erzähle von dem Hölzernen und dem Steinernen Kreuz unterwegs. Und, daß ich reichlich verblüfft gewesen sei, im sauerländischen Süden auf eine leibhaftige Alpenvereinshütte mit Edelweißemblem über der Eingangstür zu treffen. Ob ich denn wisse, wie und warum das Steinerne Kreuz auf den Bergpaß gekommen sei. Natürlich habe ich keinen blassen Schimmer.

Fern sehen und Höhe halten

Ich erzähle von den traumhaften Fernsichten unterwegs. Herrliche Bergwelten. Tief gestaffelte Bergrücken bis zum fernen Horizont. Unter mir dunkle Talgründe, von menschlichen Siedlungen nicht die Spur. Der Mann strahlt aus hellblauen Augen. Er wünscht mir weiterhin viel Vergnügen und immer schön "Höhe halten!" Ganz im Gegenteil: Steil windet sich der Weg nach Milchenbach hinunter. Entlegene Dorfidylle am Ende einer Stichstraße. Eingebettet in ein Tälergewirr, zwischen Wiesen und Wald. Mittendrin eine kleine, gedrungene Kapelle.

Die kleine Ferienwohnung mit üppigem Blumenbalkon bekomme ich auch für eine Übernachtung. Gelegenheit, die geschäftigen Schwalben und ihre atemberaubende Flugschau zu bewundern. Anderntags überschreite ich die Lenne und tauche sogleich in das stille Stilpetal ein. Am 660 m hohen Hülsberg ist der heutige Scheitelpunkt erreicht. Waldeinsamkeit. Wo sind all die Menschen? Eine Rotte Wildschweine, sieben winzige Frischlinge im Schlepptau, bahnt sich den Weg durch das Unterholz. Hohltauben flattern aufgeregt vor mir davon, und am Waldrand oberhalb von Bracht habe ich Gelegenheit, den Beuteflug eines ausgewachsenen Habichts zu verfolgen. Der langbeinige Meister Lampe hetzt über die Bergwiese. Ihm droht keine Gefahr vom Meister der Lüfte. Eintauchen in das Elsmecketal und im großen Bogen hinunter ins beschauliche Oedingen.

Entlegen und ganz nah

Ein neuer Morgen. Hinter Schwartmecke, einem kleinen Weiler mit Gasthaus auf der Höhe, beginnt ein herrlicher Panorama- und Höhenweg. Obervalbert unter mir, ein Dorf mit vier oder fünf Gehöften. Die Schutzhütte Primekes Kopf nutze ich zur ausgiebigen Rast. An der kleinen St. Luciakapelle am Rastplatz Raizebeil treffe ich einen Forstarbeiter, der mit zwei Motorsägen auf dem Anhänger zum Einsatz fährt. Ob ich nach Elspe unterwegs sei, will er neugierig wissen. Nein, in Bonzel, einem dieser schnuckeligen Lennestädter Dörfer stehe das Bett für die heutige Nacht. Auf der Wanderkarte zeige ich ihm die weitere Route. Schmellenberg, Hohe Bracht und Schlußpunkt Altenhundem. Der Hühne schlägt mir mit seinen mächtigen Pranken anerkennend auf meine zarten Schultern. Einen Moment lang habe ich das Gefühl, ungespitzt im weichen Waldboden gerammt zu werden. Sauerländische Herzlichkeit. Der eine verleiht seiner Freude mit anerkennendem Klaps Ausdruck, der nächste strahlt über alle Backen. "Lebwohl und fröhliches Sägen", rufe ich ihm zu und meine Freude auf ein kühles Bier gewinnt rasch Oberhand. Lennestädter Sauerland – gut fürs Gemüt, gut für sehr persönliche Begegnungen.



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