© Klaus-Peter Kappest

Zentralmassiv: Das grüne Herz von Frankreich

Ausgabe 123 – Juni/Juli 2005

Frankreich

Zwei Regionen, Limousin und Auvergne, mit einem Gebirgszug als Bindeglied. Das Zentralmassiv mit seinen vielseitigen Landschaften bildet den grünen Mittelpunkt von Frankreich.

Die Vulkankette der Auvergne setzt sich im Westen mit den Höhen des Plateau de Millevaches fort, um langsam in eine Hügellandschaft überzugehen. In beiden Regionen finden sich noch wenig bekannte Landstriche mit verlockenden Wandermöglichkeiten. So wie die Auvergne mehr zu bieten hat, als längst erloschene Vulkane, liegen auch im Limousin noch viele touristische Reize im Verborgenen. „Chabatz d'entrar" lautet der alte, okzitanische Gruß auf dem Lande. Mit dem „Treten Sie ganz herein" werden Gäste willkommen geheißen.

Auvergne, voller überraschender Wanderziele

Symbiose von Mineral und Pflanze: alte Buche bei Fursac
Symbiose von Mineral und Pflanze: alte Buche bei Fursac

Bis vor 6000 Jahren spukten die markantesten Berge des Zentralmassivs Feuer und Rauch. Heute schläft diese Vulkankette, wenn auch Seismografen jedes leise Zittern der Erdkruste registrieren. Erloschene Vulkane wie der Puy de Dome, Puy de Sancy oder Puy Mary sind die Wahrzeichen der Auvergne. Darüber könnten die anderen, reizvollen Landschaften leicht in Vergessenheit geraten. Um so überraschender ist die Entdeckung, daß auch die Gipfel im Forez-Massiv und dem Regionalen Naturpark Livradois-Forez Höhen bis fast 1700 m erreichen. Und im Norden der Auvergne erstreckt sich links und rechts der Allier eine sanfte Hügellandschaft. Dort wurden die Eichen im Wald von Tronçais von Colbert zu Zeiten des Sonnenkönigs gepflanzt.

In der südlichen Auvergne bilden lichte, alte Eßkastanienwälder einen unerwartet lieblichen Kontrast zum nahegelegenen, rauheren Cantal-Massiv. Der Vulkantätigkeit verdankt die Region nicht nur zahlreiche Heilquellen, die in zehn Kurbädern für Wohlbefinden sorgen. Auf den verschiedenen Böden konnte sich auch eine große Pflanzenvielfalt entwickeln. Türkenbund oder Schwefelanemonen in Hochlagen, Sonnentau in Torfmooren und ca. 52 Orchideenarten sind am Wegesrand zu bewundern. Aus dem gelben Enzian, der auf dem Hochplateau wächst, wird im Cantal ein beliebter Aperitif hergestellt. Unberührte Weiten bieten in der Auvergne Lebensraum für eine vielfältige Fauna, von Gemsen, Murmeltieren, Hirschen bis zur scheuen Ginsterkatze oder dem zarten Apollonfalter. Schwarzer und Roter Milan, Turmfalken, Eisvögel und selbst den Wiedehopf bekommt man vor's Fernglas, während Uhu oder Rauhfußkauz nur mit etwas Glück zu hören sind. Kaum bekannt ist das Vogelschutzgebiet an den Ufern der Allier mit einer der größten Artenvielfalten Frankreichs...



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Ausgabe 123

Juni/Juli 2005