© Klaus-Peter Kappest

Fränkische Wanderkrone: Interview mit Olaf Seifert

Ausgabe 129 – Juni/Juli 2006

Deutschland

Wandermagazin hat Olaf Seifert, Chef der Frankentouristik, zu den aktuellen fränkischen Wanderplänen befragt.

Olaf Seifert (Mitte) im Gespräch mit Dr. Konrad Lechner (li.) und Michael Sänger.
Olaf Seifert (Mitte) im Gespräch mit Dr. Konrad Lechner (li.) und Michael Sänger.

WM: Der Frankenweg – vom Rennsteig zur Schwäbischen Alb wurde im September 2004 mit großer medialer Aufmerksamkeit eröffnet. Wie beurteilen Sie den Erfolg?

Olaf Seifert: Der Frankenweg hat sich zwischenzeitlich zu einem Renner entwickelt. Sowohl bei Wanderern als auch im medialen Bereich. Und was noch wichtiger ist: Auch die positiven Rückmeldungen von Gastbetrieben entlang des Fernwanderweges bestätigen unsere positive Einschätzung. Mit dem Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zertifiziert und mit dem Bayerischen Innovationspreis für Angebotsgestaltung im bayerischen Tourismus ausgezeichnet ist der Frankenweg für uns ein Modellprojekt unserer aktuellen Qualitätsoffensive. Neben der bereits erwähnten Medienresonanz steigt die Zahl der Prospektanforderungen – sowohl von potenziellen Gästen als auch von Mitgliedern und Partnern – kontinuierlich. Auch die Entwicklung der Internetzugriffe ist erfreulich: In der Saison registrieren wir 600 bis 700 Besucher pro Woche auf der Frankenweg-Homepage. Und auch die beteiligten Wandervereine entwickeln zusätzliche Aktivitäten. Zu nennen ist beispielsweise eine Staffelwanderung mit 24 Etappen zu Beginn der Saison 2006. Nach einem Bericht zur Jahreshauptversammlung hat der Frankenweg dem Fränkischen Albverein auch einen Schub an Neumitgliedern gebracht. Das sind alles Zeichen dafür, dass es gut läuft.

WM: Können Sie das auf die angestrebte Wertschöpfungskette herunterbrechen?

Olaf Seifert: Erfolgsfaktoren sind für mich neben einer spürbaren Resonanz bei den Gastbetrieben entlang des Fernwanderweges die Anfragen, die bei uns generiert werden. Zurzeit führen wir mit dem dwif (Anm. der Redaktion: Deutsches wirtschaftswissenschaftliches Insitut für Fremdenverkehr) eine Studie zum Thema „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ durch. Die Ergebnisse auf regionaler und gebietlicher Ebene lassen sicherlich auch Rückschlüsse auf einzelne Produkte wie dem Frankenweg zu.

WM: Was hat der Frankenweg von der Idee bis zur Eröffnung gekostet? Welche Investitionen sind künftig vorgesehen?

Olaf Seifert: Wir unterscheiden hier die Bereiche Infrastruktur und Marketing. Beim Marketing haben wir von 2003 bis Ende 2005 auf regionaler Ebene rund 80.000 Euro investiert. Für die Infrastruktur, darunter Posten wie Markierung und Ausstattung, zeichnen der Frankenwaldverein, der Fränkische-Schweiz-Verein und der Fränkische Albverein verantwortlich – beispielsweise hat der Frankenwaldverein für seinen Wegeanteil rund 70.000 Euro eingesetzt. Im Sommer 2005 wurde für die nächsten drei Jahre ein Marketingbudget in Höhe von noch einmal rund 80.000 Euro bereitgestellt.

WM: Qualitätsgastgeber „Frankenweg“. Ist das ein Thema für Sie?

Olaf Seifert: Das Thema Qualität ist für uns Leitschiene und Klammer unserer Tourismusarbeit. Schon 1997 haben wir gemeinsam mit Partnerorganisationen mit den Zertifizierungen für fahrradfreundliche Gastgeber begonnen – heute nehmen wir in diesem Segment mit mehr als 550 Betrieben eine Spitzstellung in Deutschland ein. Und natürlich beteiligen wir uns auch intensiv an dem Modellprojekt „Qualitätsgastgeber Deutschland“ des Deutschen Wanderverbandes. Die ersten 80 Betriebe auf fränkischer Ebene sind bereits zertifiziert und werden von uns in Broschüren und im Internet präsentiert.

