© Klaus-Peter Kappest

Dichters Spuren folgen

Ausgabe 131 – Oktober/November 2006

Deutschland

Literarische Wanderungen – ein Erfolgsmodell des neuen Kulturtourismus

Goethefels bei Wiesbaden/Frauenstein
Goethefels bei Wiesbaden/Frauenstein

Unser Kontinent – und das „Land der Dichter und Denker“ ganz besonders – ist bekanntlich überzogen von Wanderwegenetzen. Erwähnt seien hier nur die neuen Premiumwanderwege, die Europäischen Fernwanderwege, die Via Alpina, die großenteils historischen, teils erst nach der Grenzöffnung verknüpften Verbindungen einzelner Landschaftsregionen wie etwa die im Bayerischen Wald und Böhmerwald. Nicht wenige sind so genannte Themenwege. Ein Thema hat sich dabei in letzter Zeit weit in den Vordergrund geschoben: die Literatur.

Poetenpfade – Literatenwege

Das Thema der Poetenpfade ist gewiss nicht weit hergeholt. Wenngleich es erst durch einzelne Orte (wie etwa Marburg: Bettina Brentano, Johann-Heinrich Jung-Stilling, die Brüder Grimm; oder Weiden: Johann Wolfgang von Goethe) oder durch Einzelgänger (wie dem „literarischen Spaziergänger“ Dirk Heißerer) richtig entdeckt und vermarktet wurde, um nun als „wanderbares“ Programm professionell angeboten zu werden. Das hatte immerhin so viel Erfolg, dass sich heute fast jede Stadt und jede Region, die auf einen gepflegten Kulturtourismus baut, einen oder auch mehrere Dichter „hält“.

Lieben, Leben, Fuß- und Lebensspuren

Wo so ein berühmter Künstlermensch einst lebte, vielleicht liebte, literarisch wirkte und oft auch selbst wanderte, da tun sich nun Wege auf, die gesäumt sind mit Gedenkstätten und Museen, mit Biografien und jeden-falls mit ortsbezogenen Texten. Der Lite-raturbeflissene unter den Wanderern (und davon soll es viele geben) mag dort allein gehen, lesen und forschen oder sich einer Führung anvertrauen. Hierzu gehören mancher Orts auch Lesungen, etwa bei einer Wanderung auf den Spuren der wiederentdeckten Emerenz Meier im Bayerischen Wald. Zu ganz wichtigen Dichtern wie Goethe in Südthüringen oder Heine im Harz führen auch spezielle Markierungen. Auch Broschüren mit ziemlich genauen Wegbeschreibungen sind verfügbar, beispiels-weise über die Hesse-Halbinsel Höri und die Wege Friedrich Rückers im Fränkischen.

Vom Rundgang zur Stattreise

Literarische Wanderungen füllen inzwischen Bücher, werden von Wandervereinen, Bil-dungseinrichtungen und Touristikorganisa-tionen organisiert und angeboten. So veranstalten allein die „stattreisen München“ in diesem Jahr literarische Rundgänge auf den Spuren von Lena Christ, Franziska von Reventlow, Thomas Mann, Oskar Maria Graf, Lion Feuchtwanger, Ödön von Horvath und Karl Valentin.

Mit Dichteraugen die Welt betrachten

Fast jede deutsche Gemeinde hätte solche Spuren, man müsste sich nur auf die Suche machen. Im „Literarischen Führer durch Deutschland“, dessen jüngste Ausgabe endlich auch die ostdeutschen Länder einbezieht, waren bisher schon nicht weniger als 2250 Orte verzeichnet, die mit den Lebensdaten von Schriftstellern irgendwie verbunden sind. Das Netz spannt sich kreuz und quer durch Deutschland. Ungefähr vom Bodensee (Anette von Droste-Hülshoff, Hermann Hesse, Martin Walser) bis an die Nordsee (Wilhelm Raabe, Theodor Storm, Ernst Penzoldt) und die Ostsee (die Brüder Mann, Gerhard Hauptmann, Uwe Johnson).

Verstehen heißt gehen...

Freilich, die Dichter kann man auch zuhause lesen. Greifbar konkret werden ihre niedergeschriebenen Gedanken und Eindrücke freilich erst „vor Ort“. Denn wie heißt doch das schon geflügelte, manchmal auch falsch zitierte Leitwort von Goethe: „Wer das Dichten will verstehen, muss ins Land der Dichtung gehen. Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen.“

Reiselust und Wanderfreuden

Dichters Lande sind überall, gewiss nicht nur im wunderbar wanderbaren Deutschland. Merkwürdigerweise stößt man fast überall immer wieder auf dieselben großen Namen der Literatur: Goethe, Heine, Viktor von Scheffel, Rilke, Thomas Mann, Tucholsky, Stefan Zweig, Zuckmayer, Brecht oder – von außerhalb des deutschen Sprachraums – Andersen, Stevenson, Twain, Hemingway. Bei den willkürlich Genannten handelte es sich offenbar um besonders wander- oder jeden-falls reiselustige Schriftsteller.

Poetenpfade

Merkwürdig ebenso, dass es sich bei den meisten dichtenden Wandergesellen um recht kritische Geister handelte. Damit mag erklärt sein, dass es mancherorts lange gedauert hat, bis man darauf kam, die berühmten Söhne und Töchter der Heimat durch Wege und Führungen zu ehren. Beispiele für solch schwierige Wegbereitung finden sich in Deutschland zuhauf. Jetzt aber rufen sie allesamt Wanderer zuhauf, die ihren Spuren und Worten folgen.

Wandermagazin möchte Anregungen für literarische Wanderungen geben. Zwei Beispiele präsentieren wir in dieser Ausgabe. Angenehme Stunden....!

Dies sind die Beispiele:

  • Über allen Gipfeln ist Ruh - Auf Goethes Spuren rund um Ilmenau
  • Von Dichtern und Denkern - Auf literarischen Pfaden in und um Tübingen


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Ausgabe 131

Oktober/November 2006