© Klaus-Peter Kappest

Mord & Mythen

Ausgabe 132 – Dezember 2006/Januar 2007

Deutschland

Walpurgisnächte, Hexentanz, Sagenwege und Krimiwanderungen – marktschreierisches Werbetremolo oder handfestes Themenangebot mit allzeit nachvollziehbaren Wanderinhalten? Wandermagazin hat das Wanderangebot in Deutschland daraufhin gesichtet. Den mythisc

Rotkäppchen, Frau Holle und Schneewittchen

Hexengestalten findet man in Thale viele
Hexengestalten findet man in Thale viele

Als Rotkäppchenland gilt die Region von Schwalmtal und Knüllwald, zwischen Marburg und Kassel vor der Mündung der Schwalm in die Eder. Auf dem Meißner über dem Werratal lockt der Frau-Holle-Teich, und vom beschaulichen Lohr am Main führt der Schneewittchenwanderweg über die sieben Berge hinein in den Spessart. Schöppenstedt am Fuße des Lappwaldes bei Helmstedt lädt zu Radtouren auf den Spuren des Lügenbarons von Münchhausen ein.

Sherlock Holmes und Dr. Watson

In der Eifel, genauer gesagt, in Hillesheim, gehören die Krimiwanderungen seit einigen Jahren zum Bestseller unter den Wanderpauschalen. Hier darf nach Art des englischen Kriminalistenduos Holmes und Watson kombiniert, identifiziert und überführt werden. Ermittlungen per pedes kann man auch am Hellweg (www.mordamhellweg.de), einer historischen Verbindungslinie vom Rhein nach Ostwestfalen, führen. Allerdings ist das Vergnügen jeweils auf die kriminalistische Kampagne mit Lesungen im September und Oktober eines Jahres begrenzt.

Mythen, Hexen und Besenstiele

Begegnung mit dem Phantastischem
Begegnung mit dem Phantastischem

Der Höhepunkt mythischen Treibens, gepaart mit der passenden Naturkulisse, erschlossen durch Wanderwege und -pfade, ist freilich Thale im Harz. Schon die Lage, am Ausgang des fulimanten Durchbruchtals der Bode durch ein gewaltiges Massiv aus Granitgestein, von Quarzgängen durchzogen, ist sprichwörtlich sagenhaft. Teufelswerk nennen es die sichtlich beeindruckten Besucher. Von der Teufelsbrücke, wo das Bodetal besonders eng und die Felswände besonders steil und riesenhaft sind, schäumt und gischtet die Bode tosend zu T(h)ale. Keine Frage – das muss die Heimstatt der Hexen und ihrer fliegenden Besen sein. Vielleicht sollte man sich schon mal den 27.10.2007 vormerken, wenn die „Lange Nacht der Hexen“ Thale für einen Nachmittag und einen Abend in „Hexencity“ verwandelt.

Thale: Wenn Mythen erlebbar werden ...

Nirgends in Deutschland konzentrieren sich Sagen und Mythen so wie in Thale. War es nicht Goethe, der im „Harzgebirg“ zur Walpurgisnacht Mephistopheles fragen lässt: „Verlangst du nicht nach einem Besenstiele...?“ Es gibt guten Grund zu der Annahme, dass Goethe für die Faust‘sche Szene der Walpurgisnacht Inspiration und mythisches Themenfutter just in Thale fand. Das liegt sicher auch an den begehbaren Kultstätten wie dem hoch über dem Bodetal gelegenen, mystischen Hexentanzplatz oder der Roßtrappe, von der die Sage erzählt: Eine Prinzessin namens Brunhilde sei hier auf einem Rappen die unmöglich geglaubte Flucht in buchstäblich letzter Sekunde vor dem wutschnaubenden Böhmenkönig Bodo gelungen. Historiker sehen in der Roßtrappe, einem 403 m hohen Felsgipfel am linken Bodeufer, eine uralte germanische Kultstätte. Heinrich Heine illustrierte die Bode in seiner Harzreise übrigens als „düstere Schöne“ und, nomen est omen, der Harzer-Hexen-Stieg nimmt just in Thale seinen Anfang. 98 km lang, quert der Fernwanderweg den Harz von Ost nach West. Die Thale-Information organisiert auf Wunsch Wanderungen ohne Gepäck. Der Qualitätswanderweg überquert auf seinem Weg nach Osterode auch den Brocken.

Mythenweg und Walpurgisnacht

Skurriles gibt es in Thale. Wotans Pferd Sleipnir, die Raben Hugin und Munin oder die Windzwerge Nordi, Austri, Sudri und Westri am Brunnen der Weisheit vor dem Rathaus zum Beispiel. Künstler haben den Sagengestalten Form und Ausdruck gegeben. Hier startet auch der Mythenweg. Geführte Wanderungen zum Sachsenwall, zur Walpurgishalle auf dem Hexentanzplatz mit dem Opferstein, Wanderungen mit Hexenbegleitung zur Hexenküche oder eine Sagenwanderung bietet die Thale-Information ganzjährig an. Kalendarischer Höhepunkt des jährlichen Hexentreibens ist natürlich die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai: Die Walpurgisnacht. Dann reiten die Hexen Norddeutschlands wieder auf ihren Besen herbei. Darauf einen teuflischen Gruß!

Info & Buchungen:

Geführte Wanderungen auf dem Mythenweg, Sagen- und Hexentouren und allerlei "hexenhafte" Hilfestellungen für teuflische Wandertage mit und ohne Gepäck gibt es bei der Thale-Information.

Thale-Information, Rathausplatz 1, 06502 Thale

Tel. 03947/2597, Fax 03947/2277

info@thale.de

Link-Tipp

www.thale.de

zur Seite...

Link-Tipp

www.mordamhellweg.de

zur Seite...

Downloads

Krimiweg Reportage_132.pdf (524 KB)



Weiter geht's in der Print-Ausgabe

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

Ausgabe 132

Dezember 2006/Januar 2007