© Klaus-Peter Kappest

Rennsteigpark: Sinnen statt Rennen

Ausgabe 120 – Ausgabe 6/2004

Deutschland

Rennsteigpark entwickelt www.nordic-wandern.de

"Wie bitte?"

Markus Balkow genießt sichtlich meine Überraschung. "Noch einmal zum Mitschreiben: Nordic Wandern, das ist Wandern mit Stöcken, wenn Sie so wollen!" Aha, durchschießt es mich. Wir stehen am Gasthof Auerhahn, hoch über Stützerbach im Thüringer Wald und in unmittelbarer Nachschaft zu Goethes ruhmvollem Kickelhahn-Tatort. Nach Ruhe über allen Wipfeln ist mir freilich nicht. Was unterscheidet Nordic Wandern von Wandern? Worin liegt der kleine, aber feine Unterschied zwischen Nordic Wandern und Nordic Walking?

Schauen wollen, Reden können

Markus Balkow, ein echtes Stützerbacher Gewächs und nach der Wende Techniker, EDV-Berater, Erfinder und Tüftler zugleich, ist nun nicht gerade der gertenschlanke, asketische Fitnesspapst, den ich nach unseren Telefonaten erwartet hätte. "Meine Vorlieben soll man mir ruhig auch ansehen!" Sagt er, führt linke und rechte Hand durch die Schlaufen seiner Lekistöcke und ermahnt mich mit heftigen Kopfbewegungen zum Aufbruch. Bergab bis zu einem idyllisch gelegenen Teich, auf und ab zu einem zweiten Teich und mit finalem Schluß-anstieg zurück zum Ausgangspunkt. Na denn! Auf dem breiten Forstweg können wir beide bequem nebeneinander laufen. Anfangs versuche ich, den Gehrhythmus nachzuempfinden. Linke Hand vor, rechter Fuß vor. Rechte Hand löst sich vom nach hinten ausschwingenden Stock und das linke Bein hebt ab. "Und, was soll nun der Unterschied sein?" Markus Balkow lacht mitleidig: "Wir können reden, wir können schauen!" Aha. Der Bewegungsablauf vom Nordic Walking und die Geschwindigkeit des Wanderns? Seit Markus Balkow die Idee mit der Internetseite www.nordic-walking.de hatte, seit er sich vom Verband der Deutschen Nordic Walking Schulen als C-Trainer ausbilden ließ, seither hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen: "Wie kriegen wir die prächtige Natur des Thüringer Waldes, die perfekte Infrastruktur entlang des Rennsteigs und die Idee eines Allwetterparks unter einen Hut?"

Aller Anfang ist schwer

Während andernorts reihenweise Nordic Walking-Arenen aus dem Boden gestampft werden, sorgt sich der Thüringer um eine rennsteigübergreifende Konzeption. Mit den Stöcken zu wandern, sei heute landauf und landab die Normalität. Man solle daher das leicht forcierte Nordic Wandern einerseits fördern, und zwar durchaus auf vorhandenen Wanderwegen. Andererseits müsste man entlang des Rennsteigs ein Netz von Parcours offerieren, die man nach Feierabend oder an einem Fitnessmorgen, im Gefolge einer Gruppe, während eines Lauftreffs etc. im zügigen Nordic Walkingtempo absolviert. Stehen bleiben, mal die Stöcke in die Hand nehmen, schwatzen, bergab die Stöcke als Bremse nutzen – das alles unterscheidet das reine Nordic Walking vom Nordic Wandern. Man verkürzt die Schrittfrequenz und damit Tempo und Dynamik und genießt stattdessen die Natur. Daß die gesamte Ablaufharmonie des Nordic Walking dabei stimmt und genügend Luft und Muße für den Schwatz mit Gleichgesinnten bleibt, ist für Markus Balkow ganz wichtig: "So lassen sich auch lange Wanderungen absolvieren. Mal eine Powereinlage, mal gemächlicher Tippeltrab und dann wieder minimalistisches Schlendern. Die Mischung macht’s!" Aller Anfang ist schwer. Immerhin schaffe ich es nach wenigen Minuten, die "Rückhand" vom Haltegriff zu lösen, um den Stock mit der gepolsterten Halteschlaufe wieder nach vorne zu schwingen. "Und Sie sind sicher, daß es sich beim Nordic Wandern nicht um eine wichtigtuerische Namensschöpfung handelt?" Etwas Empörung schwingt mit, als der Enddreißiger abrupt stehen bleibt und mit beschwörender Geste antwortet: "Muße statt Buße, da ist doch nun wahrhaft nichts Wichtigtuerisches dran – oder?"

Link-Tipp

www.nordic-wandern.de

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