© Klaus-Peter Kappest

Die Residenzen im Westen

Ausgabe 120 – Ausgabe 6/2004

Deutschland

Die Nidda entspringt ganz in der Nähe des Geiselsteins oben an der Breungeshainer Heide am Kamm des Hohen Vogelsberges. Hier im 1000jährigen Nidda ist sie schon so breit, daß sie Mühlen und Industrieräder antreiben konnte. Nidda, die Stadt mit Schloß, his

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Johanniter, Salzsieder, Schäfer, Grafen und Segelflieger

Es kommt eben auf die Blickrichtung an. Die große Rundradreise "Westlicher Vogelsberg" nimmt hier ihren Ausgang. Sie führt flußaufwärts nach Schotten, der alten Tuchmacherstadt mit der nahezu vollständig erhaltenen historischen Altstadt. Zu den eindrucksvollsten Fachwerkhäusern gehört zweifelsohne das alte Rathaus von 1512. Nicht weniger eindrucksvoll ist freilich die Ev. Liebfrauenkirche. Sie beherbergt einen wertvollen Flügelaltar, und die Türme des Kirchengebäudes beflügeln die Phantasie. Lust auf einen Pedalritt ins westlich des Hohen Vogelsberges vorgelagerte Land? 120 Kilometer pures Natur- und Kulturerlebnis.

Doppelte Skyline

Okay, der knackige Anstieg von Schotten hinauf nach Betzenrod hat es in sich. Doch, wer sein Fahrrad liebt, der schiebt es zuweilen auch mal ein Stück, und außerdem ist jede Mühe vergessen, wenn sich von der Betzenroder Höhe im Westen die Skyline der Bankentürme von Frankfurt abzeichnet. Nördlich davon grüßt der Turm des Großen Feldbergs im Taunus. Im Osten die natürliche Skyline des Hohen Vogelsberges. Welch ein Ausblick! Der R 4 bringt uns erst zu den Segelfliegern, dann hinunter zum idyllisch gelegenen Petershainer Hof. Die geniale, kilometerlange Abfahrt durch das traumhafte Seenbachtal nach Freienseen ist der gerechte Ausgleich für die Anstiege am Morgen. Entweder in die Solmser Residenzstadt Laubach oder nach Grünberg, der Stadt mit 500 Jahren hessischer Fachwerkbaugeschichte? Sehenswert sind beide Städte.

Die Laubacher mit ihrer historischen Altstadt und der beeindruckenden Schloßanlage derer zu Solms-Laubach. Die Grünberger halten mit dem Antoniter-kloster – erst Kloster des reichen Antoniterordens, später Witwensitz der hessischen Landgrafen – und dem Diebsturm von 1300 gleichwertig dagegen. Egal, wie man sich entscheidet, Lich, Residenzstadt derer zu Solms-Lich, ist nächster Etappenort. Die alternativen Routen vereinen sich im schönen Wettertal und führen durch eine herrliche Auenlandschaft in die historische Altstadt Lichs mit vollständig erhaltenem Fachwerkensemble. Sehenswert sind in der bekannten Bierbrauerstadt die Grabdenkmäler der Licher Herrscherfamilie in der Marienstiftkirche. Kaum zu glauben, daß der Glokkenturm des Gotteshauses einst als Stadtturm Wehr- und Wachaufgaben diente.

Vor den Toren Lichs wartet mit dem Kloster Arnsburg ein weiterer kulturhistorischer Glanzpunkt der Route. Die ehemalige Zisterzienserabtei hat eine einzigartige Ausstrahlung, die man auf sich wirken lassen sollte. Durch eine Felder- und Wiesenland-schaft erreichen wir Hungen, ein Zentrum der hessischen Schäferei. Jährlich treffen sich die Schafhirten Hessens mit ihren Haupt- und Nebenhunden zum Wetthüten in der historischen Schloßstadt.

Die von Fachwerk durchwirkte eindrucksvolle Schloßanlage stammt aus dem 14. Jh. Ein Stück radeln wir sogar auf dem Limesradweg. Ein Abstecher nach Echzell empfiehlt sich, wo ein fünf Hektar großes römisches Kastell stand und noch heute eine Jupitersäule prunkt. Dann bringt uns eine regionale Schleife der Apfelwein- und Obstwiesenroute durch herrliche Streuobstwiesen nach Bad Salzhausen und schlußendlich zurück nach Nidda.

Nähe und Ferne: Die Frankfurter Skyline und die grün-blaue Skyline des Hohen Vogelsberges. Dazwischen wartet eine fröhliche Kulturlandschaft auf neugierige Erkunder.



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