© Klaus-Peter Kappest

Special: Hermannshöhen

Ausgabe 124 – August/September 2005

Deutschland

Es gibt sie noch, die Wanderüberraschungen. Die 220 km langen Hermannshöhen, ein Wanderopus aus Hermannsweg und Eggeweg, sind die Überraschung schlechthin. Ein Mittelgebirgswanderweg als Kammweg nördlich von Sauerland und westlich der Weser? Aber klar doc

Hermannshöhen: Spürbare Wege...

Wie Blücher kommt sich dieser Wandergesell vor.
Wie Blücher kommt sich dieser Wandergesell vor.

Bei den Hermannshöhen wurde erstmals nicht nur die Wegeinfrastruktur qualitätsgeprüft, sondern mit dem „Gütesiegel Hermannshöhen" auch geprüfte Gastgeberqualität geschaffen. Wo „Hermannshöhen" draufsteht ist geprüfte Erlebnisqualität drin. Qualität ist ein Entwicklungsprozeß. Bisher steht die Basisqualität, an der Perfektionierung werden die HermannshöhenmacherInnen noch ein paar Jahre arbeiten.

Walk on Hermann: Eine waldreiche Perlenschnur, ein grüner Seiltanz. Zwei alte Kammwege aneinander gebunden. Einem Bindfaden gleich, im sorgfältigen Halbrund durch zwei Naturparke gelegt, so verknüpfen die Hermannshöhen das Sauerland mit dem Münsterland quer durch den Teutoburger Wald. Gut, mit 96 m stellt der kleine Huckberg am Schnittpunkt von Mittelland- und Dortmund-Ems-Kanal nicht gerade eine alpine Herausforderung dar. Die erste Etappe von Rheine nach Bevergern oder Hörstel kann man sogar getrost als Flachlandetappe ansprechen. Aber, was besagt das schon? Vor dem Höhepunkt kommt bekanntlich der Spannungsaufbau. Die Hermannshöhen haben da ihre ganz eigenen Tricks und spezielle Dramaturgie. Einerseits steigt die Kammspur mit jedem Etappentag stetig an. Der kegelförmige Aussichtsturm auf der Preussischen Velmerstot bei Feldrom bzw. Veldrom liegt immerhin schon 468 m hoch. Zweitens schauen Teutoburger Wald und Eggegebirge aus der Ebene betrachtet wirklich wie ein undurchdringliches Bollwerk, eine grüne Mauer mit kaum merklich konturierter Silhouette aus. Entsprechend sind die Blicke von jedem ihrer Aussichtspunkte einfach prächtig. Kein konkurrierendes Gebirge verstellt den Überblick.

Die Hermannshöhen beeindrucken durch ihre Nähe zu den Quellen menschlicher Umtriebigkeit bei gleichzeitiger Entrücktheit. Mit dem Abstand der stillen, natürlichen Kammhöhe halten die Hermannshöhen alle zivilisatorischen „Übergriffe" auf erholsamer Distanz. Alte Paßübergänge fördern spontane „Rückzüge" auf Zeit. Die Zugangswege aus den Orten links und rechts des Kammgebirges sind zwischen wenigen hundert Metern und vier bis sechs Kilometern lang. Einen Wandertag, ein Wanderwochenende, drei oder vier Tage - die Hermannshöhen lassen sich für jedes Vorhaben nutzen. Selbst Halbtageswanderungen sind von nahe gelegenen Wanderparkplätzen aus möglich. Das Besondere des Wanderprojektes Hermannshöhen ist die Tatsache, daß sich auch Streckenwanderungen in ein oder zwei Tagen bequem realisieren lassen. Immer wieder bestehen Nahverkehrs- und Bahnanschlüsse. Ohne Gepäck, mit Gepäck, alleine, zu zweit oder in der Gruppe. Mit Führung, mit Nordic Walkingstöcken, mit Thema oder einfach purer zweckfreier Genuß.

Wanderabenteuer für jeden Anlaß

Sportiv oder genußvoll - wer glaubt, bei den Hermannshöhen handele es sich doch nur um eine anspruchslose Tippelei, sei gewarnt. Kommt man bei durchschnittlicher Tagesstrecke von 23 km noch auf entspannte zehn Etappen für Hermannsweg plus Eggeweg, so lassen sich bei sieben oder acht Etappen von körperbewußten Konditionsbolzen schon ausgesprochene Steherqualitäten entwickeln. Jedem das Seine. Kinder und Jugendliche werden sich am Zickzack und Auf und Ab mancher Kammpassagen oder an den Felsen- und Klippenpfaden und dem knappen Dutzend Aussichtstürmen begeistern.

Genießer nehmen sich einfach zwölf Tage Zeit und legen bestimmt auch mal einen zusätzlichen Ruhetag ein. Die Wellnessoasen Bad Iburg, Bad Meinberg oder Bad Driburg bieten sich dafür an. Vielleicht auch eine Kulturpause in der Metropole der Lippischen Rose, Detmold, oder dem Zentrum der westfälischen Leineweber, in Bielefeld. Die Hermannshöhen sind ganzjährig bewanderbar. Der Kamm von Teutoburger Wald und Eggegebirge ist zumeist mit Laubwäldern, vorwiegend Rotbuche bewachsen. Frühjahr und Herbst versprechen wahre Farborgien. Das dichte Blätterdach hat im Hochsommer seine Reize. Laubwälder sind natürliche Klimaanlagen. Selbst an den heis-sesten Hundstagen weht auf dem Teuto immer eine leichte Brise, und im Schutze des Waldes ist die Temperatur durchweg einige Grad niedriger. Wanderungen im Spätherbst, im grünen Winter oder frühen Frühjahr haben ihren ganz eigenen Reiz. Über den Nebeln der Täler wandern und die besonderen Vorzüge der vegetationsfreien Jahreszeit für ungewohnte Durchblicke nutzen. Wanderanlässe bietet das Kalenderjahr in Hülle und Fülle. Das Wochenende samt Brückentag, die Auszeit für eine Woche, Honeymoon mit der oder dem Liebsten, Wiedersehen mit Freunden, Gemeinsamkeit mit der Familie oder Ausflug unter Kollegen, Geschäftsfreunden - die Hermannshöhen stehen für Wandervergnügen mit prallen Erlebnissen!



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 124

August/September 2005