© Klaus-Peter Kappest

Pummpälzweg: Tummeln mit Pummeln

Ausgabe 119 – Ausgabe 5/2004

Deutschland

Der Pummpälzweg von der Wartburg bis nach Bad Salzungen.

Wie oft bin ich schon an der Wartburg auf dem Weg zu Reportagen in Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt vorbeigefahren! Trutzig steht sie da zwischen den nördlichen Ausläufern des Thüringer Waldes. Jetzt schaue ich gebannt auf die Zugbrücke des äußeren Tores dieser Burganlage, die für Deutschlands Geschichte so bedeutend ist: Die wichtigsten Minnesänger des Mittelalters sollen hier den legendären Sängerstreit ausgetragen haben, die heilige Elisabeth wirkte von hier aus für die Elenden und Entrechteten, und Martin Luther schrieb in einer kleinen Stube das Neue Testament ins Deutsche.

Umgeben von all diesen Geschichten, die zwischen den Fachwerk- und Sandsteinbauten noch immer lebendig scheinen, beschert der Südturm eine phantastische Aussicht über die unzerschnittenen Wälder des Thüringer Waldes. Durch ihn verläuft der Pummpälzweg auf 28 Kilometern Richtung Bad Salzungen, der direkt unter der Zugbrücke der Wartburg startet. Beschwingt laufe ich drauflos. Doch schon bald habe ich das Gefühl, verfolgt zu werden. Geht der Spuk mit dem Pummpälzkobold denn jetzt schon hier los, wo er doch erst in Gumpelststadt sein Unwesen treiben soll?

Moderne Wandergesellen

Gespannt lauere ich "ihm" hinter der nächsten Kurve auf. Doch zum Vorschein kommt kein Kobold, sondern ein zünftiger Wandergeselle. "Wanderst du ein Stück mit mir?" fragt er. "Natürlich!" stimme ich zu, und zusammen ziehen wir weiter, immer etwas bergauf und bergab sowie an der Sängerwiese vorbei, bis wir auf den Rennsteig treffen. Freudig bemerkt mein Begleiter: "Hier bin ich richtig, den Rennsteig will ich laufen! Von anderen Wandergesellen, die ich bisher getroffen habe, ist mir der Rennsteig am häufigsten zum Wandern empfohlen worden. Also, auf geht’s!" Auf dem weiteren Weg über die Hohe Sonne – von hier starten viele zur Erkundung der berühmten Drachenschlucht – und immer weiter auf dem legendären Rennsteig quetsche ich ihn über die Bedeutung von Zylinder, Wanderstock und Cordhose aus, die er mit Stolz trägt. Bald schon unterhalten wir uns aber auch über die Pflanzen am Wegesrand. Vor allem fällt hier immer wieder der Fingerhut auf, der mit seinen violetten Trompetchen Farbakzente setzt. Wir sind auch begeistert von den mit Pilzen überwucherten Totholzbäumen, die ab und an auftauchen. Ebenso anregend die Infotafeln und geschnitzten Holzfiguren am Wegesrand, die ein lebendiges Bild der lokalen Sagengeschichten abgeben.

Hier schlägt der Pummpälz zu

So kurzweilig ist unser Weg, daß wir im Handumdrehen am Hubertushaus sind. Hier trennen sich unsere Wege, da auf Martin eine kostenlose Übernachtung samt einer warmen Mahlzeit warten. Da es noch früh am Nachmittag ist, gehe ich schweren Herzens alleine weiter. Kurze Zeit später komme ich an der Neuen Wiese vorbei, wo der Rennsteig nach links abzweigt. Rechts führt mich der Pummpälz an der Ottowiese vorbei, die mit einigen Eichen bestanden ist, und immer weiter geht es durch Laubwald mit vereinzelten Blicken in das westliche Vorland des Thüringer Waldes. Nach einer letzten Stärkung im Forsthaus Kissel steige ich durch die Wiesen des Gauchsthales Richtung Gumpelstadt ab. Kurz vor dem Städtchen bezaubern die mit rosa, weißen und gelben Seerosen übersäten Kuhteiche. In Gumpelstadt selbst komme ich dann schnell zum Pummpälzsteg: Hier soll der kleine Kobold Nachtwandlern ohne erfindlichen Grund Ohrfeigen geben. Da es schon dunkelt, wird mir doch tatsächlich ein wenig mulmig, und ich beschließe, mit dem Bus zum Parkplatz an der Wartburg zurück zu fahren. Die letzten sechs Kilometer des Pummpälzweges habe ich am folgenden Tag nachgeholt: Unzähliger Klatschmohn begleitet einen durch die Felder um Witzelroda bis zur Burgruine Frankenstein. Kurz: Der Pummpälzweg hat es in sich – auch ohne Ohrfeige!



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