© Klaus-Peter Kappest

Outstanding Beauty

Ausgabe 121 – Februar/März 2005

Großbritannien

Die Hebriden-Inseln Barra, Uist, Harris und Lewis. Noch nie bin ich in einem Urlaub so viel mit Fähren gefahren, wie letztes Jahr in Schottland. Den Begriff Insel-Hüpfen kannte ich bisher nur von den griechischen Inseln, jetzt steht es bei mir für die ein

Am einprägsamsten war die Fahrt nach Barra. Von Oban aus fuhren wir durch den Sound of Mull über ein Dutzend von Schiffswracks hinweg. Nachdem dann auch noch die Insel Coll aus dem Blickfeld verschwunden war, verstärkte sich das mulmige Gefühl, in die unendliche Weite des Atlantiks zu fahren, wo der nächste feste Boden Island heißt. Und dann tauchten da auf einmal kleine Hügel aus der "Wüste" des Meeres auf, die sich brav hintereinander reihen. So klein, als ob sie dem Atlantik nicht standhalten könnten. Die Fähre wirkte fast zu groß für den Hafen von Castlebay auf Barra. Mitten in der Bucht steht meiner Ansicht nach das kleinste Castle der Welt mit ein paar Häusern drum herum.

Wir hatten uns für Wildcampen entschieden und zwar an dem traumhaften Doppelstrand von Vatersay im Süden der Insel (wer es komfortabler möchte, kann in jeder Touristinfo B & B’s auch schon im voraus reservieren, was besonders während der Hauptsaison im Juli und August empfehlenswert ist). Nur eine kleine Landbrücke trennt hier zwei weiße Sandstrände. Wir entschieden uns für den westlichen, Amerika und Atlantik zugewandten und schliefen bei eindringlichem Wellenrauschen friedlich in den Dünen ein.

Norwegen trifft Frankreich

Am nächsten Morgen sahen wir noch ein paar Wellenreitern zu und fuhren dann an der Westküste entlang zur Fähre nach Uist. Uist ist nicht mehr als eine "kurze Unterbrechung des Meeres" denn eine eigenständige Insel. Sie ist übersät mit hunderten von Seen, in einigen haben sich sogar Kolonien von Seerosen ausgebreitet. Einen schönen Überblick bekamen wir auf der Wanderung zum Eaval (siehe Wandertip). Von einem See zum anderen läuft der Pfad zwischen Gras und Heide, bis er sich dann auf 347 Meter über die Ostflanke zum Gipfel emporwindet. Wie ein Flickenteppich lag Uist vor uns: die Ostküste zersplittert wie die Schären in Südnorwegen, der Westen mit langen Atlantikstränden wie in Frankreich.

Unglaubliches Harris

Alles, was wir bis dahin gesehen hatten, war aber nur Ouvertüre für den absoluten Höhepunkt unserer Reise: Harris. "What to say about Harris?" Natürlich kann man Harris beschreiben: Wie in Uist ist die Küste im Osten stark zerklüftet und so steinig, das man hier keine Menschen beerdigen kann. Die Mitte ist von einem Seenteppich überzogen und im We-sten gibt es Sandstrände. Doch Harris übertrifft Uist an Schönheit bei weitem. Auf dem Küstenabschnitt von 10 Kilometern im Westen drängeln sich ohne Übertreibung vier Traumstrände zwischen die Felsküste. Zwei davon sind so weitläufig, daß man regelrechte Strandwanderungen unternehmen kann. Beeindruckend ist das Farbspiel: In dem viel stärker gelben Sand als auf Uist und Barra schlängeln sich Flüsse, die braunes Moorwasser in das türkisfarbene Meer spülen.

Unterbrochen haben wir unseren Strandurlaub nur für eine Wanderung, und auch die war unglaublich beeindruckend. Nur 10 Kilometer östlich vom Fährhafen Tarbert im Norden von Harris liegt die Insel Scalpay. An ihrer Küste entlang führt ein Wanderweg (siehe Wandertip), der bezaubernd ist. Zwischen Farn, Moor, Seen, Bächen, Wasserfällen, Höhlen verlaufend und immer wieder mit dem Blick auf das Meer, hat dieser Weg einfach alles und vor allem sorgt er immer wieder für Überraschungen – so wie die gesamte Insel.

Küstenland

Man darf nach dem Besuch von Harris nicht den Fehler machen und direkt wieder zum Festland zurückfahren, denn Lewis hat vor allem dem Wanderer Einiges zu bieten. Zwei Küstenwanderungen haben wir auf Lewis gemacht. Zum einen von Tolsta nach Nis ganz an der Südspitze von Lewis (siehe Wandertip), zum anderen den West Side Coastal Walk von Gearrannan aus. Beide Küsten unterscheiden sich nur wenig, wobei die Ostküste an der Südspitze viel höher ist. Dem Küstenabschnitt des Coastal Walks liegen viele kleine Inseln vor. Neben diesen beiden Wanderungen sollte man sich aber noch unbedingt den Steinkreis von Callanish ansehen, einen der besterhaltenen seiner Art mit einer ungeheueren Wirkung auf den Besucher der Äußeren Hebriden, einer wirklich herausragend schönen Inselwelt.



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Februar/März 2005