© Klaus-Peter Kappest

Norwegen: Wanderungen im Fjell von Rondane

Ausgabe 123 – Juni/Juli 2005

Norwegen

Über den Wäldern ist die Freiheit grenzenlos. Erkunden Sie mit uns die mystische Natur Skandinaviens. Unser Weg führt uns von Oslo durch das Gudbrandsdal über Lillehammer nach Vinstra, wo unsere Reise beginnt.

Anreise und Erinnerungen an einen großen Roman

Holtjonpiaggen (Holjonnspitze)
Holtjonpiaggen (Holjonnspitze)

Um 9.30 Uhr besteigen wir in Frankfurt das Flugzeug und gegen 12 Uhr sind wir bereits in Oslo Gardermoen. Es ist genügend Zeit für einen Imbiß und ein Getränk. Dann besteigen wir vor dem Flughafen einen komfortablen Bus, der uns ins Gudbrandsdal, eine der bekanntesten Landschaften Norwegens bringt. Wälder, Seen, Felsen, Äcker und immer wieder die leuchtend roten Weidenröschen bieten während der Fahrt viel Abwechslung. Nach Lillehammer wird das Tal enger, wir sehen sogar vom Bus aus eine der berühmten Stabkirchen. Geröllflanken unterbrechen den Wald, es wird gebirgiger, und wir denken an den vor vielen Jahren gelesenen Roman „Kristin Lavranstochter", dessen Hauptschauplatz dieses Tal ist. Seit ihrer Kindheit soll Sigrid Undset hier ihre Sommerferien verbracht haben und gewandert sein. Für diesen Roman bekam sie den Nobelpreis, das Buch ist in 70 Sprachen übersetzt worden und wurde eines der am meisten gelesenen literarischen Werke des 20. Jahrhunderts. Gegen 18 Uhr sind wir in Vinstra, und das Hoteltaxi bringt uns schnell hinauf in das bereits über der Waldgrenze gelegene Hotel am Rondablikk.

Im Reich des Heilos

Die baumlose Hochfläche gleicht einem Teppich, der hier alle Berge und Senken überzieht. Aus vielen Farben ist er gewoben. Silbrig schimmern die Weidenbüsche, grün die Zwergbirken und ganz hell die von den Flechten bedeckten Stellen. Wenn wir genau hinsehen, entdecken wir weitere Farben: Wieß sind die Blüten des Herzblattes und des Wintergrüns, zartrosa die der Bergheide und leuchtendblau die des Enzians. Wir besteigen heute den Rundkoll im Kvamsfjellet. Sonne und Wolken wechseln sich ab und verändern die Intensität der Farben um uns. In der Ferne erblicken wir von Schnee bedeckte Gipfel. Unter uns liegen Bergseen. Die Stille der Natur wird nur gelegentlich vom Ruf des Goldregenpfeifers, der auch Heilo genannt wird, unterbrochen, als wollte er sagen, hier ist meine Welt, ihr seid nur Eindringlinge und gehört nicht hier her…



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Ausgabe 123

Juni/Juli 2005