© Klaus-Peter Kappest

Der Wander-Apostel: Manuel Andrack im Interview

Ausgabe 123 – Juni/Juli 2005

Know How

Wanderpapst oder doch eher Wanderluther? Schließlich will er ja die landläufigen, leicht verstaubten Vorstellungen der Deutschen vom Wandern reformieren. Ihm gefallen eigentlich beide Bezeichnungen ganz gut: Manuel Andrack.

Ein Interview mit Manuel Andrack

Erfinder des Fussball-Wandertourismus und deutscher Bierbotschafter Manuel Andrack.
Erfinder des Fußball-Wandertourismus und deutscher Bierbotschafter Manuel Andrack.

Der Chefdramaturg und „Sidekick“ von Harald Schmidt nutzte dessen Kreativpause und schrieb „Du musst wandern“. Als inzwischen passionierter (Lang)Streckenwanderer erfand er den Fußball-Wandertourismus. WM-Redakteurin Beate Wand (BW) las die neue „Wanderbibel“ und unterhielt sich mit Manuel Andrack (MA) darüber.

BW: Ich war geradezu entzückt, als Sie in der „Harald-Schmidt“-Show vom 20. Januar auf ungewöhnliche Art Werbung für das Wandern machten: Sie haben demonstriert, wie Sie sich einen Nierenstein weggewandert und somit vor einer Operation bewahrt haben. Eine Anleitung zur Selbsttherapie durch Wandern?

MA: Das mit dem Wandern war so ein bisschen meine Interpretation. Ich sollte halt meinen Körper möglichst viel erschüttern. Also hüpfte und wanderte ich im Siebengebirge. Dort suchte ich mir extra steile Wege und ließ mich bergab in jeden Schritt voll hineinfallen. So, wie man das sonst gerade nicht machen sollte – wegen der Gelenke. Aber für die Nierensteine war es gut. Oder besser gesagt schlecht.

BW: Wie sieht Ihr Wandergepäck aus?

MA: Ich habe einen rot-schwarzen Rucksack mit Deckel. Man kann ihn auch zum Teil auf dem Buchcover sehen. Er ist gleichzeitig Aktentasche und Einkaufstasche und steht auch jetzt neben mir. Was ich mitnehme, ist ja im Buch aufgelistet. Als Verpflegung habe ich Tuc-Cräcker oder selbstgeschmierte Brötchen dabei. Oder ich kehre eben ein.

BW: Und die Ausrüstung? In Ihrem Buch erzählen Sie, wie Sie nach einem Schlüsselerlebnis im Schwarzwald loszogen, um sich funktionellere Wanderausrüstung zu kaufen. Haben Sie bis zu dem Zeitpunkt über so einen „High-Tech-Kram“ gelächelt?

MA: Nö, davor hatte ich nur nicht darüber nachgedacht. Doch bei der Wanderung wurde ich einfach so triefnaß, dass ich mir nach meiner Rückkehr regenfestere Klamotten zugelegt habe. Seitdem habe ich übrigens fast nur noch schönes Wetter auf meinen Touren.

BW: Irgendwann haben Sie Ihre Kniebundhosen in den Schrank verbannt. Fanden Sie die nicht mehr zeitgemäß? Wollten Sie eher das Bild des „neuen Wanderers“ repräsentieren?

MA: Was für ein Bild ich repräsentiere (neuer Wanderer o.ä.) ist mir eigentlich egal, die Kniebundhosen waren einfach nicht mehr bequem. Aber ich habe nicht einmal eine richtige Wanderhose. Meistens wandere ich in Jeans oder in der im Buch beschriebenen Hose, die ich wegen ihres Reißverschlusses so praktisch finde.

BW: Sie führen im Buch Ihre Qualitätskriterien für einen richtig guten Wanderweg auf. Asphaltierte Abschnitte und solche entlang von Bundes- und Landstraßen schließen für Sie die „Gute Führung“ eines Weges aus. Trotzdem bezeichnen Sie einen Pfad, der am Rohaarsteig nahe der Lahnquelle als Alternative zur asphaltierten Kreisstraße verläuft, als albern.

MA: Ja, das ist sehr gekünstelt. Die Absicht, im Zuge des „Neuen Wanderns“ attraktivere Wegführungen anzubieten, finde ich sehr lobenswert. Doch wenn man dann 1-3 Meter neben der Straße über Wurzeln stolpern soll, fühle ich mich verarscht. Hier sollte man überlegen, ob nicht eine andere Lösung 50 Meter waldeinwärts besser wäre.

