© Klaus-Peter Kappest

Thüringer Wald: Tausend Farben Grün

Ausgabe 123 – Juni/Juli 2005

Deutschland

Der Naturpark Thüringer Wald jenseits des Rennsteiges.

Alle Wanderer kennen den Rennsteig. Als ältestem und legendärem Weitwanderweg Deutschlands gebührt ihm diese Ehre auch zu Recht. Reiht er doch zwischen Hörschel im Werratal und Blankenstein an der Saale viele Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten aneinander: Das Werratal, die Laubwälder ganz im Norden, das NSG Wartburg/ Hohe Sonne mit der Drachenschlucht, den Großen Inselsberg, die Ebertswiese mit dem Bergbadesee, den höchsten Punkt der Wanderung am Großen Beerberg, die kleinste Gemeinde der ehemaligen DDR in Friedrichshöhe, das Saaletal. Dazu kommen Aussichten in alle Himmelsrichtungen und immer wieder Grenzsteine der Landesherren, die den Kamm des Thüringer Waldes als ihre Grenze betrachteten.

Wahrscheinlich hat jeder seinen Lieblingsabschnitt von den 168 Kilometern, meiner liegt mit seinen naturbelassenen Quellen westlich von Brennersgrün. Aber der Thüringer Wald hat noch soviel mehr zu bieten. Einige Seitentäler des Hauptkamms sind unglaublich wild und naturbelassen, mit Felsformationen und Aussichtspunkten gespickt.

Zahm und dennoch wild

Die Laucha
Die Laucha

Östlich des Thüringer Dreigestirns Schneekopf, Großer Beerberg und Großer Finsterberg liegt das Tal der Zahmen Gera. Die steilen Hänge sind mit einem Berg-Laubmischwald bewachsen, der einen immer wieder staunen läßt, wie vielfältig ein Wald in Deutschland sein kann. Rotbuche, Fichte und Weißtanne vermischen sich zu einem naturnahen Ganzen, das jenseits von monotonen Forsten, hinter jeder Wegbiegung eine neue Überraschung birgt: Dicke Baumpilze wuchern an abgestorbenen Bäumen und geben überraschende Formen zu entdecken. Zusammen mit Bäumen jeden Alters zeigen sie das Werden und Vergehen in einer intakten Waldgesellschaft an. Manch-mal hat man den Eindruck, als sei mit den toten Bäumen Mikado gespielt worden, so wirr ziehen sie sich die Hänge hoch.

Überzogen sind die am Boden liegenden Stämme und Baumstümpfe mit Moosen, Gräsern und Jungpflanzen. Selbst die Wanderwege sind stellenweise vom Gras zurückerobert worden, das aus den Auen der sich schlängelnden Gera „überschwappt". Alles leuchtet grün. So wie die Eskimos viele verschiedene Worte für „Schnee" haben, bräuchte man Ähnliches für die Grüntöne im Geratal.

Wandertip: Vom Sessellift in Gehlberg (Bergstation) über Webers Geräum durch Löffel- und Hungertal bis zum Gabeltal. Mit ihm und das Pfanntal zurück nach Gehlberg...



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Ausgabe 123

Juni/Juli 2005