© Klaus-Peter Kappest

Das Fichtelgebirge: Ein Kunstwerk der Natur

Ausgabe 132 – Dezember 2006/Januar 2007

Deutschland

„Eine Schatzkammer kostbarer Metalle und Edelsteine, ein anmutiges Paradies unserer lieben Mutter Erde“, so beschreibt Johann Will bereits 1692 das Fichtelgebirge. Auch in der folgenden Zeit sind die Reisenden von dem urwüchsigen, wilden Gebirge immer wie

Von Neusorg auf das Gebirge

Birgit sucht auf der Platte einen Rastplatz
Birgit sucht auf der Platte einen Rastplatz

Ein sanfter Anstieg führt durch den freundlichen Ort hinauf in den Wald. Es ist Spätsommer. Auf den Lichtungen blühat noch das Weidenröschen und an den Wegrändern das nicht weniger farbenprächtige Klebrige Springkraut. Dann taucht der Weg ein in die dunkle Schlucht des Höllbaches mit seinem kristallklaren Wasser. Bald schwingt er sich wieder auf eine Hochfläche mit Kapelle und einladendem Rastplatz. In der Ferne erkennt man die turmgekrönte Platte im Steinwald und auch den markanten Vulkankegel des Rauhen Kulm, ein Wahrzeichen Oberfrankens.

Kösseinehaus und Girgelhöhle. In 939 Metern Höhe erbaute der FGV 1903 ein Unterkunftshaus. 1999 gründlich renoviert, wird es den modernen Ansprüchen gerecht. Der benachbarte Aussichtspunkt gehört zu den schönsten im ganzen Gebirge. An klaren Tagen reicht der Blick über das Fichtelgebirge hinaus bis nach Böhmen, zum Oberpfälzer Wald und zur Fränkischen Alb. Immer abwechslungsreich, ja spannend ist die Wanderung auf dem Höhenweg des FGV. Zunächst erfordert die Hohe Matze eine richtige Kletterei, um das Gipfelkreuz zu erreichen. Dann erreicht man den Totenkopffelsen, und anschließend führt ein Abstecher zur Girgelhöhle und in diese hinab. Wie von Riesenhand verteilt türmen sich die Granitblöcke, bilden Spalten und eben diese tiefe Höhle. Eine Infotafel erzählt vom unglücklichen Leben und noch schlimmeren Ende des Girgel. Nahe am Höhenweg ragt ein Fels auf, der nach dem Besuch des bayerischen Kronprinzen Prinzenfels „getauft“ wurde. Eine sichere Steiganlage ermöglicht die Besteigung, die wegen der Aussicht sehr zu empfehlen ist. Bemerkenswert ist auch, dass der Steinbrocken sich genau auf dem 50. Breitengrad befindet.

Gebirgsunterkünfte

"O, Täler weit, o Höhen …" - Ausblick von der Platte

Zwischen dem Prinzenfels und der Platte, wo der Höhenweg die Straße von Fichtelberg nach Tröstau kreuzt, liegt das schöne Gasthaus Silberhütte, wo man einkehren und übernachten kann. Die Busstation wird vom Anrufbus angefahren. Deshalb kann man die Wanderung von Neusorg bis zum Silberhaus auch als Tagestour durchführen. Das Gleiche gilt für die zweite Etappe vom Silberhaus nach Weissenstadt. Zwischen Platte und Nußhardt führt der Höhenweg am Seehaus vorbei. Das über 900 m hoch gelegene Unterkunftshaus des FGV, in dem man ebenfalls übernachten kann, hat bereits alpinen Charakter. Hier wurde früher Zinnstein abgebaut, der durch Schlämmen angereichert wurde. Außerdem lieferte das Erz – wenn auch nur wenig – vom seltenen Wolfram.

Die große Bergschau von der Platte

Die Platte trägt ihren Namen zu Recht: Der Gipfel besteht aus einem Trümmerfeld von Felsplatten in allen Größen, die bei entsprechender Vorsicht bestiegen werden können. So findet jeder Wanderer sein Plätzchen, auf dem er rasten und in die Ferne blicken kann. Es ist schwer zu sagen, wann es hier am schönsten ist. Vielleicht im Spätsommer oder Herbst, wenn die Sträucher auf den Felsen ringsum bereits bunt gefärbt sind und die Luft so klar ist, dass man viele der bekannten Gipfel des Gebirges erkennt.

Die Felsenburg Nußhardt

Auch auf dem Nußhardt wird der Gipfel von Felsen geprägt. Eine besonders große Platte steht aufgerichtet wie ein riesiges Steinbeil und kann über eine Leiter sicher bestiegen werden. Die Vertiefungen auf der Plattform wurden früher als Opferblutschalen gedeutet, sind aber wahrscheinlich nur natürliche Auswaschungen. Ich erinnere mich gerne an eine frühere Besteigung ohne Fernsicht: Dichte Nebel wallten um die Felsen und gaben mir kurzzeitig den Blick etwas frei, ehe neue Schwaden über den Bergwald zogen. Die Felsengruppe des Gipfels bietet guten Wetterschutz.

Schneeberg: Frankens höchster Berg

Der mit 1.051 m höchste Berg ganz Frankens kommt auf eine Jahresdurchschnittstemperatur von nicht einmal 3,8 Grad. Die windreiche Lage und kurzen Sommer sind gut für kälteliebende Pflanzen und Tiere, die sich teilweise als Relikte aus der Eiszeit gehalten haben. Bereits im Mittelalter stand hier ein Wartturm, heute markiert die höchste Stelle eine gut zugängliche Aussichtskanzel. Als ich im September mit einer großen Wandergruppe den Schneeberg bestieg, wurde es bereits am Nachmittag bedrohlich dunkel. Dann kam kräftiger Regen, der uns bis Weissenstadt begleitete. Nach vorsichtigem Abstieg über die rutschigen Felsen erreichten wir ein gemütliches Gasthaus. Trotz der Kälte war der Durst groß, und die Wogen der Begeisterung schlugen immer höher.

Plus ausfühlicher Tourentipp:

In zwei Tagen über das Fichtelgebirge



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