So etwas habe ich am Rothaarsteig aber öfter erlebt. Der Weg hält übrigens nur auf Abschnitten, was er mit seinem Internetauftritt verspricht. Das Drumherum mit Gasthöfen, Markierung und Kunst stimmt schon, aber das Entscheidende, die Wegführung, ist verbesserungswürdig. Der in meinem Buch beschriebene Abschnitt gefällt mir ganz gut, auch der Auftakt bei Brilon. Auf einer zweitägigen Tour läuft man aber zu oft auf Wirtschaftswegen. Das Stück durch Winterberg hat mich z.B. auf der Karte schon so abgeschreckt, dass ich es mit dem Bus umfahren habe. Da hat mir z.B. ein Siebengebirgs-Abschnitt auf dem Rheinsteig – der ist ja schon komplett markiert und wird im Herbst eröffnet – viel besser gefallen.

BW: Das ist ja auch wieder näher an Ihrer Heimat! Kölsch – Ihr Lieblingsbier, der 1. FC – Ihr Lieblingsverein, da musste ja die Eifel die Lieblingswanderregion des bekennenden Lokalpatrioten Manuel Andrack werden. In Ihrem Buch weckten allerdings die Kapitel über Sächsische und Böhmische Schweiz bei mir am stärksten das Gefühl: Da muss ich wandern.

MA: Ich sage auch im Buch ganz deutlich, dass es okay ist, wenn sich jeder eher für die heimischen Gefilde interessiert und erstmal die Schönheiten um die Ecke entdeckt. Die Sächsische Schweiz ist als Wandergebiet absolut genial, nur gibt es dort nicht so einen durchgängig schönen Langstrecken-Wanderweg wie die 40 Kilometer Lieserpfad in der Eifel – der ist einfach nur prima. Im Elbsandsteingebirge muss man sich längere Touren eben selbst zusammenstellen.

BW: Sie wandeln und philosophieren auf den Spuren der dichtenden Romantiker. Bei Andrack als Kunsthistoriker vermisse ich die malende Zunft.

MA: Die erste Umschlagidee war ein Bild von mir in der Sächsischen Schweiz, wie ich nach dem Vorbild von Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ posiere.

BW: Sie nehmen gern die Auswärtsspiele des 1. FC Köln zum Anlass, um über heimatliche Gefilde hinaus zu wandern. Vielleicht ein neuer Trend – rechtzeitig zur WM: Fußball-Wandertourismus.

MA: Ja, als ich auch zu weiter entfernten Auswärtsspielorten des 1. FC fuhr, trat ich die Heimreise nie direkt nach Spielende an, sondern es gab stets eine „Nachspielzeit“. Da wurde so manch bittere Niederlage verarbeitet. Eine meiner nächsten Wanderungen wird im Erzgebirge sein, dort war ich noch nie. Am 2. Mai spielt Köln bei Erzgebirge Aue. Ein Montag. Dann wird aus der „Nachspielzeit“ eher eine „Vorspielzeit“.

BW: Tarnen Sie sich vielleicht nur als Wanderer, um als „Bierbotschafter“ (Anm. d. Red.: zu einem solchen wurde er vom Deutschen Brauer Bund ernannt aufgrund seiner fortlaufenden Kostproben deutscher Biere in der Harald-Schmidt-Show) neue Brauregionen zu erschließen und sich das berauschende Gesöff dabei redlich zu verdienen, oder streben Sie einen zusätzlichen Posten als Botschafter deutscher Wanderregionen an?

MA: Gibt es denn so etwas? Na ja, einen Bierbotschafter gab es ja vorher auch nicht, die Position hat der Deutsche Brauer Bund extra neu kreiert. Bisher ist aber noch niemand auf mich zugekommen. Vorstellen könnte ich mir so etwas, warum nicht?

BW: Eine letzte Frage: Was halten Sie vom Wandermagazin?

MA: Das Wandermagazin finde ich toll, weil ich neue Routenvorschläge bekomme. Das hilft bei der Wandertouren-Planung!


Kolumne von Manuel Andrack im Wandermagazin

Von Anfang 2008 bis Ende 2010 hat Manuel Andrack das Wandermagazin mit seiner Kolumne bereichert. Hier finden Sie alle Beiträge (der jüngste Beitrag steht oben):


Neu ab Wandermagazin Ausgabe 156 (Januar/Februar 2011):
Manuel Andrack auf Tour

Wanderideen von Manuel Andrack in Serie:

Der Feldbergsteig: Eine rekordverdächtige Wanderung



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