© Klaus-Peter Kappest

The Best Of Your History Is Abroad

Ausgabe 121 – Februar/März 2005

Großbritannien

Auf dem Weg zu des Wasserfällen auf der Cowal-Halbinsel. Nachdem wir Galloway verlassen haben, fahren wir weiter Richtung Norden bis fast nach Greenock. Kurz vorher setzen wir mit einer kleinen Autofähre nach Dunoon auf der Cowal-Halbinsel in Argyll über.

Unser erster Weg in Dunoon ist wie so oft in Schottland in die Tourist-Information, die sehr gut mit Wanderkarten, -führern und den beliebten leaflets, den Faltbroschüren, ausgestattet ist. Hier entdecken wir eine Broschüre der Forestry Commission über den Argyll Forest Park. Genau wie beim Galloway Forest Park handelt es sich um geschützte Bereiche, die von der Schottischen Forstverwaltung betreut werden. Für den Wanderer interessant sind die zahlreichen markierten Wege, die von der Forestry Commission ausgewiesen, betreut und vermarktet werden. Wir suchen uns den kleinen Rundweg im Puck’s Glen aus, der auf halbem Weg von Dunoon Richtung Norden zum Loch Eck an der A 815 liegt.

Verzauberte Gumpen

Eine grüne Holztafel der Forestry Commission mit der Aufschrift "Puck’s Glen" zeigt uns, daß wir richtig sind. Kleine Holzpfähle mit einer roten Einkerbung weisen uns den Weg bergauf. Nach kurzer Zeit stoßen wir auf den Wasserlauf mit dem schönen Namen "Eas Mor". Eine schmale Schlucht hat er sich in den Fels gegraben, der über und über mit Farnen und stark bemoo-sten Bäumen bewachsen ist. Fast wie im Dschungel. Mit dem stetig ansteigenden Pfad direkt neben dem Bach kommen wir an weiteren Felsbrocken und Bäumen vorbei, die gänzlich von Moos überzogen sind, bis wir auf einen querenden Forstweg treffen. Normalerweise kann man hier noch weiter dem Flußlauf folgen, aber das ist uns wegen Forstarbeiten nicht möglich (am besten, man informiert sich über den Zustand der Wege in den Tourist-Informationen). Wir kehren also auf dem selben Weg wieder um und entdecken auf dem Rückweg erstaunlich viele neue Perspektiven. Diesmal folgen wir der Markierung am Bach entlang bis zur Waldgrenze und entdecken einen Wasserfall, der sich malerisch in eine Gumpe ergießt. Ein traumhaft schöner Abschluß dieser Wanderung!

Lehrstunde in Geschichte

Am nächsten Tag nehme ich mir etwas Ambitionierteres vor als die nette Wanderung vom Vortag. Die sechste Etappe des Cowal Ways soll es sein (siehe auch Wandertip). Dieser Weitwanderweg führt über die gesamte Cowal-Halbinsel in Argyll. Die sechste Etappe geht von dem abgelegenen Ort Lochgoilhead am "Kopf" des Loch Goil über einen moorigen Höhenzug zum Ufer des Loch Long bei Ardgartan. Ein trotz der "nur" 10 Kilometer recht anstrengender Weg, der ein gutes Orientierungsvermögen voraussetzt! Wer wie Anja nur den schönsten Abschnitt laufen will, folgt der roten Markierung rund um den Fluß "Donich Water" von Lochgoilhead aus. Dort wo der Fluß am Scheitelpunkt der Rundwanderung überschritten wird, haben sich wunderschöne Kaskaden im Fels gebildet. Am Nachmittag treffe ich Anja auf dem herrlich am Ufer des Loch Long gelegenen Campingplatzes in Ardgartan wieder, und wir planen die nächsten Tage. Der "Lonely Planet" schlägt eine sehr anstrengende Tour zum "Cobbler" vor, der aber hängt am nächsten Tag in Wolken. Wir fahren daher nach Inveraray am Loch Fyne und schauen uns dort das Castle an. Tief werden wir im prunkvollen Inneren in die teils heroische Geschichte der Familie Campbell eingesogen und bedauern, wie wenig Traditionsbewußtsein und positiver Patriotismus in Deutschland erhalten geblieben ist. Ein gänzlich in das Tartan der Campbell Familie gekleideter Aufpasser (Tartan nennt man das Muster der Kilts) wollte uns mit dem Satz: "The best of your history is abroad" trösten, indem er auf das Geschlecht der Hannoveraner anspielte, die es ja immerhin bis zur Königswürde in England geschafft haben. Eine wohl sehr britische Sicht der Dinge!



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Ausgabe 121

Februar/März 2005