WM: In Bayern gibt es zertifizierte Tourist-Informationen. Was bedeutet das hinsichtlich ihrer Wanderkompetenz?

Olaf Seifert: Eine zertifizierte Tourist-Information erfüllt unter anderem hinsichtlich Ausstattung, Personal und Öffnungszeiten definierte Qualitätsstandards – aber wir stellen hier nicht auf einzelne Marktsegmente ab. Das würde zu weit führen. Wir sind uns sicher, dass sich das Auskunftspersonal auch kompetent um die Wanderer bemüht. Natürlich sind wir hier auch im Rahmen unserer Qualitätsoffensive tätig – beispielsweise mit Seminaren und Fachtagungen. Unabhängig hiervon wird das Zertifikat übrigens alle drei Jahre erneuert. In diesem Zusammenhang erfolgt eine Überprüfung in Form von vier verschiedenen Mystery-Checks: per e-Mail, schriftlich, telefonisch und als Vor-Ort-Inspektion mit einem Beratungsgespräch. Zudem müssen sich die Mitarbeiter regelmäßig weiterbilden.

WM: Der Landkreis Mayen-Koblenz investiert in den kommenden fünf Jahren eine Million Euro in die Entwicklung und Vermarktung von Wanderinfrastruktur. Nochmals 600.000 Euro satteln Kommunen, Land und Sponsoren der Wirtschaft auf. Stehen wir vor einer neuen Entwicklungsstufe im nationalen Wettbewerb der Wanderdestinationen?

Olaf Seifert: Vergleiche mit anderen Gebieten sind ohne Kenntnis der Details nicht möglich. Daher nur einige Informationen zu unserer Situation. Wir orientieren uns mit Erfolg am Prinzip der landschaftsbezogenen Werbung, unabhängig von Verwaltungsgrenzen. Um unser finanzielles Engagement darzustellen – ein Beispiel: Sie kennen vielleicht das Thema „Franken kulinarisch erleben“. Hier investieren wir in sechs Jahren allein für das Marketing eine Million Euro. Dazu kommen rund 300.000 Euro für den Bereich Personal und Verwaltung – hinzuzurechnen ist dann noch das Engagement unserer Gebiete, Orte und Betriebe. Das Potenzial des Wandertourismus haben wir schon frühzeitig erkannt. Bereits 2001 haben wir eine Studie in Auftrag gegeben und heute zeigt sich, dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben. Ob es jetzt einen zusätzlichen Wettbewerb geben wird? Konkurrenz und Wettbewerb gehört zu unserer täglichen Tourismusarbeit – entscheidend wird dabei sicherlich die Qualität des touristischen Angebotes sein.

WM: Sie sind, so haben wir erfahren, der Motor hinter dem neuesten Leitwegeprojekt Frankens, dem Fränkischen Gebirgsweg vom Frankenwald über die Fränkische Schweiz ins Fichtelgebirge. Was hat Sie dazu bewegt?

Olaf Seifert: Also, der Motor – zuviel der Ehre – bin ich sicherlich nicht. Aber wir haben schon frühzeitig mit unseren Partnern die Möglichkeiten zur Etablierung weiterer Qualitätswanderwege in Form eines flächendeckenden Netzes mit Verbindungswegen erörtert. So wurde auch die Idee des „Fränkischen Gebirgsweges“ mit Einbindung des Fichtelgebirges geboren. Die Wandervereine haben diese Idee schnell aufgegriffen. Der Motor besteht also aus mehreren Partnern. Ich glaube, dass wir mit diesem Projekt unsere Qualitätsoffensive in den beteiligten Gebieten Fränkische Schweiz, Fichtelgebirge und Frankenwald gut fortführen können. Als Etat ist zunächst eine viertel Million Euro vorgesehen.

WM: Was macht Sie so sicher, dass der Wandertourismus für die weitere Entwicklung des Fränkischen Tourismus so wichtig ist?

