© Klaus-Peter Kappest

Wer steckt eigentlich hinter dem Rheinsteig?

Ausgabe 123 – Juni/Juli 2005

Deutschland

Über 300 Kilometer zwischen Bonn und Wiesbaden, durch drei Bundesländer, fünf Landkreise, drei kreisfreie Städte und ca. 50 Gemeinden. So verläuft der neue Rheinsteig, der im September 2005 offiziell eröffnet wird.

Ein Interview mit Karin Hünerfauth-Brixius

Wie lange dauert so ein Projekt, wer ist daran beteiligt und wo hakt es dann und wann bei der Realisierung? Wandermagazin hat Karin Hünerfauth-Brixius, Leiterin des Projektbüros Rheinsteig, befragt.

Karin Hünerfauth-Brixius
Karin Hünerfauth-Brixius

Wandermagazin: Frau Hünerfauth-Brixius, im September wird der Rheinsteig offiziell eröffnet. Wie lange hat es von der ersten Idee bis zur Eröffnung gedauert?

Karin Hünerfauth-Brixius: Der Start war bereits vor meiner Zeit. Die Öffentlichkeit wurde im März 2003 über den Start des Projektes informiert: durch den gemeinsamen Handschlag der drei Wirtschaftsminister der Länder Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen auf der Internationalen Tourismus Börse in Berlin. Davor gab es aber schon eine Zeit der Vorplanung, der Bewertung der Situation durch die Projektgruppe Wandern (Herrn Dr. Brämer und Herrn Gruber), und der gemeinsamen Planung durch die drei Landesmarketingorganisationen.

Wandermagazin: Seit wann sind Sie denn im Rheinsteig-Boot und für welche Aufgaben sind Sie verantwortlich?

Karin Hünerfauth-Brixius: Ich bin seit August 2003 dabei. Zunächst einmal habe ich das Projektbüro aufgebaut, das personell aus mir und einigen externen Dienstleistern bestand. Ich entwickelte ein Konzept samt Zeitplanung für die Umsetzung des Rheinsteigs. Meine Aufgaben: Alles!! Von der Wegebegehung bis zu Präsentationen, von konzeptioneller „Stillarbeit“ bis hin zu Messegesprächen auf der ITB und der TourNatur. Leitung und Sekretariat in einem sozusagen. Zum Glück habe ich seit diesem Jahr, seit ich auch Projektleiterin bin, eine Mitarbeiterin, die mich stundenweise unterstützt.

Wandermagazin: Welcher Projektabschnitt war am schwierigsten zu realisieren und warum?

Karin Hünerfauth-Brixius: Nicht einfach war der Start, da es kein vorgefertigtes Konzept gab, nach dem ich vorgehen konnte. Eine Herausforderung war die Abstimmungsphase der Wegetrasse und die Genehmigung der Markierung und Beschilderung mit allen Beteiligten, da auch rechtliche, persönliche und politische Interessen im Raum standen, die zu berüchsichtigen waren. Schließlich die Tatsache, daß nach der Vormarkierung des Weges im Herbst 2004 bereits nach kurzer Zeit Markierungszeichen entwendet oder mutwillig zerstört wurden. Das hat dem Projekt schon einen Seitenhieb versetzt.

Römischer Limes am Rheinsteig
Römischer Limes am Rheinsteig

Wandermagazin: Wer ist alles an diesem Projekt beteiligt gewesen? Welche Institutionen und Einzelpersonen?

Karin Hünerfauth-Brixius: Maßgeblich war in jedem Falle das Engagement von Dr. Achim Schloemer, der seit 2003 Geschäftsführer der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH ist. Er hat in der ersten Zeit als Projektleiter die Rheinsteig-Flamme angezündet und die notwendigen ersten Schritte gemeinsam mit den Kollegen aus NRW und Hessen eingeleitet. Seiner Initiative ist es zu verdanken, daß das Projektbüro aus Fördermitteln der drei Bundesländer gegründet werden konnte. Auch derzeit ist er mit einer Auswahl von ca. 15 Personen in der Lenkungsgruppe des Rheinsteigs maßgeblich an allen Entscheidungen zum Rheinsteigprojekt beteiligt.

