© Klaus-Peter Kappest

Steig den Rhein: Wandern auf dem neuen Rheinsteig

Ausgabe 124 – August/September 2005

Deutschland

Adieu Beethoven. Wenn Bonns Silhouette um Münster, Altes Rathaus, Universität und Altem Zoll Briefmarkenformat erlangt hat, dann steht der erwartungsfrohe Rheinsteiger bereits irgendwo zwischen Drachenfels und Löwenburg. Wer mag, rumpelt von Königswinter

River deep, mountain high

Rheinsteiger mit Marcus Timo Fetz vom Landgsthof Blücher in Dörscheid, dem Koch- und Wanderberater - eine gesunde Mischung!
Rheinsteiger mit Marcus Timo Fetz vom Landgsthof Blücher in Dörscheid, dem Koch- und Wanderberater - eine gesunde Mischung!

Der neue Rheinsteig ist „mein" Wandersteig - anspruchsvoll im Profil und mit sensationellen Blickerlebnissen. Wirklich hoch sind sie nicht, die rechtsrheinischen Talberge des Mittelrheintales zwischen Bonn, Koblenz und Wiesbaden. Das Auf und Ab aber ist anspruchsvoll. Das tägliche Höhenmeterkonto ist beachtlich und addierte 400 bis 600 Höhenmeter sind wahrlich keine Ausnahme. Der höchste Punkt des 320 km langen Glanzlichtes unter den mittlerweile zehn bis zwölf deutschen Spitzenwanderwegen ist der 365 m hohe Aussichtspunkt zwischen Burg Liebenstein und dem Weiler Lykershausen auf der Etappe von Osterspai nach Kestert.

Wer bis hierhin getippelt ist, hat bereits zehn Etappen hinter sich und wird an diesem Tag nach knapp 6 Stunden Wanderzeit müde, aber zweifelsohne glückselig, die berühmte Stunde der Ankunft nach absolvierter Wegstrecke zelebrieren. Dann liegen das Festungsepos Ehrenbreitstein über Koblenz, die Ruppertsklamm hinunter zur Lahn mit wahrhaft alpinen Eindrücken, die herrlichen Schafsweiden über Boppard und Kamp-Bornhofen und das keck und kühn aufragende Burgengemälde der Marksburg über Braubach bereits zurück. Dafür darf man sich noch auf den Dreiburgenblick oberhalb von St. Goarshausen, auf die Loreley und die Felsenkanzeln des Spitznack, auf Assmannshausen, das Niederwald-Denkmal und die Rheingauberge zwischen Kloster Eberbach und Frauenstein freuen.

Auf dem Weg zur Edmundshütte bei Leutesdorf am Rhein.
Auf dem Weg zur Edmundshütte bei Leutesdorf am Rhein.

Der Rheinsteig ist schon deshalb ein Glanzstück deutscher Wanderwegekunst, weil das turbulente Relief des Rheinischen Schiefergebirges unzählige Aussichtspunkte bereithält. Darun-ter zwei, drei Dutzend der Kategorie „überragend". Entrückt verfolgt der Rheinsteiger das geschäftige Geschiebe der Rheinkähne. Der Rhein beweist ein ums andere Male seine Qualitäten als betriebsame Schiffahrtsstraße. Erwischt man einen Ausguck mit Einblick auf eine der Rheinfähren oder der Schiffsanlegestellen für die Weiße Flotte, dann schwärmt der Blick von links nach rechts, von oben nach unten. Satte Blickbeute. Es liegt vermutlich an dem besonderen Raumerlebnis eines windungsreichen Flußtales, der jahrtausendealten Bedeutung des Rheinstromes als Kultur- und Verkehrsader und nicht zuletzt an der stets präsenten Rheinromantik des 18. und 19. Jahrhunderts. Immer ist der Strom der Deutschen zum Greifen nahe. Burgen und Schlösser sind die sichere, tägliche Ausbeute der Wanderetappen. Ob als zugewachsene Ruinen, als turm- und zinnengekrönte Silhouette, als Zoomansicht durch das Tele oder das Fernglas - Blickerlebnisse liefert der Rheinsteig in schier überbordender Fülle. Für ein Paar Schweißtropfen mehr läßt sich so manches graue Gemäuer auch besichtigen. Nahezu jedes Rheinörtchen ist einen Abstieg wert. Wer will, setzt mit der Fähre über oder läßt sich mit der Weißen Flotte zum nächsten Etappenort schippern. Die mit gelbem R markierten Zugangswege werden in Zukunft weiter verdichtet. Immer wieder taucht der Rheinsteig mit seinem geschwungenen weißen R auf Blau zu einem der Rheinorte hinunter: Oestrich-Winkel, Assmannshausen, Lorch, Kaub, St. Goarshausen, Braubach, Leutesdorf, Bad Hönningen, Linz, Unkel, Rhöndorf oder Niederdollendorf.

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Ausgabe 124

August/September 2005