© Klaus-Peter Kappest

Vierkötters Auszeit

Ausgabe 131 – Oktober/November 2006

Asien

Ein Monat China liegt hinter uns. Wie geplant, lassen wir es ruhig angehen und tasten uns langsam in dieses spannende, aber auch aufreibende Land vor. Einige Eindrücke habe ich bereits auf der Homepage des Wandermagazis in der Rubrik „Vierkötters Auszeit“

We walked the wall

Auf der Großen Mauer
Auf der Großen Mauer

Die Große Mauer kennt sicherlich jeder Chinareisende. Sie gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Welt. Ich habe schon lange davon geträumt, einmal auf ihr zu wandern. Da ich mit diesem Traum unter europäischen Reisenden wohl nicht ganz alleine bin, haben sich in Peking viele Hotels und Hostels darauf eingestellt und bieten entsprechende Tagesausflüge an. Man sollte bei den Angeboten unbedingt darauf achten, dass nur der Transport geleistet wird, sonst kann die Fahrt leicht in eine nervende Verkaufsfahrt ausarten.

In drei bis vier Stunden fährt man mit dem Bus von Beijing nach Jinshanling. Dort gibt es neben dem Ticketschalter und einem Hotel nicht viel, und man ist nach nur zehn Minuten auf der Großen Mauer. Und da ist es genau so, wie man es von den vielen Fotos und Filmausschnitten kennt: Breite Steinstufen steigen und fallen so weit das Auge reicht über kleine Bergrücken dahin, nur von schlichten Wachtürmen in regelmäßigen Abständen unterbrochen. Nun stand ich endlich auf der Mauer und fühlte mich ganz komisch. Weder begeistert wie beim Himmelstempel noch enttäuscht wie bei der Verbotenen Stadt. Anja ging es ähnlich.

Vielleicht lag es am bedeckten Himmel, dass wir uns nicht richtig freuen konnten. Wer dagegen einen von den nicht allzu häufigen Sonnentagen erwischt, wird auf den zehn Kilometern bis Simatai sehr ins Schwitzen kommen, da es keinen Schatten außerhalb der ungefähr 15 Wachtürme gibt.

Das immense Alter kann man der Mauer auf der Wanderung ansehen, erst kurz vor Simatai werden die Restaurierungen deutlicher. In Simatai endet die vier- bis fünfstündige Wanderung an einer wunderschönen Hängebrücke über einem kleinen Stausee. Dort warten die Busse für die Rückfahrt, doch muss man sich sputen und sollte die vereinbarte Abfahrtszeit nicht länger als eine eine halbe Stunde überschreiten. Übernachten an der Mauer ist sowohl in Jinshanling als auch in Simatai möglich, aber oft ausgebucht.

Im Kloster leben

Das zweite Mal, dass wir aus dem chinesischen Großstadtdschungel ins Grüne gefahren sind, war von Chengdu aus. Zuerst wollten wir den bekannten Emei Shan 100 km südwestlich von Chengdu besteigen. Der hängt fast jeden Tag in Wolken, ist aber trotzdem sehr überlaufen. Ungefähr 80 Kilometer nordwestlich liegen zwei weitere heilige Berge. Am Qingcheng Shan, der Geburtsstätte des Taoismus, gibt es hotelähnliche Unterkünfte innerhalb der Tempelanlagen. Der 15 Kilometer weiter westlich gelegene Qingcheng Houshan soll zwar mehr Natur bieten, dafür aber auch Schlafsäle mit Bettwanzen. Da beide gleich stark von Touristen besucht werden, haben wir uns für den Qingcheng Shan entscheiden. Eine Woche später wussten wir, dass es die richtige Entscheidung war.

Wir können zwar nicht sagen, dass wir mit den Mönchen gelebt haben, aber wenn abends die Tagestouristen weniger wurden und wir zusammen mit wenigen Gästen und einigen Mönchen gegessen haben, war das schon besonders. Nach dem Essen spielten die Mönche noch Karten, bevor sie die Tore schlossen und sich in ihre kleinen Quartiere zurückzogen. Wir saßen dann auf unserem Balkon und hörten dem ohrenbetäubenden Grillenzirpen zu, das nur durch einige Fernsehstimmen unterbrochen wurden, die aber gar nicht störten. Sie zeigten nur, dass wir in einem wirklichen Kloster waren, wo Gedanken aus dem 7. Jahrhundert nach Christus auf die Errungenschaften der Moderne trafen und sich ganz unromantisch aber friedlich vertrugen. Ein Erlebnis auch die Ruhe am Morgen, das langsame Erwachen des Klosters, wenn jeder Mönch seine Tagesbeschäftigung aufnahm und allmählich die ersten schweißgebadeten Touristen durch die Eingangspforte traten.

Die Landschaft, in die der Tempel eingebettet liegt, zeichnet sich durch hintereinander gestaffelte Felskegel aus Sandstein und tiefe Schluchten aus. Die Steinpfade führen fast ausschließlich durch dichten Wald und die Luft ist kühler als in Chengdu. Trotzdem kommt man auch hier wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und der steilen Anstiege schnell ins Schwitzen. Höhepunkt ist der auf 1.600 Metern gelegene Gipfeltempel mit weiter Sicht über den Beginn des tibetischen Hochplateaus. Wer wenig Zeit hat oder viel Schwitzen will, der kann den Rundgang an einem Tag machen. Die besondere Stimmung des Berges, wird er so aber nicht erleben.

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Ausgabe 131

Oktober/November 2006