© Klaus-Peter Kappest

Mull Has It All

Ausgabe 121 – Februar/März 2005

Großbritannien

„Hier möchte ich für immer bleiben!“, seufzt Anja mit einem Funkeln in ihren Augen, das Bände spricht. Auch ich bin begeistert von der Aussicht: Das satte Grün des gepflegten englischen Rasens, auf dem wir stehen, stößt auf ein tiefes Blau des Sound of Mu

Allround-Insel der Inneren Hebriden

Flankiert wird der Blick rechts von den braunen Hügeln der Halbinsel Ardnamurchan und links von der fast schwarzen Silhouette der Insel Coll. Glengorm Castle im Norden der Insel Mull, westlich von Tobermory ist wirklich ein perfekter Ort. Zumindest empfinden wir es in der untergehenden Abendsonne so. Doch leider können wir nicht bleiben, denn alle Betten des B & B im Schloß sind bis Ende September ausgebucht. Dafür werden wir direkt in dem einladenden Hafen von Tobermory fündig.

Strände, Schlösser und Basalthöhlen

Glengorm Castle ist dabei nur ein Erlebnishöhepunkt unter vielen auf Mull. Nachdem wir knapp eine Woche zuvor von Oban nach Craignure übergesetzt waren, fuhren wir direkt an den äußersten Zipfel im Südwe-sten von Mull. Für ein Pfund die Nacht konnten wir auf dem Privatcampingplatz in Uisken, ca. 4 km südlich von Bunessan, direkt am Strand übernachten. Das Fleckchen mit seinen vorgelagerten In-selchen ist so schön, daß wir erst am letzten Abend den riesigen Strand Ardalanish Bay in der Nachbarbucht entdeckten, ganz zu schweigen von all den anderen Stränden, die wir gar nicht gesehen haben.

Tagsüber haben wir zwei Ausflüge unternommen: Zum einen zu dem berühmtesten Kloster Schottlands auf der Insel Iona. Zwei gewaltige Hochkreuze und das Klostergebäude stehen an der Stelle, von wo aus der Heilige St. Columban Schottland missioniert hat. Ansonsten bietet die Insel wundervolle Spaziergänge zu einer Handvoll Stränden, deren Sand wie rein gewaschen neben dem Türkis des Meeres wirkt.

Die andere Tour ging von Fionnphort aus mit einer kleinen Barkasse zur Insel Staffa. Aus den unentwegt tosenden Meereswellen schießen mächtige Basaltsäulen auf, aus denen das ganze Eiland besteht. Der gängige Vergleich von Basaltsäulen mit Orgelpfeifen trifft die Dramatik der Szenerie nicht, schon eher die "Streichhölzer von Giganten", wie John Keats hier seine Eindrücke beschrieben hat. Einen Besuch lohnt auf jeden Fall auch Duart Castle südlich von Craignure. Bei der Ankunft mit der Fähre von Oban sieht man es schon von weitem auf einer kleinen Halbinsel thronen. Tief eingetaucht sind wir dort in die Geschichte des Maclean Clans, der Hausherren des Castles. Mitglieder dieses Clans hatten wir schon mit ihren roten Kilts bei einem Dorffest in Bunessan bewundert.

Wanderinsel

Mull hat jedem Wanderer Einiges zu bieten. Der besondere Reiz liegt darin, daß das Meer meistens in Sicht ist. Von kleinen, entspannten Spaziergängen auf den Inseln Iona und Ulva (siehe Wandertip) bis zur eher strapaziösen Besteigung des Ben More kann man allein auf Mull mehrere reine Wandertage verbringen. Der Ben More stellt dabei eine wirkliche Herausforderung dar, müssen doch alle 966 Höhenmeter des Berges direkt vom Meer aus überwunden werden.

Abends nach einer Wanderung gingen wir dann regelmäßig in den örtlichen Pub, wo häufig noch traditionelle Musik gespielt wird (siehe Infokasten). In den viktorianisch ausgekleideten "Wohnzimmern" des Landes kann man gar nicht lange allein bleiben, weil man sich sein Guinness, Strongbow oder McEwans an der Theke selber holen muß und sofort in ein Gespräch verwickelt wird. Die Schotten sind sehr interessiert an Fremden und loben auch noch das schlechteste Englisch auf ihre stets höfliche Art. Anja und ich gerieten auf diese Weise in eine Stags night (Junggesellenabschied) im Mishnish in Tobermory, wo wir bis zur Last Order um halb zwölf feucht fröhlich und am Ende Arm in Arm um die Theke wankten. Oh what a night!



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Ausgabe 121

Februar/März 2005