© Klaus-Peter Kappest

Vorarlberg: Wanderungen am Wasser

Ausgabe 122 – April/Mai 2005

Österreich

Keine andere Substanz auf der Erde hat für den Menschen eine so große Bedeutung wie das Wasser. In ihm entwickelte sich nach heutigen Kenntnissen das Leben. Vor allem Wasser und Eis haben die Landschaften geformt und das fließende Wasser ist für Wanderer

An der Dornbirner Ach

Der Argenbach.
Der Argenbach.

Auf dem Weg zum Rappenloch bei Dornbirn, eine der größten Schluchten in den Ostalpen, besuchen wir zunächst das Gasthaus Gütle, das im Flair einer vergangenen Zeit an den Besuch des österreichischen Kaisers 1881 erinnert. Dieser wollte ebenfalls das Rappenloch sehen. Über 70 Meter tief hat sich der Fluß in das gewiß nicht weiche Kalkgestein eingeschnitten. Dazu hat das Wasser etwa 10.000 Jahre benötigt. Welch gewaltigen Kräfte waren hier am Werk, um diese Schlucht zu Stande zu bringen! Aber das Wasser fand seinen Weg. Wir wandern durch die Klamm, der Tiefblick und das tosende Wasser unter uns ziehen uns in ihren Bann. Strudeltöpfe deuten auf rührende Bewegungen hin. Felsblöcke verschiedener Größe bedecken das Flußbett. Den Weg begleitet eine Druckrohrleitung von beträchtlichem Durchmesser. Bereits 1829 hat Franz Alois Negrelli hier eine Talsperre geplant und errichten lassen. Es war die Zeit des Aufbruchs in das technische Zeitalter. An den Hängen über uns hat das Wasser die einzelnen Gesteinsschichten nach ihrer Härte herauspräpariert. Dann besteigen wir den Karren, den Hausberg von Dornbirn. Es ist kein Spaziergang, aber jede Wandermühe wird in den Bergen reichlich belohnt. Das Panoramalokal auf dem höch-sten Punkt des Berges muß man gesehen haben! Hunderte Meter unter uns liegt die Rheinebene. Darüber erkennen wir vor uns die Schweizer Berge und in der Ferne den Bodensee. Etwas später geben unzählige Lichter nah und fern der Landschaft einen festlichen Glanz. Die bis 23 Uhr verkehrende Seilbahn gibt Gelegenheit, den Abend noch richtig zu genießen und befördert uns dann in wenigen Minuten wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Ein seltenes Naturdenkmal an der Subersach bei Lingenau

Der Fulasee.
Der Fulasee.

Am Falzer Kopf tief im Bregenzer Wald sammeln sich kleine Rinnsale, vereinigen sich mit zahlreichen Bächen und rauschen bereits als kräftiger Fluß an Sibratsgfäll vorbei. Bei Lingenau hat das ebenfalls dem Fluß zuströmende Wasser in seinen Rinnen und am Hang gelösten Kalk wieder ausgeschieden und dadurch eine Felswand zustande gebracht, die zu den großartigsten Kalksinterbildungen der Alpen gehört. An den Kalkausfällungen sind im Wasser lebende Pflanzen beteiligt, die dadurch selbst zu Stein werden. Man muß weit reisen, bis zu den Plitvicer Seen in Kroatien, um Ähnliches beobachten zu können. Es ist ein herrlicher Morgen im Juni. Nach nächtlichem Regen erscheinen Luft und Pflanzen ganz frisch. Die Berge sind teil-weise noch von hellen Wolkenresten verhüllt, aber die angenehm wärmende Sonne läßt das Wandern zu einem Genuß werden. Wir gehen von der St. Anna Kapelle bei Lingenau durch die Schlucht der Subersach nach Egg-Großdorf. Der mit Holzstegen und Treppen gut angelegte und gesicherte Weg führt direkt an den Stellen der Kalkausfällung vorbei. Ausführliche Informationstafeln erklären das Naturdenkmal. Eine etwas luftige Hängebrücke über den Fluß ist nicht nur für Kinder eine nicht alltägliche Abwechslung.

Tourentips:

  • Durch die Rappenlochschlucht auf den Karren
  • Aquawanderweg: Zu den Wassern von Tschagguns


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Ausgabe 122

April/Mai 2005