© Klaus-Peter Kappest

Tabarz: Naturnah

Ausgabe 119 – Ausgabe 5/2004

Deutschland

Tabarz bewacht einen wahren Schatz, den Lauchagrund: das Märchenland auf dem Weg zum Großen Inselsberg.

Naturnah

Wie ein Wachhund vor seiner Hütte liegt das etwa 4.300 Seelen zählende Örtchen Tabarz seinen beiden Hausbergen, dem Daten- und Zimmerberg zu Füßen. Ein kurzer Schweif aus Häusern zieht sich durch das behütende Spalier beider Berge und führt hinein in eine andere, in eine Märchenwelt: den Lauchagrund. Das Tabarzer Paradestück. Steil ragen links und rechts die rötlichen Wände der Porphyrfelsen zwischen Baumstämmen gen Himmel, am Aschenbergstein sogar bis zu 60 Meter hoch. Bärenbruchsgraben und Oberer Lauchagrund zweigen nach links, das Felsental führt rechts an der plätschernden Strenge entlang hinauf. Über ihr dampft es. Würziger Waldbodenduft in jungfräulicher Luft, wie sie so nur nach einem kräftigen Sommerregen riecht. Ab und an wirft die Sonne Strahlenbündel durch die dichten Baumkronen. Dort glitzert das Wasser, blitzt Licht in den Pfützen der Blätter auf und schimmern die Farne in sattem Grün. Bis zu 1,20 Meter mächtige, hochgewachsene Fichtenstämme. Dahinter eine schroffe Felswand. Artistisch klammern sich einige Bäume an der nahezu senkrechten Felswand. Einige ihrer Wurzeln räkeln sich wie ein Schlangenknäuel durch die Luft. Oben auf dem Plateau bewahrt das Naturschutzgebiet "Kleiner Wagenberg" einen 100-120jährigen Mischwald aus Fichten, Buchen und einige wenige einheimische, daher besonders schützenswerte Tannen.

Legendär

Der Strenge entgegen führt der Weg beständig bergauf. Strenge Wiese, Dürre Wiese, Wilder Graben, Grenzwiese. Dann der Kamm des Thüringer Waldes mit seinem Rennsteig! Der thüringische ist wohl der bekannteste unter seinen Namensvettern aus Bayern, Sachsen und Hessen. Etwa 1.300 historische Steine markieren die jahrhundertealte Grenzlinie verschiedener Fürstentümer auf dem Höhenzug. Zusätzlich weist das wieße R aus Bäumen oder Holztafeln den richtigen Weg auf den knapp 170 Kilometern von Hörschel an der Werra bis nach Blankenstein an Selbitz und Saale. Auf den Grenzsteinen am Weg von der Grenzwiese, dem sog. "Kleinen Inselsberg", hinauf zum Großen Inselsberg prangt auf der Südwest-Seite ein "KH" für Kurhessen, auf der gegenüberliegenden das "SG" für die Herren von Sachsen-Coburg-Gotha. Über eine natürliche Treppe aus Wurzeln und Gestein macht der Steig seinem Namen alle Ehre und führt steil bergauf zu den Reitsteinen. Ein Plätzchen zum Verweilen. Auf dem Steinthron weht ein kräftiger Wind die Gedanken herbei und fegt sie gleich wieder weg, über Brotterodes kleine Dächer tief unten hinaus in die Ferne. Gut 100 weitere Höhenmeter schwitzend bergauf: Hier hält der Große Inselsberg mit 916,5 Metern den Höhenrekord des nordwestlichen Thüringer Waldes.

Aussichtsreich

Richtung Nordosten entfernen sich die waldüberzogenen Buckel mit wachsendem Abstand zum Inselsberg immer weiter voneinander. Der Blick reicht von den tief einschneidenden Quertälern hinab ins Hügelvorland bis hin zum Rand des Thüringer Beckens am dunstigen Horizont. Im Südwesten verbreitert sich der Thüringer Wald und rollt als schier unendliches Wäldermeer aus. An klaren Tagen reicht die Sicht bis nach Oberhof, zu den ganz Hohen des Thüringer Waldes. Großer Beerberg mit 982 Metern und Schneekopf mit 978 Metern toppen den Inselsberg gar noch. Der Inselsbergporphyr widerstand den abtragenden Kräften von Wind, Wasser und Eis besser als seine Umgebung und verhalf dem Gipfel zu seiner herausragenden Position. Vogelsberg und Hoher Meißner im Nordwesten sowie der Harzer Brocken etwa 100 Kilometer weiter nördlich vervollständigen das Rundum-Panorama der Extraklasse. Für den Rückweg nach Tabarz bietet sich ein Schlenker auf dem Grauen Weg am nördlichen Rand des Naturschutzgebiets Großer Inselsberg an.



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