Die „Macher“, die das Projekt mit auf die Beine gestellt haben, sind neben den Touristikern auch die Wandervereine, die die Wege markiert haben, und die Ingenieurgesellschaft GfL, die die Katasterbearbeitung übernommen hatte. Insgesamt waren bestimmt 300 Institutionen bzw. Personen an dem Projekt beteiligt: Forstämter, Naturschutzbehörden, Naturschutzverbände, Kommunen, Landkreise, Tourist Informationen und Touristikverbände, Ministerien, Waldbesitzer, Eigentümer, Verkehrs- und Verschönerungsvereine, Deutsches Wanderinstitut, Deutscher Wanderverband, Landesvermessungsämter und Industrie- und Handelskammern. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich von Herzen Dank sagen und hoffe, daß ich niemanden vergessen habe!

Wandermagazin: Welche Besonderheiten hat der Rheinsteig im Vergleich zu anderen Wanderwegen für Wanderer zu bieten?

Karin Hünerfauth-Brixius: Um dies beantworten zu können, müßte ich ja alle anderen Wege kennen, was nicht der Fall ist. Aber aus dem, was ich erwandert habe, kann ich dennoch die Vorzüge des Rheinsteigs zusammenfassen, die tourismusrelevant sind.

Da ist zum einen die gute Erreichbarkeit, ob mit Auto, Bahn, Flugzeug – z.B. „Hahn Airport“ – und natürlich mit der Rheinschiffahrt. Zudem haben wir eine gute touristische Infrastruktur. Zahlreiche Orte liegen am Wegesrand, so können wir auf ein gutes Netz an Gastronomie und Beherbegungsbetrieben zurückgreifen.

Das Besondere ist aber vor allem: DER RHEIN!! – ein weltbekannter Fluss, den wir auf tollen Wanderwegen, teils mit recht alpinen Höhendifferenzen, erschließen. Die Wein- und Kulturlandschaft von Bonn bis Wiesbaden haben daran einen wesentlichen Anteil. Und natürlich auch das UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal!

Postkartenromantik: Panorama bei Oberwesel
Postkartenromantik: Panorama bei Oberwesel

Wandermagazin: Was bedeutet der Rheinsteig für die Regionen, durch die er verläuft, in wirtschaftlicher Hinsicht?

Karin Hünerfauth-Brixius: Wir hoffen natürlich auf einen Gästezuwachs, auf gesteigerte Tages- und Urlaubsgästezahlen. Wenn man dann zugrunde legt, daß Verpflegung und Unterkunft beim Wandern auch Einnahmen für das Gastgewerbe darstellen, sind positive wirtschaftliche Effekte wahrscheinlich. Vorausgesetzt: Das Gastgewerbe stellt sich auf dieses Klientel ein und orientiert sich vermehrt hin zum Thema Wandern. Dies könnte dadurch erreicht werden, daß die Öffnungszeiten an die Wandertages- und wochenzeiten angepaßt werden und Betriebe durch ein paar einfache Tricks spezielle Wünsche von Wanderern erfüllen können, z. B. Trockenräume für nasse Kleidung bereitstellen. Bei Fragen dazu können sich interessierte Betriebe an wandergastgeber@rheinsteig.de wenden.

Wandermagazin: Auf was können sich die Besucher der Rheinsteig-Eröffnungsveranstaltung gefasst machen?

Karin Hünerfauth-Brixius: Es wird ja sogar zwei Eröffnungsveranstaltungen geben: einmal am 2. September 2005, auf der Wandermesse TourNatur in Düsseldorf für das Fachpublikum und die Fachpresse, wo wir mit einem Messestand vertreten sind und den Rheinsteig gemeinsam mit unseren regionalen Partnern bewerben.

Eine Woche später findet in Koblenz für geladene Gäste die regionale Eröffnungsveranstaltung statt, an der wir die Staatsminister der Bundeslänger NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz begrüßen und wo zusätzlich alle Projektbeiteiligten und zahlreiche Kommunen vertreten sein werden.

Die eigentlichen Schnupperwanderungen für Besucher werden wir sehr dosieren. Da diese Wanderungen sich am besten von den Kommunen und den regionalen Touristikern planen lassen, wollen wir als Rheinsteigbüro auch nicht in die Details eingreifen. Einige Aktivitäten dieser Art sind bereits bei den Anreinern und den Wandervereinen in Arbeit.

Link-Tipp

www.rheinsteig.de
www.rheinsteig.de

Infos über das Projekt Rheinsteig gibt es auf der offiziellen Website www.rheinsteig.de.

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