Olaf Seifert: Zunächst zum Wirtschaftsfaktor Tourismus. Bei einem Umsatzvolumen von rund 5 Mrd. Euro; die Hälfte Tagesausflugsverkehr, die andere Hälfte Übernachtungstourismus, werden rund 54.000 Vollarbeitsplätze generiert. Und natürlich spielt dabei das Thema „Wandern“ auch eine große Rolle – zudem ist Franken aufgrund der Topographie ein Wanderparadies: die Mittelgebirgslandschaften, die Flusslandschaften, die Sehenswürdigkeiten, das kulturelle Angebot mit drei UNESCO-Weltkulturerbestätten und vor allem die kulinarischen Spezialitäten, die es nach einer schönen Wanderung in einem Biergarten oder bei einem Frankenwein zu genießen gilt. Aber natürlich basiert unsere Marketingstrategie auch auf Marktforschungsergebnissen. Neben dem klassischen Destinationsmarketing für Franken haben Produktlinien für uns eine große Bedeutung. Hierzu gehört das Thema „Franken aktiv – Lust auf Natur“ mit den Schwerpunkten Wandern und Radfahren.

WM: Der Tourismusverband Franken als Dach des fränkischen Tourismus kann Leitlinien vorgeben und helfen, Infrastrukturen zu entwickeln, aber keine Produkte entwickeln. Wie ist die Aufgabenverteilung auf Landes- und gebietlicher Ebene?

Olaf Seifert: Wir haben eine klare Aufgabenteilung. Der Tourismusverband Franken initiiert mit Mitgliedern und Partnern Projekte, neben dem zentralen Marketing sind wir beispielsweise auch für das Qualitätsmanagement zuständig. Als Mitglied in regionalen Planungsverbänden, aber auch durch den ständigen Kontakt zu Mitgliedern, Landräten und Bürgermeistern, können wir schon die eine und andere Weichenstellung forcieren. Sicherlich helfen auch die Kontakte zu den Ministerien. Auf der anderen Seite sind die Wandervereine ein entscheidender Partner bei der Umsetzung der Maßnahmen zur Produktlinie „Franken aktiv: Wandern“. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sind sie vor allem für die Beschilderung, Möblierung und Pflege des Wegenetzes zuständig. Hinzu kommt eine große Unterstützung bei den verschiedenen Marketingaktivitäten, sei es bei der Erstellung von Broschüren oder in ihrer Funktion als Wanderführer.

WM: Da für Sie Qualität so wichtig ist: Entwickeln Sie zurzeit auch Qualitätsmerkmale für Wanderprodukte?

Olaf Seifert: Wir greifen hier auf die Vorgaben der Fachorganisationen zurück. Im Bereich zertifizierte Fernwanderwege gibt es ja bereits Gütesiegel, und mit den zertifizierten Wandergastgebern im Unterkunftsbereich auch. Zusätzlich eigene Kriterien zu entwickeln, halte ich nicht für sinnvoll, denn das würde nicht gerade zur Transparenz beitragen. In diesem Sinn sollten die vorhandenen Gütesiegel genutzt werden.

WM: Wie geht es mit der Vermarktung voran?

Olaf Seifert: Wir haben unsere Marketingstrategie im Jahr 2001 bis 2008 definiert. Bisher liegen wir voll im Plan.

WM: Der Tourismusverband Franken hat mit dem „Kompendium des Wanderns“ ein erstaunlich umfangreiches, nützliches und informatives Medium zum Thema Wandern für Touristiker erstellt. Warum, und: Wie erfolgreich ist es?

Olaf Seifert: Ein wesentlicher Bestandteil unseres Konzeptes bzw. unserer Qualitätsoffensive zum Wandern ist der Bereich „Weiterbildung und Schulung“. Hierzu gehört als begleitendes Element zu den Seminaren und Fachtagungen auch eine Broschüre mit den wichtigsten Informationen zu der Thematik. Wie erfolgreich die Broschüre ist, zeigt die Tatsache, dass die 1. Auflage bereits nach einem Jahr vergriffen war.

WM: Momentan basteln Ihre unmittelbaren geografischen Nachbarn, die Ostbayern, an einem ungeheuer aufwändigen Wanderinfrastrukturenprojekt. Warum gibt es keine Kooperation zwischen Ostbayern und Franken?

