© Klaus-Peter Kappest

Atmungsaktivität bei der Ausrüstung

Ausgabe 129 – Juni/Juli 2006

Know How

Atmungsaktivität ist eines der verwirrendsten und gleichzeitig faszinierendsten Themen bei Funktionsbekleidung – und ganz wichtig für das Wohlbefinden auf Tour. Streng genommen ist der Begriff irreführend. Atmen kann nur ein Lebewesen und keine tote Mater

Immer wieder sieht man gestellte Fotos, auf denen ein als Arzt verkleideter Verkäufer/Redakteur ein Stethoskop an eine Jacke hält und fragt: „Atmet sie?“ Das ist völliger Quatsch und erklärt nicht im Entferntesten, was Atmungsaktivität bei Bekleidung soll.

Atmungsaktivität ist ein Begriff aus der Bekleidungsphysiologie und hat weniger mit Respiration (Atem) als mit Transpiration (Schweiß) zu tun. Es geht dabei um die Frage, was mit der überflüssigen Körperwärme passiert.

Fangen wir ganz vorne an. Wenn ein Mensch aktiv ist, erzeugt er Energie. Etwa 20% davon werden in mechanische Arbeitsleistung abgegeben. Die restlichen 80% sind Wärme. Der Mensch ist also nicht gerade energieeffizient. Damit der Körper nicht überhitzt, wird die Wärme nach außen abgegeben. Bei Hunden geht ein großer Anteil über den Atem und die Zunge weg – weshalb Hunde zuweilen heraushängende Zungen haben. Beim Menschen ist das anders. Nur etwa 10% der Wärme wird über den Atem abgegeben. Der riesige Rest wird als Schweiß durch das flächenmäßig größte Organ abgesondert, der Haut mit ihren 2 bis 3 Millionen Schweißdrüsen. Schwitzen ist also eine wichtige Körperfunktion. Damit es zwischen Haut und Bekleidung nicht zu einem Hitzestau kommt, muss auch die Bekleidung den Schweiß nach außen leiten können. Die richtige Terminologie ist daher Wasserdampfdurchlässigkeit.



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Ausgabe 129

Juni/Juli 2006