Olaf Seifert: Von einer fehlenden Kooperation kann ich nicht sprechen. Die Details des ostbayerischen Projektes sind mir zwar nicht bekannt, aber die grobe Linie stimmen wir schon miteinander ab. Dabei sehen wir uns nicht als Konkurrenten, sondern als Partner, denn der Gast kennt keine Verwaltungsgrenzen. Dass z.B. der „Goldsteig“ im fränkischen Marktredwitz im Fichtelgebirge beginnt, ist hierfür auch ein Beleg. Berührungsängste kennen wir nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. So bestehen Überlegungen, zwischen Goldsteig und Fränkischem Gebirgsweg eine Vernetzung herzustellen.

WM: Die Einweihung des „Fernweges Romantische Straße“ soll im September diesen Jahres stattfinden. Gibt es seitens des Tourismusverbandes Franken Pläne für eine Anbindung?

Olaf Seifert: Wir sind schon seit der Gründung förderndes Mitglied der „Romantischen Straße“. Ein Großteil läuft ja auch durch Franken und wir sehen unsere Verpflichtung, überall auf die Romantische Straße hinzuweisen und sie entsprechend zu unterstützen. In diesem Sinn werden wir natürlich auch das neue Projekt der „Romantische Straße“ in unseren Marketingmaßnahmen berücksichtigen.

WM: Für Weitwanderwege gibt es gleich zwei Prädikate. Das „Deutsche Wandersiegel“ vom Deutschen Wanderinstitut und den „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ vom Deutschen Wanderverband. Wie glücklich sind Sie als Cheftouristiker damit?

Olaf Seifert: Mit dieser Situation bin ich mehr als unglücklich. Ich habe mich schon frühzeitig für ein einziges Gütesiegel ausgesprochen. Heute wird man von Gütesiegeln überschwemmt. Leidtragende sind oftmals die Gäste, die Inhalt und Bedeutung der Gütesiegel kaum noch nachvollziehen können. Wenn diejenigen, die die Gütesiegel vergeben, immer davon sprechen, wie wichtig Transparenz ist, dann erwarte ich auch von Gütesiegeln selbst diese Transparenz. Aus Marketingsicht ist es für Anbieter nur sehr schwer möglich, die Unterschiede mehrer Gütesiegel zu transportieren. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, dem Gast zu erklären, was das A- oder B-Gütesiegel zu bedeuten hat. Das ist Aufgabe derjenigen, die ein Gütesiegel verleihen. Deswegen sage ich noch einmal ganz deutlich: Notwendig ist nur ein Gütesiegel, sei es nun im übertragenen Sinn in zwei Stufen oder in einer „Silber- und Goldausführung“. Ich gehe davon aus, dass sich langfristig nur ein Gütesiegel durchsetzen wird – für unseren Zuständigkeitsbereich – „Frankenweg“ und „Fränkischer Gebirgsweg“ – konzentrieren wir uns auf das Gütesiegel des Deutschen Wanderverbandes. In anderen fränkischen Gebieten gibt es ähnliche Überlegungen.

WM: Vor einigen Tagen ging die Meldung durch die Presse, dass auch der Steigerwald demnächst mit einem Prädikatsweg in die Liga der Qualitäts-Wanderregionen aufsteigen will. Begleiten Sie dieses Projekt?

Olaf Seifert: Dies ist ein klassisches Beispiel einer gebietlichen Maßnahme, die wir, wie auch die „Spessartwege“ oder den „Altmühltal Panoramaweg“, im Marketingbereich unterstützen.

WM: Herr Seifert, wie steht es um Ihre persönlichen Wanderneigungen? Wandern Sie gelegentlich oder regelmäßig? Und wenn Sie drei Ziele zur Auswahl hätten, wohin würden Sie gerne reisen und dort wandern?

Olaf Seifert: Wenn überhaupt, würde ich mich als Gelegenheitswanderer oder als Spaziergänger bezeichnen. Reisen ist für mich nicht nur ein berufliches Thema, sondern auch eine Art Lebensphilosophie. Neues entdecken, Neues erleben, neue Leute kennen lernen. Also eine glückliche Fügung, dass Beruf gleichzeitig auch Hobby ist. Da ich beruflich viel in Franken unterwegs bin, habe ich mehr oder weniger als Ausgleich ein gewisses Faible für Fernreisen. Eine Tour durch die Wüste Gobi, ins Amazonasgebiet oder in den Norden Kanadas - das wären wunderbare Ziele. Und immer im Gepäck: Toleranz für die Menschen, damit kommt man am besten durch die Welt.

WM: Herr Seifert, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führten Dr. Konrad Lechner und Michael Sänger.



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